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    Monte CarloIOC und FIFA spielen auf Zeit - Empörung in Russland

    Von einer Krise wollen das IOC und die FIFA nichts wissen. Nach dem ersten Schock über den russischen Doping-Skandal demonstrierten die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees und des Fußball-Weltverbands zumindest nach außen Gelassenheit.

    Gefordert
    In einem offenen Brief an IOC-Präsident Thomas Bach wurden Menschenrechte als Standard bei Olympischen Spielen gefordert.
    Foto: Sebastien Nogier - DPA

    Die Dachverbände verwiesen auf die Zuständigkeit von Spezialgremien und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). In Moskau vermuteten Kommentatoren, die Enthüllungen über eine «Doping-Mafia» seien angesichts der politisch gespannten Lage Teil einer westlichen Schmutzkampagne gegen Russland.

    IOC-Präsident Thomas Bach sprach von «ernsthaften Anschuldigungen» und kündigte ein konsequentes Durchgreifen an - einen Rückschlag für das Image des Weltsports befürchtet er nicht. «Dafür ist es zu früh. Es sind ernsthafte Anschuldigungen, aber natürlich hat jeder Beteiligte das Recht auf einen vollständigen Prozess. Deshalb warten wir auf die Ergebnisse», sagte der 60-Jährige, der hofft, dass am 9. Dezember in Monte Carlo die Reformpläne seiner olympischen Agenda 2020 zur Neuausrichtung der Ringe-Organisation abgesegnet werden.

    Die IOC-Granden diskutierten im Grimaldi-Forum hinter verschlossenen Türen angeregt über die neuen Vorwürfe zu systematischem Doping in Russland - in der Öffentlichkeit aber präsentierten sie sich entspannt und gut gelaunt. Auch die FIFA versuchte, die neuen Anschuldigungen im Land des nächsten WM-Gastgebers Russland herunterzuspielen und nahm stattdessen die WADA in die Pflicht.

    «Die FIFA prüft die Berichte betreffend Doping in Russland gewissenhaft und steht in engem Kontakt zur WADA. Bis jetzt gibt es keine Hinweise, dass der Fußball betroffen sein könnte», sagte ein Sprecher. Die Analyse der Proben während der WM und des Confed Cups erfolgen in einem von der WADA zugelassenen Labor. «Es ist Aufgabe der WADA, dafür zu sorgen, dass das Labor die geforderten Unabhängigkeits- und Qualitätsvorgaben erfüllt, um gemäß Welt-Anti-Doping-Kodex zugelassen zu werden», so die FIFA.

    WADA-Präsident Craig Reedie, gleichzeitig IOC-Vize, überraschte mit der Aussage, seine Organisation sei nicht in der Position, gegen das russische Anti-Doping-Labor oder die Anti-Doping-Agentur Russlands (Rusada) vorzugehen. «Wir haben nicht diese Macht. Der nächste Schritt des ganzen Prozesses liegt jetzt in den Händen der Ethikkommission der IAAF», sagte der Brite und drängte auf eine rasche Aufklärung des Falles.

    Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) steht seit der Ausstrahlung der ARD-Doku «Geheimsache Doping» besonders im Fokus. Ein TV-Ausstieg ist für ARD und ZDF derzeit aber kein Thema. «Wichtig ist, dass wir das ganze Thema - insbesondere den Umgang der IAAF, aber auch des IOC sowie der WADA mit den Vorwürfen - weiterhin genau und kritisch beobachten und entsprechend auch weiterhin darüber berichten», erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Für ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ist es «noch zu früh, über mögliche Reaktionen zu sprechen».

    Dafür reagierten russische Medien umso heftiger auf die massiven Anschuldigungen. Es sei «merkwürdig», dass russische Sportler ausgerechnet jetzt mit teils kaum nachvollziehbaren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gingen, schrieb die Zeitung «Sport-Express». Die Athleten hätten sich international an zuständige Stellen oder Ermittler wenden können, meinte das Blatt. Der Direktor der Anti-Doping-Behörde Rusada, Nikita Kamajew, nannte die Vorwürfe «außergewöhnlichen Blödsinn». Bei Doping-Tests sei Korruption «absolut ausgeschlossen». Die «Komsomolskaja Prawda» bewertete den TV-Bericht sogar als einen «deutschen Angriff» auf den russischen Sport: «Die russischen Funktionäre vermuten eine zielgerichtete Attacke».

    Der russische Leichtathletik-Verband kritisierte die ARD-Doku als «eine Provokation, die den russischen Sport beschädigen soll». Den Aussagen der im Film gezeigten Zeugen sei kaum zu vertrauen, weil jeder der Athleten des Dopings überführt wurde. Jeder von ihnen habe ein Motiv, sich über Sportler, Trainer sowie Mitarbeiter von Rusada missgünstig zu äußern. Die hochdekorierte russische Stabhochspringerin Swetlana Feofanowa schimpfte: «Der deutsche Film über unseren Sport ist schlimmer als Pornografie. Das ist Schmutz. Die Deutschen sollten sich mal lieber um ihre eigenen Athleten kümmern.»

    ARD-Dokumentation in der Mediathek

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