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    Eine der spektakulärsten Verbrechensserien Österreichs im letzten Jahrhundert wird in Benjamin Heisenbergs Thriller "Der Räuber" noch einmal lebendig. In der zweiten Hälfte der 1980-er Jahre hat der erfolgreiche Marathonläufer Johann Kastenberger mit einer Reihe von Banküberfällen Kriminalgeschichte geschrieben. Er trug dabei immer eine Ronald-Reagan-Maske, was ihm den Beinamen "Pumpgun-Ronnie" einbrachte. Die Jagd auf ihn hielt damals ganz Österreich in Atem.

    Die Geschichte vom Ende Kastenbergers hat schon den Roman "Der Räuber" von Martin Prinz angeregt. Sie wird im zweiten Spielfilm des 36-jährigen Regisseurs, der vor seiner Filmlaufbahn als bildender Künstler gearbeitet hat, mit viel Spannung und gestalterischer Originalität nacherzählt. Die Handlung wurde dazu in die Gegenwart verlegt. Einige Details wurden verändert. So heißt der Gauner im Film nicht Johann Kastenberger, sondern Johann Rettenberger (Andreas Lust). Er trägt auch keine Ronald-Reagan-Maske.

    Das Geschehen beginnt damit, dass Johann Rettenberger nach Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Während der Haft hat er seine Fähigkeiten als Langstreckenläufer trainiert. Kaum entlassen, beginnt er wieder seine Raubzüge. Als Gewinner des Marathons in Wien wird er berühmt, als lange nicht zu fassender Verbrecher berüchtigt. Die Jagd auf ihn wird schließlich zu einer überaus aufwendigen Aktion.

    Der Film, dessen Spannung dank raffinierter Erzählweise und Bildgestaltung von Szene zu Szene steigt, verweigert jede psychologische Deutung. Rettenberger wird als Getriebener gezeigt. Dazu sagte Regisseur Benjamin Heisenberg anlässlich der Aufführung des Films im Wettbewerb der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin: "Es geht um einen Mann, der angetrieben ist. Da gibt es keine deutbare psychologische Motivation. Auch hier gilt: Der Weg ist das Ziel."

    So reizvoll das ist, so schwer macht dies sicher vielen Zuschauern auch den Zugang zum Film. "Der Räuber" mutet oft wie ein präzises, eiskaltes Protokoll an. Dazu sagte Hauptdarsteller Andreas Lutz: "Es geht hier nicht darum, den Mann zu begreifen, sondern philosophisch- abstrakt und emotionslos die Energie, die hinter allem steht."

    Rettenberger bleibt durch und durch rätselhaft. Die mitreißende physische Präsenz seines Darstellers Andreas Lust besitzt dafür eine ungeheure Anziehungskraft. Sein oft maskenhaftes Spiel, das die überwiegend fast dokumentarisch anmutende Kamera hautnah einfängt, ist einer der entscheidenden Faktoren für die Faszination des Films. Dadurch wird die Geschichte auch für Zuschauer aufregend, die den Ausgang der Ereignisse kennen.

    "Der Räuber" punktet aber vor allem mit der Originalität des Erzählstils fern von "Tatort"-Mustern. Statt Amateurpsychologie wird die Jagd auf den Verbrecher konzentriert ins Zentrum gerückt. Das ergibt Krimikost pur. Dafür gab's im Januar für Benjamin Heisenberg den Bayerischen Filmpreis für die beste Nachwuchsarbeit.

    Von Peter Claus

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