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    Hans Zimmer wird gerne auch "Deutschlands Mann in
    Hollywood" genannt. Er wurde in Königstein bei Frankfurt geboren und
    lebt heute in Los Angeles. Zimmer gehört zu den einflussreichsten
    Filmkomponisten. Der 52-Jährige hat Erfolgsfilme wie "Rain Man",
    "Gladiator" und "Hannibal" vertont. Für "Der König der Löwen" bekam
    er den Oscar. Sein neuestes Werk ist die Musik für die Verfilmung des
    Detektiv-Klassikers "Sherlock Holmes" von Regisseur Guy Ritchie. Im
    Interview spricht Zimmer über Musik im Kopf, deutsche Eigenarten und Frauen in Hollywood.     

    London- Hans Zimmer wird gerne auch "Deutschlands Mann in
    Hollywood" genannt. Er wurde in Königstein bei Frankfurt geboren und
    lebt heute in Los Angeles. Zimmer gehört zu den einflussreichsten
    Filmkomponisten. Der 52-Jährige hat Erfolgsfilme wie "Rain Man",
    "Gladiator" und "Hannibal" vertont. Für "Der König der Löwen" bekam
    er den Oscar. Sein neuestes Werk ist die Musik für die Verfilmung des
    Detektiv-Klassikers "Sherlock Holmes" von Regisseur Guy Ritchie. Im
    Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa spricht Zimmer über
    Musik im Kopf, deutsche Eigenarten und Frauen in Hollywood.
         
    Was für eine Musik wollten Sie für "Sherlock Holmes" schaffen?
    Zimmer: Ich wollte eine Mischung aus Kurt Weill, The Pogues und
    einer verrückten Zigeuner-Band aus Rumänien. Der Film spielt im
    viktorianischen England, es ist die Zeit eines riesigen Imperiums.
    Ich wollte daher verschiedene Einflüsse in die Musik einbringen, ich
    war interessiert am Exotischen.

    Wie gehen sie beim Komponieren vor?
    Ich lese nicht das Drehbuch. Es sind die Gespräche mit dem
    Regisseur, die wichtig sind, das, was in dessen Kopf ist. Die Musik
    ist ein Ergebnis aus vielen Unterhaltungen. Die Zusammenarbeit mit
    Guy Ritchie war perfekt. Er spielt schlecht Gitarre, ich spiele
    schlecht Klavier. Nein, im Ernst, wir beide lieben irische Folk-
    Musik. Es ist wunderbar, wenn der Regisseur Musik liebt, und Guy tut
    das. Aber der Druck ist immer groß. Ich bin der Letzte, der an dem
    Film arbeitet. Und alle warten darauf. Ich arbeite nächtelang. Meine
    Familie ist darüber nicht immer glücklich.

    Hoffen Sie, dass die Arbeit dann wenigstens mit einem neuen
    Oscar belohnt wird?

    Das ist mir wirklich egal. Der erste Oscar war damals
    wichtig. Aber ich weiß nicht, ob er im Endeffekt eine große Rolle
    spielt. Meine Musik hat so viele andere beeinflusst. Die
    Oscar-Academy erkennt das spät. Sie sagen immer, sie wollten Neues,
    aber dann erkennen sie es erst, wenn es schon alle übernommen haben.

    Die meisten Ihrer Filme waren Blockbuster? Für welchen haben Sie sich
    geschämt?

    Geschämt habe ich mich nie. Aber ich bin nicht besonders
    stolz auf "Pearl Habour". Ich finde, der war Mist.

    Und gab es auch schon mal Krach mit einem Regisseur?

    Oh ja, mit Terrence Malick in "Der schmale Grat" habe ich
    mich unglaublich gezofft. Er sagte immer, wir streiten uns wie sich
    nur Brüder streiten können. Aber wir haben einen Job, als wären wir
    Chirurgen. Es ist, als würde ein Kranker vor uns liegen. Da darf kein
    Ego reinspielen.

    Würden Sie gerne mal wieder einen deutschen Film vertonen?
    "Es ist mir egal, aus welchem Land die Filme kommen, so lange
    sie gut sind. Sehr gut gefallen hat mir "Das Leben der Anderen". Den
    hätte ich gerne vertont.

    Finden Sie es nicht erschreckend, wie sehr man mit Filmmusik
    manipulieren kann?

    Ich manipuliere nicht. Ich versuche, mit meiner Musik Türen
    zu öffnen. Die Zuschauer haben ihre Freiheit. Wenn dann etwas falsch
    läuft, ist es ihre Schuld.

    Sie sind schon in jungen Jahren von Deutschland nach England
    gegangen. In Amerika leben sie seit 1992. Hätten Sie in ihrer Heimat
    auch Karriere machen können?

    In Deutschland hätte ich es nie geschafft, weil ich nicht
    auf der Musikhochschule war. Ich habe früher schön brav gefragt, ob
    ich beim Fernsehen was vertonen kann, aber die wollten mich nicht.
    England war für mich sehr wichtig. Wenn man keine akademische
    Musikausbildung hat, muss man in Deutschland immer beweisen, dass man
    kein Idiot ist. Und ich sehe nicht, dass sich da viel ändert.

    Ärgert es Sie eigentlich nicht, dass Sie nur im Abspann
    auftauchen und nie als Superstar gefeiert werden?

    Ich wollte nie im Vordergrund stehen. Ich schreibe für
    andere Musiker. Und da bin ich der Boss. Ich hatte mit 21 einen Rock-
    'n'-Roll-Hit, da habe ich schnell gemerkt, dass das nicht mein Leben
    wird. Das Gute ist: Ich kann immer in einem neuen Stil schreiben. Ich
    mache im Jahr drei bis vier Filme und kann es mir aussuchen.

    Welche Musik hören Sie selbst gerne?
    Zimmer: "Ich mag Kraftwerk, und bei der Arbeit für "Sherlock Holmes"
    habe ich ständig Einstürzende Neubauten gehört. Ich mag Beethoven und
    einen Abend haben wir Mahlers 2. Sinfonie in meinem Studio mit den
    Riesenboxen gehört.

    Kann man eigentlich auch als Frau Karriere als Filmkomponistin
    machen?

    Es gibt wenige Frauen im Filmgeschäft, generell. Das geht
    mir echt auf die Nerven, dass es so wenige sind. Viele glauben
    einfach nicht, dass eine Frau Action-Szenen vertonen kann. Aber das
    ist schlicht ein Vorurteil.

    Hatten Sie als Kind das Zeug zum Musiker?

    (lacht laut) Mein Klavierlehrer hat nach zwei Wochen gesagt:
    Entweder er oder ich. Wenn man Musik im Kopf hört, versteht man
    nicht, was die einem beibringen wollen. Ich war immer schon stur. Ich
    glaube, ich bin letzten Endes ein besserer Filmemacher als Musiker.
    Interview: Annette Reuther, dpa
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