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    London«Anfänger» Grütjen im Cambridge-Achter

    Helge Grütjen schüttelt den Kopf. «Manchmal kann ich es selbst nicht glauben», sagt der Duisburger, wenn er in London am Ufer der Themse steht und auf das Wasser blickt.

    Spätzünder
    Helge Grütjen fing erst in England mit dem Rudern an.
    Foto: Marc Schäfer - DPA

    Am Sonntag wird er dort bei der 160. Auflage des prestigeträchtigsten Ruderrennens der Welt zwischen den Universitäten Cambridge und Oxford als einziger Deutscher im hellblauen Cambridge-Achter sitzen. Dabei hatte der Physiker mit Rudern «überhaupt nichts am Hut», als er 2010 zum Promovieren nach England kam.

    14 Zigaretten pro Tag habe er damals geraucht, 20 Kilogramm mehr auf den Rippen gehabt, und er sei «alles andere als fit» gewesen. Mit einer Körpergröße von 2,04 Meter komme man in der ruderverrückten Stadt aber nicht an einem Boot vorbei. Kommilitonen hatten ihn zunächst allerdings zum Rudern überreden müssen.

    «Meine Anfänge waren bescheiden. Die Idee war absurd, einmal am Boat Race teilzunehmen», erzählt Grütjen heute. «Ich habe aber trotzdem alles in meiner Macht stehende versucht. Und es hat gereicht.» Am Sonntag erfüllt sich für ihn ein Traum. Dass der 26-Jährige vier Jahre nach seinem ersten Ruderschlag bei diesem Rennen startet, ist ein Hinweis auf seinen unbändigen Willen.

    «Der Sport hat mich süchtig gemacht. Ich wollte sehen, wie weit ich es schaffen kann. Ich habe mehrmals am Tag trainiert und dem alles andere untergeordnet.» Nur seine Promotion hatte weiterhin Vorrang. Auf dem Campus arbeitet er Tür an Tür mit dem berühmten Physiker Stephen Hawking.

    Bereits im vergangenen Jahr nahm Grütjen an dem traditionellen Rennen auf der 6800 Meter langen Strecke zwischen der Putney-Bridge und Mortlake teil - allerdings im Reserve-Team. «Wir haben unglücklich verloren. Mir war sofort klar, dass ich noch nicht fertig damit bin, und ich habe drei Tage später wieder mit dem Training begonnen.»

    2013 ging auch das Hauptrennen an Oxford. In der Gesamtbilanz der Regatta, die auf das Jahr 1829 zurückgeht und inzwischen Jahr für Jahr von etwa 200 000 Zuschauern am Ufer und auf den Brücken verfolgt wird, führen die «Hellblauen» aus Cambridge mit 81 zu 77 Siegen. 1877 ging das Duell unentschieden aus.

    Grütjen will die Bilanz für seine Uni weiter verbessern. «Entweder man gewinnt oder man verliert. Es gibt nichts dazwischen. Wir bereiten uns eine Saison lang nur auf dieses einzige Rennen vor. Ich glaube, auch das macht es zu einem Mythos», sagt er.

    Er rudert im Boot des Außenseiters. Die Buchmacher erwarten Oxford vorne. «Sie sind wesentlich erfahrener», gibt Grütjen zu. Auf seiner Position im gegnerischen Boot sitzt der kanadische Olympiasieger Malcom Howard.

    Grütjen ist bereits der 23. Starter, aber der erste, der zuvor in seinem Heimatland im Rudern - abgesehen von Gast-Auftritten im Duisburger Bundesliga-Achter - nicht in Erscheinung getreten ist. Die meisten seiner Vorgänger sind als Weltmeister oder zumindest als Teil der Nationalmannschaft angetreten.

    Mit Bundestrainer Ralf Holtmeyer hat Grütjen noch kein Wort gewechselt. Das soll sich ändern. Die Idee, einmal im Deutschland-Achter zu sitzen, fasziniert ihn schon. «Ich weiß gar nicht, ob es dazu reichen würde. Aber wenn ich es versuchen würde, wäre es auf jeden Fall ein sehr weiter Weg», sagt Grütjen. Es wäre nicht das erste Mal, dass er sich große Ziele setzt.

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