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    DuisburgDeutsche Medaillen bei Kanu-WM - «Mehr als erträumt»

    Mit einem Medaillensegen bei ihrer Heim-WM haben die deutschen Kanuten Erinnerungen an die glorreiche Vergangenheit geweckt. Allein in den olympischen Disziplinen steuerten sie von Bundestrainer Reiner Kießler in Duisburg dreimal zu Gold, dreimal zu Silber und einmal zu Bronze.

    Distanz
    Sebastian Brendel war über 5000 Meter nicht zu schlagen.
    Foto: Roland Weihrauch - DPA

    Unter dem Strich stand damit sogar eine bessere Ausbeute als bei den bereits so erfolgreichen Sommerspielen 2012 in London. Und das, obwohl die medaillenverwöhnten Spitzenkanuten ihr Trainingspensum in der nacholympischen Saison deutlich zurückgefahren hatten. «Wir haben uns vieles erhofft, aber das war mehr als erträumt. Dass es am Ende so ausgeht, hätte niemand gedacht. Das lag außerhalb des Vorstellbaren», schwärmte Verbandspräsident Thomas Konietzko, der schon nach einem überaus goldenen Samstag nachts «den Schlaf des Überglücks» erlebt hatte.

    WM-Gold
    Max Hoff holte WM-Gold im Kajak-Einer.
    Foto: Roland Weihrauch - DPA

    Max Hoff im Kajak-Einer sowie die Duos Max Rendschmidt/Marcus Groß und Franziska Weber/Tina Dietze jeweils im Kajak-Zweier sicherten den Paddlern dreimal WM-Gold über die olympischen Strecken. Zu weiteren fünf Titeln fuhren der Männer-C4, Canadier-Ass Sebastian Brendel (5000 Meter), Kajakpilot Tom Liebscher (500 Meter) sowie jeweils über 200 Meter Robert Nuck/Stefan Holtz (C2) und nochmals das Vorzeigeduo Weber/Dietze (K2).

    K1-Fahrerin
    Verena Hantl wurde im K1 WM-Zweite über 1000 Meter.
    Foto: Roland Weihrauch - DPA

    Die Gesamtbilanz mit achtmal Gold, sechsmal Silber und zweimal Bronze entzückte alle im Lager des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV). Erfolgreicher waren Kießlers Schützlinge zuletzt vor sechs Jahren, als es bei der jüngsten Heim-WM im Jahr 2007 in Duisburg sogar neunmal Gold hagelte. Dennoch wurden die deutschen Paddler jetzt zur stärksten WM-Nation. «Ich bin ein wenig sprachlos», gestand Bundestrainer Reiner Kießler. Sportdirektor Jens Kahl erkannte drei Jahre vor Olympia 2016 bereits «wahnsinnige» Aussichten. «Natürlich gibt das viel Hoffnung für Rio. Die Ergebnisse zeigen, dass unser Konzept stimmt, dass unser Weg ein guter ist.»

    Zweier
    Max Rendschmidt (l) und Marcus Groß triumphierten im Kajak-Zweier.
    Foto: Roland Weihrauch - DPA

    Vor allem die Olympia-Medaillengewinner vom Dorney Lake bei London büßten trotz einer verkürzten Vorbereitungszeit im Vorjahresvergleich keinerlei Klasse ein. «Das ist ein Super-WM-Ergebnis, so wie 2007 bei der letzten Heim-WM in Duisburg. Da scheint sich auch der Heimvorteil auszuzahlen», sagte Brendel, der über seine 1000-Meter-Paradestrecke auf Rang zwei landete. Besonders der Essener Hoff genoss sein WM-Gold in Duisburg - knapp 20 Kilometer vor den Stadtgrenzen seiner Heimat.

    Silber
    Carolin Leonhardt (l) and Conny Waßmuth holten WM-Silber im K2.
    Foto: Roland Weihrauch - DPA

    Für den London-Dritten war es auch eine Art Wiedergutmachung. Vor sechs Jahren bei der jüngsten Heim-WM in Duisburg hatte Hoff nämlich noch eine Medaille verpasst - als einziger von allen zehn deutschen Athleten, die damals schon und jetzt wieder im Aufgebot standen. «Das ist der Wahnsinn, dass es sogar mit Gold geklappt hat. Es ist unglaublich, vor heimischer Kulisse von den Fans so gepusht zu werden», kommentierte Hoff die Anfeuerungen der Zuschauer, von denen im Laufe der Titelkämpfe rund 17 500 an die Regattastrecke strömten.

    Vierer
    Kurt Kuschela (l-r), Erik Leue, Erik Rebstock und Peter Kretschmer haben ihren Canadier-Vierer zu WM-Gold gefahren.
    Foto: Roland Weihrauch - DPA

    Eine Schwachstelle des Deutschen Kanu-Verbandes bleibt aber der Sprintbereich. Über 200 Meter schafften es nur drei von sieben Booten in die Finals. Gleich in drei von vier olympischen Disziplinen verfehlten die DKV-Paddler die Endläufe. Einzig die Olympia-Achten Ronald Rauhe und Jonas Ems im K2 kamen weiter - und sicherten sich Bronze. Im Kajak-Einer verabschiedeten sich dagegen Anne Knorr und Tom Liebscher schnell, im Canadier-Einer war Stefan Kiraj schon in der Vorschlussrunde chancenlos gegen die Konkurrenz.

    «Das ist eine Enttäuschung», musste auch Verbandschef Konietzko eingestehen. «Wir wissen auch nach einer ersten Analyse nicht, woran das liegt, was da in der Vorbereitung vielleicht schief gelaufen ist», klagte er. Überraschend ist die magere Ausbeute in den olympischen 200-Meter-Rennen auch deshalb, weil es nach mäßigen London-Auftritten aufwärts zu gehen schien: Unter der Aufsicht des neuen Sprinttrainers Arndt Hanisch war Liebscher bei der EM im Juni in Portugal noch Dritter geworden. Doch einzig Rauhe/Ems - damals Zweiter - gewannen jetzt wieder eine Medaille. «Das war ein wichtiges Erfolgserlebnis für den gesamten Sprintbereich», wusste Konietzko.

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