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    BerlinBUND: Kitas stark mit Weichmachern belastet

    Sie schweben in der Kita-Luft: Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat gefährliche Weichmacher in Kitas nachgewiesen. In Spielzeugen verboten, sind sie in Turnmatten oder Tischdecken aus PVC erlaubt, die wiederum in Kitas besonders verbreitet sind.

    Weichmacher gefunden
    Viele Gegenstände aus Kunststoff enthalten Weichmacher. Auch in Kitas sind diese zu finden. (Bild: dpa)
    Foto: DPA

    Neben Grippeviren können in Kitas auch Gefahren für bleibende Gesundheitsschäden lauern: Der BUND hat die Konzentration an giftigen Kunststoff-Weichmachern in 60 Kitas deutschlandweit untersucht und dort deutlich höhere Werte als in Durchschnittshaushalten gefunden. BUND-Chemieexpertin Sarah Häuser bezeichnete die Ergebnisse der freiwilligen und anonymen Untersuchung am Dienstag (22. März) in Berlin als «schockierend». «Kinder werden ohne Not einer großen Belastung ausgesetzt», sagte sie. Der BUND fordert von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) nun ein Verbot gesundheitsschädlicher Substanzen im Umfeld von Kindern.

    In den untersuchten Kitas sei die Belastung mit Weichmachern, sogenannten Phthalaten, im Schnitt dreimal höher als in Haushalten. In besonders hoher Konzentration wies ein vom BUND beauftragtes Labor die Weichmacher DINP und DEHP nach. Letzterer ist laut Umweltbundesamt fortpflanzungsschädigend. «Phthalate wirken wie Hormone und können bei Kindern zu bleibenden Veränderungen führen», erklärte Ibrahim Chahoud vom Berliner Uniklinikum Charité. Bei Jungen könnten Weichmacher etwa die Hoden- und Spermienentwicklung negativ beeinflussen.

    «Im Spielzeug sind Weichmacher verboten, aber in anderen Produkten ist ihr Einsatz möglich», kritisierte Häuser. Ursache für die hohe Belastung in Kitas sei der große Anteil an Fußböden, Tapeten, Turnmatten, Tischdecken oder Möbelpolstern aus Kunststoff. Die enthaltenen Giftstoffe würden nach und nach freigesetzt und reicherten sich in der Luft und im Staub an. Gesetzliche Grenzwerte für Phthalat in Innenräumen gebe es in Deutschland nicht.

    Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit habe für verschiedene Phthalate Toleranzwerte festgelegt, erklärte Häuser. Der Toxikologe Chahoud erklärt jedoch: «Es gibt keine sichere Dosis und es bleibt immer ein Risiko.» Keiner wisse, wie die Substanzen in Kombination miteinander im menschlichen Körper wirken. Ihre Wirkung könne sich addieren. «Wir sollten versuchen, die Belastung so weit wie möglich zu minimieren», forderte der Wissenschaftler.

    Der BUND empfiehlt, Produkte aus Weich-PVC zu meiden. Empfehlenswert seien stattdessen Naturkautschuk, Holz, Linoleum oder Kork, erklärte Häuser. Außerdem helfe es, Räume regelmäßig zu lüften und zu reinigen. Verbraucher können sich beim BUND weitere Tipps holen.

    Der Fachgebietsleiter für Chemikaliensicherheit beim Umweltbundesamt, Christoph Schulte, wies zudem darauf hin, dass sich jeder Verbraucher bei Lieferanten über besonders gefährliche Stoffe in Produkten informieren kann. Im Internet gibt es dazu Musterbriefe.

    Aus Bayern hatten sich die meisten Kitas (13) beteiligt. Aus Nordhrein-Westfalen erhielt der BUND elf Proben.

    BUND-Aktion «Zukunft ohne Gift»

    Musterbrief für Verbraucher (pdf-Format)

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