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    StuttgartBloß nicht Bundesliga: Ringer wollen verlieren

    Kämpfen ja, siegen nein: Was im Sport das oberste Ziel ist, schreckt in der Ringer-Bundesliga immer mehr Vereine ab. In Baden-Württemberg zum Beispiel will Erstligist TSV Musberg unbedingt ab-, der Zweitligist TSV Benningen erst gar nicht aufsteigen.

    Ringertradition
    Frank Stäbler (blau - im Kampf mit dem Mateusz Wanke) kommt aus einer Ringerfamilie.
    Foto: Jörg Richter - DPA

    «Wir strecken und dehnen uns und sehen, es reicht nicht», erklärt die stellvertretende Abteilungsleiterin der Musberger, Michaela Stäbler. Nach dem Ende der Gruppenphase könnte es in einer Relegation zu einer grotesken Situation kommen: Dass beide Gegner verlieren wollen.

    Am 17. und 23. Dezember ermitteln die Tabellenletzten der Ost- und West-Staffel den einzigen Bundesliga-Absteiger. Aber neben den Musbergern werden auch dem bayerischen SV Untergriesbach keine großen Ambitionen auf den Liga-Verbleib nachgesagt. «Das ist eigentlich eine Farce, wenn zwei Vereine, die nicht nach oben wollen, antreten», schimpft Stäbler. Doch der Deutsche Ringer-Bund (DRB) will den Kampf. «Wir haben Regeln», sagt Karl Rothmer, Vize-Präsident Bundesliga des DRB. «Ich muss auch die anderen Vereine schützen und ihnen die Sicherheit geben, dass die Saison ordentlich stattfindet.»

    Nur 35 Kilometer von Musberg entfernt, bringt ein weiterer Verein den Ringer-Bund in die Bredouille: Benningen, aktuell Tabellenerster in der 2. Bundesliga Süd, will nicht aufsteigen. «Das ist einzig und allein ein finanzielles Problem», erklärt Hans-Michael Raiser, der Sportliche Leiter des Vereins. «In der 1. Liga tummeln sich sämtliche osteuropäischen Profisportler, Weltmeister und Europameister, die teilweise in ihrer Heimat trainieren und für Wettkämpfe eingeflogen werden.» Die Freizeitsportler des TSV Benningen seien da im Vergleich zu schwach.

    Doch für die 2. Liga sei man wiederum zu stark. «Irgendwann ist das langweilig, wenn eine Mannschaft kommt und weiß, sie hat keine Chance. Spätestens nach der Pause kommt bei den Zuschauern das große Gähnen», meint Raiser. Der Plan seines TSV: «Wir werden den Kader abspecken und auf den Nachwuchs setzen.»

    Ringen hat im Südwesten eine lange Tradition und ist in vielen Regionen mehr als nur eine Randsportart. Zurzeit kämpfen fünf Vereine aus Baden-Württemberg in der ersten Liga. In der zweiten Liga sind es sechs von zehn Vereinen in der Gruppe Süd. Die Ringer aus Aalen waren bislang am erfolgreichsten und wurden neunmal deutscher Meister.

    Musberg hatte bereits Ende November angekündigt, absteigen zu wollen. Dem DRB stieß das zwar sauer auf, die Reaktionen in Musberg seien laut Stäbler aber «zu 99 Prozent positiv» ausgefallen. Der TSV setzt traditionell auf Ringer aus dem eigenen Nachwuchs. «Vereine mit einem Budget von 500 000 Euro können dagegen jede Gewichtsklasse mit zwei oder drei Topathleten besetzen», erklärt die Mutter der beiden Ringer Frank und Stefan Stäbler. Das ließe sich in Musberg mit einem Budget von 100 000 Euro nicht stemmen. Aus ähnlichen Gründen hatten sich Anfang des Jahres auch schon der ASV Hof und die KG Frankfurt (Oder)/Eisenhüttenstadt aus der Bundesliga zurückgezogen.

    Auch für Zweitligist Benningen steht fest: Bleiben sie auf dem ersten Platz, verzichten sie auf den Aufstieg und nehmen die Strafe des Ringer-Bundes in Kauf - auch wenn ihnen in diesem Fall eine Herabstufung um zwei Klassen und eine Zahlung von bis zu 10 000 Euro droht. Die Musberger sind sich noch nicht sicher, was passiert, wenn sie die Relegation gewinnen. Ein weiteres Jahr in der Bundesliga ist für sie jedoch nicht tragbar: «Die Motivation wird nachlassen, der Zuschauerzuspruch wird wegbrechen», glaubt Stäbler.

    TSV Musberg 1901, Abteilung Ringen

    TSV Benningen 1899

    Württembergischer Ringerverband

    Deutscher Ringer-Bund

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