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  • Eiszeit: König Lange und Kronprinz Florschütz

    Whistler (dpa). «Kronprinz» Thomas Florschütz forderte im Goldkampf «Bob- König» André Lange mit Bahnrekord gleich im ersten Lauf des olympischen Zweierbob-Rennens heraus - dabei wollte Lange seine letzten olympischen Tage eigentlich möglichst ungestört und ohne Gegenwehr genießen.

    Der 36-jährige Oberhofer befand sich wie fast immer bei einem Jahreshöhepunkt im (Konzentrations)-Tunnel, vermied große Interviews und zog sich - wenn immer nötig - auch mal zurück. Für diesen Fall hat der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) extra ein Haus in Whistler angemietet, in dem auch die Bob-Ersatzleute Berit Wiacker und Alexander Metzger wohnen.

    Der am 20. Februar 32 Jahre alt gewordene Florschütz, der erstmals in der Olympia-Geschichte des deutschen Bobsports mit Richard Adjei einen dunkelhäutigen Anschieber an Bord hat, rüttelt schon seit zwei Jahren am Thron des dreimaligen Olympiasiegers. Gerade im kleinen Schlitten landete er wegen seiner starken Athletik dank guter Startzeiten schon mehrmals vor Lange. So auch bei der WM im Vorjahr in Lake Placid, als er Zweiter und Lange nur Fünfter wurde.

    Um den Machtkampf im deutschen Team macht der ebenfalls in Thüringen geborene Florschütz keinen Hehl: «Ich habe mit André eh nicht das beste Verhältnis. Wir sind nicht die besten Freunde, aber wir respektieren uns. Dennoch macht jeder sein Ding.» Auch Langes Anschieber Kevin Kuske geht mit der Situation routiniert um: «Wir müssen uns auf uns konzentrieren!»

    Den Fokus auf das Rennen zu richten, fiel Florschütz gar nicht so leicht, denn einen Tag vor seinem Geburtstag reiste seine hochschwangere Freundin Diane in die Olympia-Stadt. «Ich hoffe, sie muss sich keine Sorgen um mich machen. Ich reiße mich hier zusammen und konzentriere mich vor jedem Start, dass hier nichts passiert, damit ich das erreiche, was ich will.» Aber da ist ja auch noch Bruder André, der im Doppelsitzer-Rennen Fünfter wurde, und sich um seine künftige Schwägerin kümmern will. «Ich werde aufpassen, dass sie keinen Blödsinn macht.»

    Schwierige Beziehungen zwischen König und Kronprinz sind nichts Außergewöhnliches. Auch André Lange hatte als Nachfolger von Doppel-Olympiasieger Wolfgang Hoppe, von dem er Fans und Sponsoren in Oberhof übernahm, so seine eigene Meinung. «Mein Trainer Matthias Trübner hat damals klipp und klar gesagt: Hoppfried zu kopieren, heißt zu verlieren. Weil er in seiner Art sicherlich auch ein Unikum ist. Wir haben daher immer versucht, unseren eigenen Weg zu gehen», sagte Lange, der immerhin Hoppes Anschieber Carsten Embach - den heutigen Bundestrainer - übernommen hat.

    Mit ihm holte er 2000 als Viererbob-Weltmeister auch seinen ersten großen Titel. «Es gab damals viele Stimmen, die gesagt haben: Wie geht es nach Hoppe weiter? Wir sind damals losgezogen wie die Maschinenstürmer und haben 1998 in Calgary beim Weltcup gleich gewonnen», erinnerte sich Lange.

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