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    DüsseldorfBilanz: Sportsoldaten unterdurchschnittlich erfolgreich

    Deutschlands Sportsoldatinnen und -soldaten waren bei den Olympischen Spielen in London unterdurchschnittlich erfolgreich. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Wolfgang Maennig, Ruder-Olympiasieger mit dem Deutschland-Achter von Seoul 1988.

    Wissenschaftler
    Wolfgang Maennig hat die Erfolgsquote von Sportsoldaten unter die Lupe genommen.
    Foto: Maurizio Gambarini - DPA

    In einer Expertise, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, bilanziert Maennig, dass lediglich 18 dieser Athleten bei Olympia 2012 eine Medaille gewannen. 115 Sportsoldatinnen und -soldaten gehörten in London zur 391-köpfigen Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

    «Insgesamt gewannen 89 deutsche Athletinnen und Athleten eine Medaille, fünf von ihnen sogar zwei. Damit sind die Sportsoldaten unterdurchschnittlich erfolgreich. Während Sportsoldaten 29 Prozent der deutschen Olympiamannschaft ausmachten, lag der Anteil der Sportsoldaten an den deutschen Medaillengewinnern bei nur 20 Prozent. Dies ist frappierend vor dem Hintergrund, dass es sich bei den Sportsoldaten eigentlich um die Talentiertesten der Besten handelt», schreibt Maennig. Seine Expertise trägt den Titel «London 2012 - das Ende des Mythos' vom erfolgreichen Sportsoldaten!».

    Nach Maennigs Erhebungen gibt es über 800 beamtete und von der Bundeswehr voll bezahlte Sportsoldatinnen und -soldaten. Diese hätten «kaum eine Verpflichtung - außer zu trainieren». Der Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Hamburg gibt zu bedenken, dass dieses viele Probleme mit sich bringe. So gingen die meisten dieser Athleten keinerlei geregelter Ausbildung nach. «Oft stehen sie nach vielen Jahren vor dem Nichts», lässt Maennig wissen.

    Der Sport gebe seine Staatsferne auf, meint Maennig - und kommentiert, dass «das klassische Bild des ganzheitlich entwickelten Athleten zugunsten des "Staatsamateurs" à la DDR» aufgegeben werde. Mittelfristig sei es ein Problem für den gesamten Sport, wenn sich das Bild festige, dass Sportler nach ihrer Bundeswehrzeit «kaum angemessene gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten haben».

    Solche Einwände seien bislang mit dem Argument beiseite getan worden, dass man die Sportsoldaten für den Medaillenerfolg brauche. Nach Maennigs Expertise stimmt dies aber nicht. Insbesondere sogenannte Langdienende würden sich sportlich besser entwickeln, wenn sie sich nicht bei der Bundeswehr auf die Perfektion einer einzigen Leistungsdimension, den Sport, konzentrieren würden, so Maennig weiter. Er warnt: «Das Sportsoldatentum ist langweilig; was sich auf die Trainingshaltung überträgt. Durch die eindimensionale Verengung des Sportleralltags können Medaillen verloren gehen.»

    Vor allem Sportler, die in jungen Jahren zu den erfolgreichsten gehörten, erhielten die Stellen in den Sportkompanien der Bundeswehr. Aber, so Maennig: «Sportler bei der Bundeswehr scheinen sich sportlich schlechter zu entwickeln, als sie dies ohne Bundeswehr tun könnten.» Dennoch werde von der politischen Führung und der DOSB-Spitze betont, wie unverzichtbar die Bereitstellung von Sportsoldaten-Stellen für den Erfolg deutscher Olympia-Mannschaften seien.

    So hatte der Deutsche Bundeswehrverband (DBV) eine sehr positive Bilanz der London-Spiele gezogen. «Die Sportsoldaten haben nicht nur unser Land, sondern auch unsere Streitkräfte mit Bravour vertreten», versicherte der DBV-Bundesvorsitzende Oberst Ulrich Kirsch. Die Erfolge der Sportsoldaten sprächen «sicher auch für die Sportförderung der Bundeswehr».

    Dagegen schrieb Maennig, die unbefriedigende Leistung und Leistungsentwicklung der Sportsoldaten sei kein Zufall. Die fehlende Forderung in anderen Lebensbereichen und fehlende Anregungen aus anderen Lebensbereichen könnten letztlich auch die Leistungsfähigkeit in der eigenen Spezialdisziplin verringern, so Maennig weiter. «Wenn Unzufriedene dennoch nach Lösungen für mehr Medaillen suchen - in einem "Mehr an Sportsoldaten" liegen sie nicht», schließt der Professor.

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