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    Altenpflege: Revolution ohne Personal

    Die Altenpflege steht zum Jahreswechsel vor einem «Paradigmenwechsel». Für die Träger bedeutet das viel Bürokratie, für Bedürftige und Angehörige soll es einfacher werden. Ein Grundproblem bleibt: Es fehlen die Pflegekräfte.

    Rentner im Seniorenzentrum
    Zum Jahreswechsel ändern sich die Pflegestufen.
    Foto: Jens Wolf - dpa

    Magdeburg (dpa). Wenn am Neujahrsmorgen 2017 ein neues Jahr anbricht, beginnt in der Altenpflege eine neue Zeitrechnung. Die relevanten Gradmesser - drei Pflegestufen, die das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit derzeit noch beschreiben - sind dann passé. Ersetzt werden sie durch fünf Pflegegrade.

    «Für uns als Träger der Pflegedienste bedeutet das schon im Vorfeld einen enormen bürokratischen Aufwand», sagt der Fachreferent des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Sachsen-Anhalt, Marcel Kabel. Gemeinsam mit Kristin Schulze, ebenfalls Fachreferentin bei der Diakonie im Land, spricht er für die Liga der sechs freien Wohlfahrtsverbände in Sachsen-Anhalt. Schulze nennt es einen Paradigmenwechsel in der Altenpflege. Ganz genau wissen die Verbände im Land aber noch nicht, was da nach der Pflege-Revolution auf sie zukommen wird.

    Beschlossen wurde die Zeitenwende im Zweiten Pflegestärkungsgesetz. Ein Ziel soll unter anderem sein, Demenzkranken die gleichen Pflegeleistungen zukommen zu lassen wie körperlich beeinträchtigten Älteren. Auch die mobilen Pflegedienste sollen gestärkt werden, die in Sachsen-Anhalt bei der letzten Erhebung im Jahr 2013 rund 23 000 Patienten versorgten. «Für Pflegebedürftige mit kognitiven Einschränkungen und deren Angehörige ist das Gesetz auf jeden Fall eine Verbesserung», sagt Schulze.

    Künftig werden Gutachter Punkte über die Beeinträchtigung im Alltag verteilen und anhand dessen einen Pflegegrad vergeben. Die Prüfer gucken beispielsweise: Gibt es Probleme mit der Nahrungsaufnahme? Gibt es depressive Stimmungslagen? Wie ist es um die zeitliche Orientierung bestellt? Der Pflegegrad wird dann anhand der Punktzahl berechnet. Danach richten sich widerrum die Leistungen der Pflegeversicherung.

    «Bis jetzt ist noch unklar wie hoch der personelle Unterstützungsbedarf sein wird», sagt Kabel. Doch gerade die Frage des Personals bereitet den Pflegediensten Kopfzerbrechen. Zum einen gibt es in Sachsen-Anhalt nicht ausreichend Interessenten für den relativ schlecht bezahlten und als unattraktiv geltenden Beruf. Zum anderen ist qualifizierter Nachwuchs kaum in Sicht.

    «Wer fordert, dass Altenpflege besser bezahlt wird, muss auch wissen, dass es direkt an das Geld der Bedürftigen gehen muss. Die Pflegeversicherung ist ja nur eine Teilleistung», erklärt Kabel. Auch die Kosten für die Ausbildung müssen letztlich die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige zahlen. «Wer Pfleger ausbildet schafft sich eigentlich einen Nachteil im Wettbewerb. So kurzfristig können wir aber nicht denken», schildert Schulze die derzeitige Situation.

    Doch der Personalbedarf wird steigen. «Wir haben heute schon große Probleme Fachpersonal zu bekommen», sagt auch die Vertreterin vieler privater Pflegedienste im Land, Annette Schmidt. Sie ist Landesbeauftragte des Bundesverbandes privater sozialer Dienste und sagt: «Derzeit ist eine sehr angespannte Situation in der Altenpflege.»

    Eine Studie zur Zukunft der Pflegesituation in Sachsen-Anhalt ist gerade in Arbeit, Ergebnisse gibt es erst im Herbst. Eine erste Erkenntnis: Bis 2025 wird die Zahl der Pflegebedürftigen im Land um 13 Prozent steigen. 2013, im Jahr der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamtes, gab es im Land 534 Pflegedienste und 517 Pflegeheime. Rund 92 000 Menschen waren pflegebedürftig, mehr als jeder dritten davon wurde Zuhause versorgt. Die Zahlen werden steigen, doch unter welchen Bedingungen, ist unklar.

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