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    IquitosBrüllaffen und Delfine - Eine Campingtour im Dschungel Perus

    Iquitos ist eine Anomalie. Der abgelegene Vorposten der Missionare im peruanischen Regenwald ist auf mehr als 400 000 Menschen angewachsen.

    Naturreservat Pacaya-Samiria
    Die Landschaft im Naturreservat Pacaya-Samiria ist von üppigem tropischen Regenwald geprägt.
    Foto: PromPerú/ Renzo Tasso - dpa

    Es ist die größte Stadt der Welt, die nur per Boot und Flugzeug zu erreichen ist. Der Grund dafür war ein Kautschuk-Boom. Dann wurde Öl gefunden, heute floriert die Holzindustrie - und nun auch der Tourismus.

    Brücke am Marañon
    Ab Dezember steigt der Marañon so stark an, dass vieles überflutet wird. Die Häuser der Dörfer stehen deshalb auf hohen Stelzen.
    Foto: PromPerú/ Gihan Tubbeh - dpa

    Rings um Iquitos wurden in den vergangenen zehn Jahren Lodges in den Wald gebaut, eine Flotte von Kreuzfahrtschiffen schippert heute über die Flüsse. Dazu kommen die jungen Rucksackreisenden, für die Iquitos ein Fixpunkt auf der großen Tour durch Südamerika geworden ist.

    Land der Anakondas
    Für so manchen eine schaurige Entdeckung: Im Regenwald Perus lassen sich auch Anakondas finden.
    Foto: PromPerú/ Alvaro Garcia - dpa

    Ich buche vier Tage im Regenwald, mit einem einfachen Camp als Basislager. Mein Guide wirkt erfahren und verlässlich: Asuncion Perez, 50, stammt aus dem Dorf Yanamono, sechs Stunden flussabwärts.

    Eisenhaus in Iquitos
    Das Eisenhaus in Iquitos wurde von Gustave Eiffel entworfen - und in Teilen in den peruanischen Dschungel verschifft. Es steht heute noch immer an der Plaza de Armas.
    Foto: PromPerú/ Alvaro Garcia - dpa

    Das Miniabenteuer beginnt mit der Fahrt ins 100 Kilometer entfernte Nauta. Am Ufer des Marañon liegen Langboote vertäut, die Touristen ins Naturreservat Pacaya-Samiria bringt. Träger schleppen kistenweise Limonade an Bord, Berge von Bananen, palettenweise Eier.

    Bootsanleger in Nauta
    In Nauta legen die Langboote ab, die Reisende in das Naturreservat Pacaya-Samiria bringen.
    Foto: Philipp Laage - dpa

    Als alles verladen ist, tuckern wir den Marañon stromabwärts. Das Ufer zieht in hübscher, tropengrüner Eintönigkeit vorbei. Ibisse lauern in der Böschung. Nach einer Stunde biegt das Boot rechts in den Río Ucayali. Und bald darauf stößt die erste Rückenflosse aus dem braunen Wasser und zerstreut die Schläfrigkeit an Bord. Flussdelfine!

    Bootstour durch die Wildnis
    Mit Booten fahren die Agenturen in Iquitos ihre Kunden in die wilde Natur des Amazonasbeckens - es ist der einzige Weg in die Wildnis.
    Foto: PromPerú/ Michael Tweddle - dpa

    Der Kapitän drosselt den Motor, schnell sind wir eingekreist von einer Delfinschule. Wir bleiben eine Viertelstunde, dann wirft der Kapitän den Motor an und steuert in Richtung Basislager. Die Häuser der Dörfer stehen auf hohen Stelzen - anders als der Unterstand, der die kommenden Tage mein Zuhause sein wird: ein windschiefes Gebälk, darauf ein Dach aus Palmblättern. Als Urwaldcamp geht es nur mit viel gutem Willen durch: Es steht auf dem Bohnenfeld des Kapitäns.

    Lebensraum für Kaimane
    Mit etwas Glück lassen sich bei einer Dschungeltour rund um Iquitos auch Kaimane entdecken.
    Foto: PromPerú/ Daniel Silva - dpa

    Während der Kapitän das Abendessen kocht, führt uns Perez hinein ins Grün. Er trägt Gummistiefel, die manchmal bis zu den Knöcheln im Schlamm versinken. Mit der Machete bahnt er den Weg. Das Ziel der Schinderei ist ein See, auf dem die wohl schönste Wasserpflanze der Welt wächst: Victoria amazonica, die Amazonas-Riesenseerose. Dutzende der grünen Teller bedecken das Wasser, manche mit einem Durchmesser von zwei Metern. Dazwischen leuchten zartrosa Blüten.

    Nachtlager am Fluss
    Spartanisch, aber die Aussicht entschädigt: Das Nachtlager liegt direkt am Fluss, die Sonne geht dahinter unter.
    Foto: Florian Sanktjohanser - dpa

    Die Nacht kommt schnell in den Tropen. Als wir die Uferböschung hinabklettern, wartet der Kapitän schon auf dem Boot mit gekochtem Fisch, Reis und Tomaten. Gemessen an den Umständen ein ausgezeichnetes Dinner, serviert in Logenlage: Über Fluss und Urwald geht die Sonne unter und lässt die Ränder der Wolken rot glühen.

    Asuncion Perez
    Asuncion Perez ist vielleicht ein Schwätzer, aber er kennt sich bestens aus - Fische fangen ist für ihn kein Problem.
    Foto: Florian Sanktjohanser - dpa

    Wir setzen über zum Camp am anderen Ufer. Reiher flattern auf, als sich das Boot in den Schlamm bohrt. Perez legt eine dünne Matratze unter das Schilfdach und spannt ein Moskitonetz auf. Es dauert nur ein paar Minuten - Zeit genug für einen Schwarm Mücken, der mit der Dämmerung über uns herfällt. Hinter dem Netz lärmt die Armee der Vampire. Der Schlaf kommt schnell wie die Nacht.

    Rast im Regenwald
    Campingtour im Regenwald: Guide Asuncion Perez macht Omelettes über dem Feuer zum Frühstück.
    Foto: Florian Sanktjohanser - dpa

    Perez Stimme weckt mich, als die rote Sonne aus dem Morgennebel steigt. Der Guide hackt sich durchs Unterholz. Trotz seiner Vorarbeit ist das Wandern mühsam: Immer wieder muss man sich ducken, verfängt sich ein Schuh in einer Lianenschlinge, ritzen Dornen die Haut. Der Schweiß strömt. Aber der Regenwald ist die Mühsal wert.

    Plaza de Armas
    Die Plaza de Armas ist das Zentrum Iquitos. Der Kautschuk machte die Stadt ab den 1880er Jahren reich. Heute florieren hier die Holzindustrie und der Tourismus.
    Foto: PromPerú/ Alvaro Garcia - dpa

    Alte Ficus-Bäume breiten ihr Blätterdach über uns aus, Bromelien hängen von den Ästen. Schwarze Hornwehrvögel starten mit schwerem Flügelschlag und empört oinkend, als wir ans Ufer eines Sees treten. Perez zeigt auf eine Rinne in der Erde. «Das war eine Anakonda.»

    Karte von Peru
    Südlich von Nauta, zwischen den beiden Flüssen Marañón und Ucayali liegt das Naturreservat Pacaya Samiria.
    Foto: dpa-infografik

    Wir rasten auf einer Lichtung. Perez zeigt mir einen Strichcode von Narben auf seinem Unterarm. «Als ich ein Junge war, hat mir von meinem Großvater das Gift eines Frosches gespritzt, damit ich stark werde.» Touristen bezahlten 150 Soles für eine Spritze des «Indio-Viagras», sagt Perez. Er zählt seine Narben, sieben Injektionen. Deshalb könne er zehn Stunden durch den Wald laufen, ohne müde oder durstig zu werden. Eine Flasche hat der stolze Halb-Inio nicht dabei. Bei der nächsten Pause bittet er mich wie selbstverständlich, von meinem Wasser zu trinken.

    Perez ist ein Schwätzer, aber eines muss man ihm lassen: Er kennt den Wald und spürt auch die scheusten seiner Bewohner auf. Den Nachtaffen, der an einem Ast hängt und dösig herab schaut. Den Ameisenbär, der sich in einen Baumstamm gekrallt hat. Und den Brüllaffen, der besonders schwer zu finden ist.

    Wir stapfen zurück. Dunkle Wolken quellen am Himmel. «Nein, heute regnet es nicht», sagt Perez. Minuten später fallen dicke Tropfen. Ich rutsche auf einem Baumstamm aus. Ameisen beißen in meine Hand. Wir stapfen weiter, erschöpft und triefend. Ich habe meine Lektion gelernt. Der Regenwald ist wunderschön. Aber nicht mein Revier.

    Iquitos

    Anreise: Von Europa fliegen mehrere Airlines nach Lima. Dort gibt es tägliche Flüge nach Iquitos. Wer es abenteuerlich mag, kann ab Yurimaguas per Boot anreisen. Die Fahrt dauert zwei bis drei Tage.

    Unterkunft: In Iquitos gibt es viele Hotels verschiedener Kategorien. Die «Casa Fitzcarraldo» gehört dem Produktionsleiter des gleichnamigen Films. Backpacker finden zahlreiche einfache Unterkünfte, die nur wenig kosten.

    Reisezeit: Iquitos liegt nahe des Äquators und hat ein tropisches Klima, es ist das ganze Jahr heiß und schwül. Am wenigsten regnet es von Mai bis September.

    Informationen:

    Tourismusbüro von Iquitos, Calle Napo 161, Tel.: 0051/65/23 6144, E-Mail: iperuiquitos@promperu.gob.pe

    PromPerú c/o Fame Creative Lab, Hanauer Landstraße 146, 60314 Frankfurt, E-Mail: peru@fame-creativelab.com

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    Jochen Magnus

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