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  • Bachelor-Studiengänge erschweren Weg ins Ausland

    Tübingen (dpa). Die neuen Bachelor-Studiengänge sollen den Wechsel auf eine Universität im Ausland erleichtern, doch das Gegenteil ist eingetreten: Viele Studenten beklagen, dass die zahlreichen Prüfungen und vollgepackten Stundenpläne keinen Raum mehr für Auslandssemester lassen.

    Die Universitäten im Bundesland Baden-Württemberg arbeiten deshalb an neuen Möglichkeiten, um ihren Studenten den Weg dafür zu ebnen. Ulm, Tübingen und Heidelberg wollen zusätzliche Freiräume im Studium schaffen. Mannheim setzt sogar darauf, das Auslandsstudium für alle verpflichtend zu machen. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

    Studenten sehen Probleme

    Die Stofffülle, das verschulte System und der hohe Zeitdruck seien zentrale Probleme im Bachelorstudium, sagt Daniel Kneip. Er gehörte zu den Studenten, die vor Weihnachten wochenlang den Tübinger Kupferbau besetzt hatten. «In den drei Jahren ist es faktisch nicht möglich, ins Ausland zu gehen.» Auch die fehlende Anerkennung von Studienleistungen, die man im Ausland erbringe, seien ein Problem, meint der Jura-Student: «Wer geht denn schon ins Ausland, wenn einem die Kurse außer persönlicher Lebenserfahrung nichts für das Studium bringen?»

    Das beobachtet auch Noah Fleischner, Bachelor-Student in Karlsruhe. Die vielen Prüfungen, den vollgepackten Stundenplan und extrem spezialisierte Studiengänge hält der angehende Wirtschaftsingenieur für die größten Baustellen: «Da kann man nicht wechseln, geschweige denn ins Ausland gehen. Die Idee von Bachelor war ja eigentlich, den Anreiz zu erhöhen, damit mehr Studierende ins Ausland gehen und nicht nur die, die das ohnehin unbedingt wollen.»

    Verpasste Prüfungen

    Sandra Hertlein vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) versteht die Bedenken der jungen Leute: «Ganz schwierig ist für viele, dass sie die Prüfungszeiten nicht einhalten können.» Da die Bachelor- und Masterprüfungen in Karlsruhe in den Semesterfeien stattfinden, überschneidet sich die Prüfungsphase häufig mit den Semesterterminen der ausländischen Universitäten. Verpasste Prüfungen können dann erst mit einem Jahr Verspätung abgelegt werden.

    Uni Stuttgart bessert nach

    «Da ist sicherlich bei der Einführung des Bachelors etwas übersehen worden», räumt der Rektor der Stuttgarter Universität, Wolfram Ressel, ein. An seiner Hochschule waren zwischen 2007 und 2009 nur rund 6 Prozent der Bachelor-Studenten im Ausland. Bei den Diplom-Studenten waren es 36 Prozent, bei den Magister-Studenten 18.

    Deshalb bessert die Uni Stuttgart nach: Nach dem vierten Semester soll es in Zukunft eine Zäsur geben, eine «Sollbruchstelle», wie Ressel sie nennt. Dann sollen die Studenten bestimmte Module abgeschlossen haben, so dass sich eine Pause für den Auslandsaufenthalt anbietet. Die zweite Idee ist ein «Bachelor of honour», ein freiwilliger Abschluss «für die Ehre». Den könnten die Studenten im 7. und 8. Semester im Ausland erwerben.

    Mobilitätsfenster in Tübingen und Heidelberg

    Auch in Tübingen, Heidelberg und Ulm arbeitet man an einer Nachbesserung bei den Studiengängen. Die Tübinger Universität hat in diesem Semester in zwei Pilotstudiengängen das sogenannte «Mobilitätsfenster» eingeführt. In den Fächer Physik und Psychologie haben die Studenten acht Semester Zeit - ohne dass die Stofffülle zunimmt. «Das Modell haben wir entwickelt, weil den Studenten der Zeitplan zu eng war und sie nur noch den Prüfungen hinterhergehechelt sind», erklärt ein Uni-Sprecher.

    In Heidelberg hat sich das neue Mobilitätsfenster schon bewährt. Im vierten und fünften Semester haben die Studenten viele Wahlmöglichkeiten. «Das erleichtert die Anerkennung von Studienleistungen, die im Ausland erbracht werden», sagt ein Mitarbeiter im Auslandsamt.

    Auslandspflicht in Mannheim

    Die Mannheimer sind schon einen Schritt weiter: Die BWL-Studenten müssen ihr fünftes Semester im Ausland verbringen, so schreibt es die Studienordnung vor. Weil die Hochschule im Ausland mit Partner-Unis zusammenarbeitet, ist auch die Anerkennung von Studienleistungen kein Problem. Zusammen mit Beratern suchen sich die Studenten passende Kurse im Ausland aus und bekommen die Garantie, dass die Leistungen in Mannheim anerkannt werden. «Der Studiengang hat Lokomotivwirkung», sagt ein Mitarbeiter des akademischen Auslandsamts. «Das hat einen Trend ausgelöst: In allen Studiengängen steigt die Zahl der Auslandsaufenthalte.» Seit 2004 habe sich die Zahl mehr als verdoppelt.

    Nicht unbedingt sechs Semester

    Doch auch an allen anderen Universitäten sollten sich die Studenten nicht zu sehr von der Studienordnung einschränken lassen, rät eine Mitarbeiterin des Auslandsamts in Ulm: «Wer wirklich ins Ausland will, geht auch als Bachelor.» Das sieht Sandra Hertlein vom akademischen Auslandsamt in Karlsruhe genauso: Es sei den Unternehmen viel wichtiger, dass ein Bewerber Auslandserfahrung habe, als dass er seinen Bachelor unbedingt in sechs Semester geschafft hat.

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