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    Harte Zeiten für Fußball-Funktionäre - Folgt Akt drei?

    New York/Zürich (dpa) - Schon vor dem wegweisenden FIFA-Kongress richtet die Fußball-Welt den Blick auf das Nobelhotel Baur au Lac.

    Nobelhotel Baur au Lac
    Die Fußball-Welt richtet den Blick auf das Nobelhotel Baur au Lac.
    Foto: Walter Bieri - dpa

    Bereits zweimal schlug die Schweizer Polizei im Morgengrauen in der Luxusherberge nahe des Zürichsee zu und nahm führende Funktionäre fest - folgt diese Woche Akt drei des Krimis unter Führung der Justiz aus den USA und der Schweiz? Zumindest die Chance, alle Repräsentanten der 209 Mitglieder des Weltverbands an einem Ort versammelt zu haben, ist auf Jahre nie wieder so gut wie im Vorfeld der Wahl des Nachfolgers des gesperrten FIFA-Chefs Joseph Blatter an diesem Freitag.

    Dass die Strafverfolgungsbehörden in den USA in Sachen FIFA nicht die Absicht haben, ihren unerbittlichen Ruf aufzugeben, zeigte schon der Start der aktuellen Verfahren. Anklagen wurden gegen 41 Männer formuliert, sie umfassen Vorwürfe, aufgelistet in 92 Punkten. Einige von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, anderen leben gegen hohe Kautionen mit Fußfesseln und Ausgangsbeschränkungen im Umfeld des Gerichtssaales von Brooklyn. Richterin Vera Scanlon treibt die Verfahren Stück für Stück voran. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.

    Zu den Delinquenten gehören schillernde Figuren, vor allem aus Süd- und Mittelamerika. Wie Jeffrey Webb. Der Mann mit britischem Pass wurde als Verbandspräsident der Cayman Inseln Chef des amerikanischen Fußballverbandes. Für die Caymans, Nummer 196 der Weltrangliste, steht ein vierter Platz bei der Karibikmeisterschaft als größter Erfolg zu Buche. Bekannter ist die Inselgruppe durch das Verstecken von hohen Geldbeträgen vor den Finanzämtern der Welt. Webb schaffte es bis zum FIFA-Vize. Seine Kaution in Höhe von 10 Millionen US-Dollar stellte er unter anderem in Form von elf Luxusuhren.

    «Die Angeklagten haben sich über 24 Jahre hinweg mit Hilfe von Korruption am internationalen Fußball persönlich bereichert», heißt es von der US-Bundespolizei FBI. Viel härter kann man es nicht formulieren. Mit Justizministerin Loretta Lynch und FBI-Chef James B. Corney haben sich die höchstrangigen Strafverfolger persönlich dem Ziel verschrieben, den FIFA-Sumpf auszutrocknen. Die US-Behörden arbeiten eng mit der Staatsanwaltschaft in der Schweiz zusammen.

    Während die Eidgenossen vor allem untersuchen, ob die umstrittene Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 nach Katar mit rechten Dingen zuging, geht es den Amerikanern vor allem um krumme Deals mit Fernseh- und Sponsorenrechten. Bestechungsgelder in Höhe von 150 Millionen US-Dollar sollen geflossen sein. Auf Ersuchen der USA wurden am 27. Mai sowie am 3. Dezember 2015 in Zürich insgesamt neun Fußball-Funktionäre festgenommen. Die meisten wurden an die USA ausgeliefert, einer an sein Heimatland Uruguay. Bei drei Festgenommenen laufen die Auslieferungsverfahren noch.

    Die Schweiz hat inzwischen etliche Konten von Verdächtigen gesperrt, auf denen insgesamt mehr als 80 Millionen US-Dollar liegen sollen. Ende 2015 wurden erste Beweismittel in die USA geschickt. Besonders wichtig sind große Datensätze, die bei der FIFA beschlagnahmt wurden und nach Auswertung an die USA übergeben werden. Insgesamt werten die Schweizer Daten im unglaublichen Umfang von elf Terabyte aus.

    Was die Ermittlungen zur Vergabe der WM in Katar und Russland angeht, halten sich die Fahnder in der Schweiz bedeckt. Vergangenen Herbst hatte der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber erklärt, man sei bestrebt, eine Anklage so schnell wie möglich einzureichen. Er schloss aber nicht aus, dass es bis dahin noch Jahre dauern könnte.

    Auch ein Urteil über den auf Fußballebene gesperrten FIFA-Präsidenten Blatter könnte erst in Jahren fallen. Dass der Prozess vor 2017 beginnt, ist unwahrscheinlich. Es ist derzeit unklar, ob genug Beweismittel für eine Anklage zusammengetragen werden können. Gegen Blatter wurde am 24. September 2015 ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Veruntreuung sowie ungetreue Geschäftsbesorgung eingeleitet - so werden in der Schweiz Pflichtverletzungen zum Beispiel von Geschäftsführern zulasten ihrer Unternehmen genannt.

    Ihm wird im Kern vorgeworfen, mit dem früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner unsaubere TV-Deals abgeschlossen zu haben. Warner soll TV-Rechte an Weltmeisterschaften für Dumping-Preise erhalten und dann für Millionen weiterverkauft haben.

    Dem einstigen FIFA-Boss drohen bis zu fünf Jahre Haft. Blatter bestreitet aber alle Vorwürfe. Ende Januar wurde bekannt, dass ein Insider den Ermittlern weiteres Material aus der FIFA-Zentrale geliefert hat. Es gehe um «interessante Informationen, die uns bei der Aufbereitung der Strafuntersuchung markant weitergebracht haben», sagte Staatsanwaltschaftssprecher André Marty. Der Justiz-Krimi wird die Fußball-Welt noch einige Zeit in Atem halten.

    Mitteilung US-Justizministerium

    Informationen zu Loretta Lynch

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