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    BerlinDruck nimmt zu - Freitag: Anti-Doping-Gesetz kommt

    Dagmar Freitag ist die Diskussion schon leid. Doch die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag lässt keine Gelegenheit aus, sich vehement für ein Anti-Doping-Gesetz stark zu machen.

    Ausschussvorsitzende
    Dagmar Freitag (r, neben Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich) setzt sich für ein Anti-Doping-Gesetz ein.
    Foto: Rainer Jensen - DPA

    «Der Kreis der Unterstützer für ein Gesetz ist größer geworden. Ich bin sicher: Deutschland wird ein Anti-Doping-Gesetz bekommen», unterstrich die SPD-Politikerin bei einem Forum des Arbeitskreises Kirche und Sport sowie des Verbandes der Sport-Journalisten Berlin-Brandenburg in Berlin.

    Nach dem - wenn auch noch zaghaften - Einlenken des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) kämpft Freitag, die seit 1994 dem Sportausschuss angehört, vor allem gegen die Blockadehaltung vonseiten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). «Wenn der Sport Interesse hätte, hier die Vorreiterrolle zu spielen, sollte er sich an die Spitze der Anti-Doping-Bekämpfung stellen», forderte die Bundestags-Abgeordnete und zog sich damit den Groll von DOSB-Generaldirektor Michael Vesper zu.

    Vesper kam sich in der kontroversen Diskussion als Einzelgänger vor, da auch Anti-Doping-Kämpfer Perikles Simon und Markus Müller von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München keine Zweifel daran ließen, dass sie den Ausweg aus der derzeitigen Sackgasse des Anti-Doping-Kampfes nur in einem neuen Gesetz sehen. In anderen westeuropäischen Ländern gibt es bereits ein solches Gesetzeswerk. Tags zuvor hatte Minister Friedrich eine Expertenrunde für den 26. September angekündigt.

    «Ich vertraue nicht auf die Durchschlagskraft der Staatsanwaltschaften. Ein neues Gesetz ist kein Patentrezept, da die staatlichen Ermittlungen erfahrungsgemäß lange dauern», konterte Vesper und bekräftigte die «Null-Toleranz-Politik des DOSB gegen Doping». Er argumentierte zudem, dass vor staatlichen Gerichten das Unschuldsprinzip gelte, vor der Sportsgerichtsbarkeit ein positiv getesteter Athlet aber seine Unschuld nachweisen müsse. Damit sei die Sportgerichtsbarkeit sogar härter als die staatliche.

    Staatsanwalt Müller beklagte, dass es zu wenige positive Doping-Tests im deutschen Hochleistungssport gebe, da das gültige Arzneimittelgesetz nur Ermittlungen gegen die Hintermänner wegen des Besitzes verbotener Substanzen, nicht aber gegen dopende Sportler zulasse. Er bilanzierte, dass in seiner Schwerpunktstaatsanwaltschaft seit ihrer Gründung vor viereinhalb Jahren zwar rund 2000 Verfahren geführt wurden. Unter mehr als 300 Verurteilungen sei jedoch nicht ein Fall aus dem Profisport gewesen. Nahezu alle Verfahren beschäftigten sich mit Vergehen aus dem Bereich Bodybuilding.

    «Ohne ein Anti-Doping-Gesetz gibt es keine Fortschritte. Derzeit wird nicht alles getan, um saubere Sportler wirklich zu schützen», meinte Müller. «Deshalb kann ich mich nicht über alle Olympiasieger freuen.» Noch drastischer formulierte Molekular-Biologe Perikles Simon von der Universität Mainz seine Forderung nach dem neuen Gesetz: «Wenn der Sport weiter auf seiner Autonomie beharrt, können wir ihm dann Steuergelder geben? Ich sage: nein.»

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