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  • Anschlag mit Lieferwagen auf Londoner Muslime

    Ein 47-Jähriger rast mit einem Lieferwagen in eine Gruppe von Muslimen vor einer Londoner Moschee. Nach der Tat soll er gerufen haben: „Ich habe meinen Teil getan.“ War Islamfeindlichkeit das Motiv?

    Verladung
    Forensiker verladen den Minivan, mit dem ein Mann in die Menschenmenge nahe einer Moschee gerast war.
    Foto: Frank Augstein - dpa

    London (dpa). Das von Terrorattacken gebeutelte Großbritannien kommt nicht zur Ruhe: Bei einem Anschlag mit einem Lieferwagen in London hat ein Mann mehrere Mitglieder einer muslimischen Gemeinde verletzt. Acht Opfer kamen laut Polizei ins Krankenhaus, mehrere weitere wurden vor Ort behandelt.

    Lieferwagen rast in Menschenmenge
    Der Lieferwagen war in der Nacht in eine Menschenmenge nahe einer Moschee gefahren. Der Fahrer wurde festgenommen.
    Foto: Joel Goodman - dpa

    Der 47-jährige Fahrer, ein Weißer, wurde festgenommen. Er steht unter Terrorverdacht, wie die Polizei mitteilte. Die Bluttat sei „ganz klar eine Attacke auf Muslime“, sagte Polizeichefin Cressida Dick. Premierministerin Theresa May sagte, die „Terrorattacke“ habe erneut unschuldigen Menschen in ihrem Alltag gegolten - mit dem Ziel, die Gesellschaft zu spalten.

    Forensiker
    Forensiker der Polizei arbeiten in London im Stadtteil Finsbury Park.
    Foto: Victoria Jones - dpa

    Der 47-Jährige war am frühen Montagmorgen in eine Menschenmenge in der Nähe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park gerast. Die Muslime waren während des Fastenmonats Ramadan nach dem Ende eines Gebets auf der Straße. Augenzeugen zufolge rief der 47-Jährige: „Ich will Muslime töten.“ Wie der Vorsitzende der Moschee berichtete, soll er nach der Tat gerufen haben: „Ich habe meinen Teil getan.“

    Tatort
    Polizei-Forensiker arbeiten an der Stelle, an der ein Minivan in eine Menschenmenge gefahren war.
    Foto: Yui Mok - dpa

    Ob ein Mann als Folge des Angriffs umkam, war nach Angaben der Polizei zunächst unklar - er hatte demnach schon vor der Tat erste Hilfe erhalten. Augenzeugenberichten zufolge wurde der Mann dagegen von dem Fahrzeug erfasst. Acht der zehn Verletzten wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

    Betende Anwohner
    Anwohner beten nach dem Anschlag im Londoner Stadtteil Finsbury Park.
    Foto: Yui Mok - dpa

    Seit März ist Großbritannien bereits dreimal von Terroranschlägen erschüttert worden. In Manchester hatte ein Selbstmord-Attentäter Ende Mai nahe einem Pop-Konzert 22 Menschen getötet. In London töteten Terroristen im März und Anfang Juni insgesamt mindestens 13 Menschen. Die Londoner Polizei hatte nach den jüngsten Anschlägen mehr islamfeindliche Vorfälle registriert als üblich.

    Straßensperre
    Polizisten haben im Stadtteil Finsbury Park hinter einem Absperrband Stellung bezogen.
    Foto: Yui Mok - dpa

    Die Tat ereignete sich in der Seven Sisters Road nahe dem Muslim Welfare House. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Finsbury-Park-Moschee, die Anfang der 2000er Jahre wegen des Hasspredigers Abu Hamza al-Masri Schlagzeilen machte.

    Betende
    Männer beten: Im Londoner Stadtteil Finsbury Park hat es nach Polizeiangaben einen schweren Zwischenfall mit mehreren Opfern gegeben.
    Foto: Yui Mok - dpa

    Die Behörden gehen davon aus, dass der Verdächtige allein gehandelt hat. Waffen hatte er demnach nicht dabei. Der Mann sei der Polizei nicht bekannt gewesen, hieß es. Er sollte auch auf seine psychische Gesundheit hin untersucht werden.

    Vor Londoner Moschee
    Männer beten in London im Stadtteil Finsbury Park.
    Foto: Yui Mok - dpa

    In Verbindung mit dem Vorfall durchsuchte die Polizei eine Wohnung in der Region Cardiff. Der bei dem Anschlag benutzte Lieferwagen stammt aus Wales. Er wurde von einer Firma in Pontyclun in der Nähe der walisischen Hauptstadt ausgeliehen, wie der Minister für Wales, Alun Cairns, mitgeteilt hatte. Unbestätigten Berichten zufolge stammt der Verdächtige aus der Region.

    In London
    Nahe einer Moschee ist ein Fahrzeug in eine Gruppe von Menschen gefahren.
    Foto: Tim Ireland - dpa

    Die Polizei kündigte an, zusätzliche Beamte einzusetzen - auch in der Nähe muslimischer Einrichtungen.

    Rettungskräfte
    Rettungskräfte sind auf der Fonthill Road in der Nähe der Haltestelle Finsbury Park im Einsatz.
    Foto: Tim Ireland - dpa

    Ein Imam wurde als Held gefeiert. Mohammed Mahmoud soll sich nach Augenzeugenberichten schützend vor den Terrorverdächtigen gestellt haben, der aus dem Lieferwagen gezerrt worden war. „Fasst ihn nicht an“, habe er demnach Menschen entgegengerufen, die sich wütend auf den Mann gestürzt hatten. Der 47-Jährige war von dem Imam und anderen Umstehenden festgehalten worden. Sie übergaben ihn später der Polizei.

    Einsatz in London
    Polizei steht in London auf der Fonthill Road in der Nähe der Haltestelle Finsbury Park Wache.
    Foto: Tim Ireland - dpa

    Das Gebetshaus verurteilte den Vorfall: „Wir haben über Jahrzehnte sehr hart für eine friedliche und tolerante Gemeinschaft hier in Finsbury Park gearbeitet und verurteilen schärfstens jeden Akt des Hasses, der versucht, unsere wunderbare Gemeinschaft zu spalten“, heißt es in einer Mitteilung, die das Muslim Welfare House im Internet veröffentlichte.

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    In Großbritannien leben etwa drei Millionen Muslime. 2011 (jüngster Zensus) waren es allein in England und Wales 2,71 Millionen, 4,8 Prozent der Gesamtbevölkerung (Schottland 77.000, Nordirland 3800).

    Ein Großteil lebte in London (etwa eine Million, 12,4 Prozent der Bevölkerung), den höchsten Anteil bildeten sie in den Stadtteilen Tower Hamlets und Newham. Weitere Schwerpunkte waren die Großstädte Bradford, Birmingham und Manchester. Fast die Hälfte der Muslime wurden im Vereinigten Königreich geboren. Viele haben familiäre Wurzeln in Pakistan und Bangladesch.

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