40.000
  • Startseite
  • » Bei der Metzgerei Spindlböck ziehen alle an einem Strang
  • Bei der Metzgerei Spindlböck ziehen alle an einem Strang

    Neuwied. Tanja Spindlböck-Linn ist ausgebildete Steuerfachangestellte, Maik Linn Schriftsetzermeister. Das Ehepaar betreibt eine Metzgerei. Klingt erstaunlich, verrät aber einiges über den besonderen Charakter von Familienunternehmen.

    Denn als Seniorchef Klaus Spindlböck vor ein paar Jahren gesundheitliche Probleme bekam, stand er plötzlich vor der Frage: Wie geht es weiter mit dem Betrieb? Verkaufen wollte er ihn nicht, also suchte er einen Pächter. Schwiegersohn Maik Linn (33), der noch in einer Druckerei arbeitete, bot an, bei den Gesprächen mit Interessenten dabei zu sein. Und bald stellte er sich die Frage: Warum machen wir es nicht selbst?

    Wir, das schließt Ehefrau Tanja (35) mit ein, die im 1951 gegründeten Betrieb groß geworden ist. Die miterlebt hat, wie ihre Oma Anna als "Matriarchin" bis ans Lebensende über die Metzgerei Spindlböck wachte, nachdem ihr Mann früh verstorben war. 1973 erlag Firmengründer "Sepp" Spindlböck, den die Kriegswirren aus Bayern nach Neuwied verschlagen hatten, einem Schlaganfall. Sohn Klaus, ebenfalls Metzger, übernahm mit seiner Frau das Tagesgeschäft. Oma Anna blieb präsent. "Sie war sehr dominant", sagt die Enkelin - "und unheimlich fair zu den Mitarbeitern."

    Eine Unternehmens-Familie

    Das Familienunternehmen Spindlböck war so etwas wie eine "Unternehmens-Familie": Oma Anna kochte mittags, dann aßen die Spindlböcks mit ihren Beschäftigten. Einige Mitarbeiter wohnten sogar mit im Haus. Geblieben ist davon bis heute, dass der Chef das Frühstück stellt: Kaffee, Milch, Brötchen und natürlich die Wurst darauf. Geblieben ist auch das Gefühl: Wir arbeiten alle zusammen.

    Manche Beschäftigte, die seit bald drei Jahrzehnten "zur Metzgerei gehören", erinnern sich noch an diese Zeiten. Für Tanja Spindlböck spielten da auch die Emotionen eine große Rolle, als sie vor der Frage stand: Sollen wir den Betrieb weiterführen? "Einfach den Schlüssel umdrehen, das wäre nicht gegangen", sagt sie. "Da hängt ja auch Herzblut dran."

    Von Verpflichtung spricht sie, von der Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber. Und vom Einsatzwillen der Beschäftigten: Wenn eine Verkäuferin krank wird, kann sie auch morgens um sieben die Kollegin anrufen und bitten zu helfen. Die steht dann um acht hinter der Theke, keineswegs mürrisch, sondern mit den Worten auf den Lippen: "Das mache ich doch gern für sie."

    Mit nüchternen Zahlen kennt sich Tanja-Spindlböck-Linn allerdings auch so gut aus, dass ihr damals klar war: Die geschäftliche Perspektive muss da sein. Ein Jahr Zeit nahm sich ihr Ehemann Maik 2007, um die Aussichten zu prüfen. Er arbeitete in der Produktion mit, überlegte sich, wie die Abläufe verbessert werden könnten. Er ließ sich auf manches Streitgespräch mit dem Schwiegervater ein, der am liebsten alles beim Alten gelassen hätte. Wobei immer galt: morgens gekabbelt, beim Feierabend-Bier wieder an einem Tisch.

    Entscheidung für Jahrzehnte

    Zugleich lag es an einer weitsichtigen Entscheidung des Seniorchefs, dass die jungen Leute schließlich Ja zum Familienunternehmen sagten. Schon vor 15 Jahren hat Klaus Spindlböck die Produktion aus der Neuwieder Innenstadt ausgelagert - direkt am Andernacher Schlachthof entstand ein moderner Betrieb, der ausschließlich Fleisch aus der Region verarbeitet.

    Es war eine Millioneninvestition und ein "sehr mutiger Schritt", sagt Maik Linn heute. Einer dieser Schritte, die ein Familienunternehmer nur selten tut - und nicht mit Blick auf das nächste Quartal, sondern auf die kommenden Jahrzehnte.

    Jetzt gehen die Juniorchefs ihre ersten Schritte. Die Internetpräsenz (www.spindl boeck.de) steht, eine neue Filiale ist 2009 hinzugekommen, der Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter (jetzt 26) haben sich fast verdoppelt. Die Pläne für einen Umbau des Ladengeschäfts in der Neuwieder Mittelstraße, Keimzelle der Metzgerei, liegen in der Schublade. Umgesetzt werden sie vielleicht in zwei, drei Jahren. So lange wollen die Spindlböck-Linns auf jeden Fall erst mal verfolgen, wie sich die Geschäfte entwickeln. Schließlich geht es erneut um eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte.

    Benachbart ist in der Mittelstraße übrigens eine Fielmann-Filiale. Die Kette ist auch ein Familienunternehmen. Bloß eines mit fast 13 000 Mitarbeitern.   Jörg Hilpert

    Regio-Serie 2: Kärlicher Ton-Familie denkt in GenerationenFamilienunternehmer prägen die Wirtschaft
    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Montag

    -4°C - 2°C
    Dienstag

    1°C - 3°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Donnerstag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!