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    ParisBilanz der EM-Vorrunde: Später Jubel, schlechtes Grün, starke Neulinge

    36 von 51 Spielen sind absolviert bei dieser 15. Fußball-EM. 8 von 24 Mannschaften müssen Frankreich verlassen, weil sie ihre sportliche Daseinsberechtigung nicht erbringen konnten. Was hat nun diese größte EM-Vorrunde aller Zeiten an Erkenntnissen, vielleicht sogar an Neuerungen gebracht? Ein Überblick.

    Von unserem Sportchef Jochen Dick

    Späte Tore: Treffer auf den letzten Drücker sind offensichtlich der neue Trend. 17 Tore fielen nach der 84. Minute, dabei landete der Ball achtmal gar in der Nachspielzeit im Netz. Heben sich die Spieler das Beste etwa bewusst bis zum Schluss auf? Wohl kaum.

    Mal ist es das glückliche Händchen des Trainers, mal die mangelnde Konzentration der verteidigenden Mannschaft. "Oftmals kommt in den letzten Minuten noch Hektik hinzu oder eine Unachtsamkeit - und dann ist es passiert", hat Bundestrainer Joachim Löw beobachtet. Das späteste Tor der EM-Geschichte gelang dem Franzosen Dimitri Payet, sein 2:0 gegen Albanien fiel in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Von wegen, ein Spiel dauert 90 Minuten, wie Sepp Herberger einst sagte.

    Straffes Verteidigen: Ein anderes Herberger'sches Dogma behält aber weiterhin seine Gültigkeit: Der Ball ist auch bei dieser Europameisterschaft rund. Und er wird von den meisten Mannschaften am liebsten ganz weit weg vom eigenen Tor gehalten. Eine Viererabwehrkette reicht längst nicht mehr, Fünfer- und sogar Sechserketten sind en vogue.

    Die defensive Grundausrichtung sorgt - kaum verwunderlich - dafür, dass im Schnitt so wenig Tore wie noch nie in einer EM-Gruppenphase fielen: 1,92 Tore pro Partie. Der bisherige Tiefstwert datiert von der EM 1968. In gerade mal fünf Turnierspielen fielen damals im Schnitt 1,4 Treffer. In Frankreich sind Wales und Ungarn mit jeweils sechs Toren die treffsichersten Teams. Das 3:3 am Abschlussspieltag der Gruppe F zwischen Portugal und den vom deutschen Trainer Bernd Storck betreuten Magyaren war in puncto Tore der absolute Ausreißer nach oben. Viermal gab es in dieser Vorrunde ein 0:0. Die große Nullnummer war die Ukraine, die gar kein Turniertor zustande brachte.

    Schlechter Rasen: Vielleicht ist an der Torarmut auch der Untergrund schuld. Fußballer sind ja nie um eine Ausrede verlegen. Unzweifelhaft sind die EM-Plätze in teilweise katastrophalem Zustand. Die Farbe Grün findet man nur sporadisch, überdurchschnittlich viele Spieler rutschten herum und aus. Nun könnte das auch auf das falsche Schuhwerk zurückgeführt werden, im Fußball sind aber nun mal keine Spikes erlaubt. Der Rasen in Lille wird für die Achtelfinalpartie der Deutschen gegen die Slowakei (Sonntag, 18 Uhr, ZDF) komplett neu verlegt. Auch in Bordeaux, Marseille und Saint-Denis war die grüne Fläche für viele ein rotes Tuch.

    Starke Außenseiter: Das auf 24 Mannschaften aufgeblähte Turnier sollte auch die EM der vermeintlich Kleinen werden, und das ist sie geworden: In Wales, Nordirland, der Slowakei und Island stehen vier der fünf EM-Debütanten im Achtelfinale. Nur die Albaner mussten drei Tage warten und weitertrainieren, bis sie schlussendlich wussten, dass es doch nicht reicht. Der undurchsichtige Modus um die vier besten Gruppendritten bleibt somit ein Betätigungsfeld für diplomierte Statistiker.

    Schnelles Weiterspielen: Es ist nur ein Randaspekt, auffällig aber ist, dass weitergespielt wird, wenn ein Spieler (verletzt?) am Boden liegt. Das kann als mangelndes Fair Play ausgelegt werden, bringt aber den Spielfluss nicht ins Stocken. Die Entscheidung, ob unterbrochen oder weitergespielt werden soll, obliegt somit dem, der dafür auch verantwortlich sein muss: dem Schiedsrichter.

    Schlagende Chaoten: Leider, leider wird diese EM überschattet von prügelnden und randalierenden Idioten: englisch-russische Jagdszenen in Marseille, deutsche Ausfälle in Lille, kroatischer Pyro-Eklat in Saint-Étienne. Die ohnehin überlastete französische Polizei steht vor einer weiteren Herausforderung. Was dabei indes gern vergessen wird: Auch bei der Sommermärchen-WM 2006 in Deutschland wurde fleißig randaliert, es gab 9000 Festnahmen. In Frankreich waren es bisher knapp 400. Das soll nichts verharmlosen, aber zumindest einordnen.

    Dass Fans nicht gleich Chaoten sind, beweisen unter anderem die nordirischen und irischen Anhänger. Sangesgewaltig und hilfsbereit, etwa beim Reifen wechseln oder Kinder-in-den-Schlaf-singen - das sind wahre Fußball-Fans.

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