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Tausende kleine Narren feiern Jugendmaskenzug

Mainz. Bevor sich die gestandenen Mainzer Narren am Rosenmontag auf die Straßen trauen, schicken sie gewissermaßen als Vorhut und Eisbrecher die närrische Jugend hinaus. Doch Eis müssen die rund 4000 jungen und älteren Hüpfer wirklich nicht brechen. Denn am Samstag herrschen bei Europas größten Jugendmaskenzug fast schon frühlingshafte Temperaturen und die Stimmung entlang der Route von der Neu- in die Altstadt ist ausgelassen.

Warum auch nicht angesichts der vielen bunten und lustigen Verkleidungen, die der närrische Nachwuchs zeigt? Das Spektrum reicht von „Finther Gickel“ über „Zugenten“ bis zu modernen „Fastnachts-Äpps fürs Ei-Phone“. „Es ist etwas Herrliches, wenn Kinder maskiert sind und Spaß haben. Das überträgt sich auch auf die Erwachsenen“, findet Bernhard Breu. Der 65-Jährige aus der Oberstadt hat sich mit Tochter, Schwiegertochter und Enkelkind von zweieinhalb Jahren bei der alten Universität postiert. „Ich bin eigentlich immer auf dem Kindermaskenzug“, betont er. Denn hier finde er „Lebensfreude pur“.

Ein Dankeschön an den Erfinder des Buchdrucks

Das Motto des diesjährigen Zugs ist zwar nicht ganz einfach, schafft dafür aber den Sprung aus der Vergangenheit in die Gegenwart: „Als Gutenberg den Druck erfand, war’n Zeitungen noch unbekannt. A Handy, Navi und PC, die gäb’s net ohne soi Idee." Dazu passend fielen auch viele Verkleidungen aus: Die Kinder der Münchfeldschule etwa wissen genau, was sie dem alten Gensfleisch zu verdanken haben: Ohne seine Erfindung könnten Kinder heute nicht die Geschichten von Pippi Langstrumpf, dem Sams, Räuber Hotzenplotz oder – er darf natürlich nicht fehlen – Harry Potter lesen. Als kleines Dankeschön für den berühmtesten Mainzer zogen die Kleinen als Kinderbücher durch die Stadt.

Die IGS Anna Seghers dagegen wurde noch grundsätzlicher: Als bewegliche Lettern hüpften die Schüler durch die Stadt. Noch weiter in die Vergangenheit wagte sich die katholische Kindertagesstätte St. Georg: Mit Knochen in den Haaren die Frauen und Keulen auf der Schulter die Männer erinnerten Eltern und Betreuer an Steinzeiten, in denen es noch keine Kinderbücher gab. Zwischen drin wuselte der Urzeit-Nachwuchs. Das Theresianum dagegen macht sich ernsthafte Gedanken um den leeren Stadtsäckel: „Trojaner in die Stadtkasse“ lautet ein – zukunftsweisender ? – Vorschlag.

Der Maskenzug gehört zur Fastnacht

Den maskierten Kindern zuzuschauen, ist auch eine Form der „Anerkennung“, betont Maria Haberberger: „Ich weiß, wie viel Arbeit dahinter steht.“ Oft entstünden in Schulen und Kindergärten aus wenig Material tolle Ideen. Die 50-jährige Frau im Känguru-Kostüm kennt den Maskenzug von der Picke auf. Als Kind und später als Mutter ist sie fleißig mitmarschiert, heute, da die Kinder erwachsen sind, sehe sie gerne zu. „Das gehört für mich zur Fastnacht“, so Haberberger.

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