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    BerlinGeschichte der Katarina W.: Erst Altlast, nun Ass

    Für Berlins Olympia-Bewerbung war sie 1993 eine Altlast. Nun ist sie auch im Finale von Münchens Kandidatur um die Winterspiele eine große Hoffnungsträgerin. Katarina Witt liefert vor olympischem Hintergrund ein Beispiel für gelungene deutsche Wiedervereinigung.

    Vorsitzende
    Katarina Witt ist das Gesicht der Münchner Olympia-Bewerbung.
    Foto: DPA

    Berthold Beitz war ganz aufgeregt. Katarina Witt hatte ihren Vortrag vor den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) kaum beendet, da stürzte das Ehrenmitglied aus dem Saal und mitten hinein in ein Zierwasser, das er in seiner Eile übersehen hatte.

    «Das ist eine eindeutige Schwächung der Berlin-Bewerbung. Ein solches Urteil steht ihr gar nicht zu», schimpfte der langjährige Krupp-Chef und ehemalige IOC-Vizepräsident. Berlins Repräsentanten nickten zustimmend, und nur Neumitglied Thomas Bach zeigte sich gelassen: «Ich kann mit ihren Äußerungen gut leben.»

    Was war geschehen? Vier Jahre nach dem Fall der Mauer galt die Eiskunstlauf-Prinzessin noch als Hätschelkind von DDR-Chef Erich Honecker, als zweimalige Olympiasiegerin von ihm ausgezeichnet mit dem Vaterländischen Verdienstorden und dem Privileg, 1988 als erste Sportlerin der DDR ins Profilager wechseln zu dürfen. Berlins Bewerber sahen in Katarina Witt eine Altlast, völlig ungeeignet als Olympia-Botschafterin.

    Doch das änderte sich, als bis nach Berlin durchgedrungen war, dass die Eis-Carmen international immer noch eine große Nummer ist und beim spanischen IOC-Boss ein Stein im Brett hat. Es folgte eine Anfrage an Katarina Witt, ob sie bereit sei, bei der entscheidenden IOC-Wahl in Monte Carlo für Berlin aufzutreten. Und es folgte ein Ja. Und dann folgte ein Nein, weil ein Gremium endgültig entschied, die Witt sei nicht vermittelbar.

    Diese Geschichte der Katarina W. muss man kennen, um zu erklären was dann geschah. Es begab sich 1993, dass Samaranch Katarina Witt bat, zur Einweihung des Olympischen Museums in Lausanne einen Festvortrag zu halten. Das tat sie in zehn Minuten mit einem «Text als Sportlerin pro Olympia». Sie geißelte «als Deutsche» den Rassismus ganz allgemein, datierte den Beginn des politischen Missbrauchs Olympischer Spiele mit der Berlin-Olympiade 1936 und erwähnte auch die Boykott-Spiele 1980 und 1984.

    Weniger der Inhalt war von Beitz und den Berlinern als anstößig empfunden worden, als vielmehr die Tatsache, dass ausgerechnet Katarina Witt als deutsche Sprecherin auserkoren worden war, ohne jede Ankündigung und damit völlig überraschend für alle. In Berlin nicht für würdig gehalten, Olympia-Botschafterin zu sein, in Lausanne vom IOC dazu auserkoren, für alle Sportler sprechen zu dürfen - irgendwie war das schon ein Hinweis dafür, dass Berlin drei Monate später in Monte Carlo blamabel hoch verlieren würde.

    18 Jahre später, Thomas Bach hatte Katarina Witt zum Aushängeschild von Münchens Bewerbung gemacht, hat sich Unverständnis in Verständnis gewandelt, Ablehnung in Anerkennung. So ist aus der Geschichte der Katarina W. eine schöne deutsche Vereinigungsgeschichte Katarina Witt geworden.

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