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  • Kind hat chronische Schmerzen: Psychologisch behandeln

    Gießen (dpa/tmn). Kopf- und Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten chronischen Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen. Wenn der Schmerz immer mehr Raum in Alltag und Familienleben einnimmt, sollten Eltern sich Gedanken über eine zusätzliche psychologische Behandlung machen.

    «Ein wichtiger Hinweis ist es, wenn Verpflichtungen und Hobbys nicht mehr wahrgenommen werden können», sagte die Psychologin Ria Matwich von der verhaltenstherapeutischen Ambulanz der Universität Gießen. Dazu zähle auch, wenn das Kind wegen seiner Schmerzen einmal in der Woche in der Schule fehlt oder im Unterricht nicht mehr mitkommt.

    Die Ambulanz hat deutschlandweit als erste einen Forschungs- und Behandlungsschwerpunkt eingerichtet, der speziell für Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen konzipiert ist. Dorthin können sich Eltern wenden, wenn sie merken, dass ihr Kind, sie selbst oder die ganze Familie durch die Beschwerden emotional stark belastet sind. Betroffene Kinder klagen häufig über Schmerzen, wirken oft trauriger, ziehen sich zurück, haben kein Lust mehr, etwas zu unternehmen, oder meiden Freunde. «Oft haben die Kinder schon eine ganze Reihe Ärzte - Hausärzte, Kinderärzte, Neurologen - durch, bevor sie zu uns kommen», erläutert Matwich. Massive körperliche Ursachen für die Schmerzen seien dann meist längst ausgeschlossen worden.

    Am Anfang der psychologischen Behandlung steht eine gründliche Diagnostik. Sie soll laut Matwich unter anderem den Umfang und den Charakter der bestehenden Schmerzerkrankung klären. Auch müsse die Frage geklärt werden, ob es noch andere Probleme gibt. Das können Angststörungen wie eine Schulphobie sein, die ebenfalls behandelt werden sollten. Genauso wichtig sei es, zu ermitteln, welchen Stellenwert der Schmerz in der Familie einnimmt. In Rollenspielen mit dem Kind und seinen Eltern lasse sich herausfinden, wie das Kind seine Schmerzen mitteilt und wie das Leben wäre, wenn das Kind keine Beschwerden hätte.

    «Eltern können das Schmerzverhalten ihres Kindes durch ihr eigenes Verhalten verstärken, indem sie ihre große Besorgnis erkennen lassen, dem Schmerz viel Aufmerksamkeit schenken und großes Engagement an den Tag legen», erklärt die Psychologin. Das sei der Fall, wenn wegen der Schmerzen alle Termine abgesagt werden, Mutter oder Vater nicht mehr arbeiten gehen, ständig das Lieblingsessen gekocht oder aus dem Lieblingsbuch vorgelesen werde. «Auch wenn es dem Kind wirklich wehtut, hat es auf diese Weise gelernt, dass die Schmerzen auch Vorteile haben.» Die ganze Familie sei dann um den Schmerz gruppiert. Wer das erkennt und ändert, trage zu einer positiven Entwicklung bei.

    Ein weiterer Bestandteil ist ein Schmerzbewältigungstraining. Dabei lernen die Kinder unter anderem, ihre Aufmerksamkeit gezielt auf positive Dinge zu lenken. «Musik hören, trotz Schmerzen bewusst einen Freund treffen, kleine Spiele wie 'Zehn rote Sachen im Raum finden' spielen», zählt Matwich als Strategien auf. Darüber hinaus gehe es darum, die Schmerzen anders zu bewerten, sie nicht zu «katastrophisieren»: «Stress, negative Gefühle und Gedanken wie 'Das wird immer so sein' können Schmerzen verstärken», erklärt die Psychologin. Gegenmittel seien bewusstes Entspannen, etwa durch progressive Muskelrelaxation, oder Fantasiereisen an Orte, die Geborgenheit vermitteln und so positive Gefühle hervorrufen.

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