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    LindauExperte: Eltern sollten Kindern Ängste nicht vorleben

    Eltern sollten Ängste von Kindern ernst nehmen. Gleichzeitig sollten sie aber versuchen, ihre eigenen Ängste nicht auf Kinder zu übertragen.

    «Eltern haben einen großen Einfluss auf Kinder. Das gilt auch, wenn es um Ängste geht», sagt Karsten Münch von der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT). Ängste und innere Anspannungen würden sich verstärken, wenn sie vorgelebt werden. Manche Ängste wiederum müssten Eltern bei ihren Kindern bewusst hervorrufen. Etwa wenn es um Misstrauen gegenüber bestimmten Personen geht.

    Die Angst des Menschen ist altersabhängig, sagte Münch. Die zentrale Angst von Kindern dreht sich nach Angaben des Psychologen darum, die Liebe der Eltern zu verlieren. Aber auch viele äußere Dinge wie etwa Angst vor Dunkelheit oder Gewitter beschäftigen die Kleinen. «Kinder können Fantasie und Realität nicht auseinander halten.» Es sei deshalb wichtig, dass Eltern durch Zuwendung bestimmten Situationen die Bedrohlichkeit nehmen.

    Wenn Kinder älter werden und sich Fragen über die Welt und ihre Zukunft stellen, wächst laut Münch die Angst vor realen Bedrohungen, zum Beispiel, wenn Jugendliche ein ökologisches Bewusstsein entwickeln. «Sie empfinden Dinge mit besonderer Schärfe.»

    Bei Erwachsenen seien es meist gesellschaftliche Faktoren, die Angst hervorrufen. Zum Beispiel die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes und damit ein Absinken auf Hartz-IV-Niveau oder die Ungewissheit, wie es mit dem Klimawandel weitergeht.

    Angst ist bis zu einem gewissen Ausmaß gesund, sagte Münch. «Sie gehört zur Grundausstattung der Psyche und dient dazu, uns auf Gefahren hinzuweisen.» Wenn die Angst aber wächst und durch sie das alltägliche Leben beeinträchtigt wird, sollten sich Betroffene professionelle Hilfe suchen. Denn der Versuch, furchteinflößende Situationen zu vermeiden, führe zu Rückzug und Verzicht.

    «Wer an einer Löwenphobie leidet, kann bei uns damit leben. Wer aber Angst vor Hunden hat, wird im Alltag Schwierigkeiten haben.» Ständige Angst oder sogar Panikattacken im Verborgenen zu bewältigen, sei der falsche Weg. «Angst führt zu psychischen Problemen und kann auf Dauer auch körperliche Beschwerden hervorrufen.»

    Mit dem Thema Angst und der Entstehung von Angsterkrankungen befasst sich die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) bis Sonntag auf ihrer Jahrestagung in Lindau.

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