Stunde der Entscheidung im Fall Sarrazin
Eine Abberufung sei jedoch nicht einfach, sagte Joachim Vetter, der Chef des Bundes der Richterinnen und Richter der Arbeitsgerichtsbarkeit, der Nachrichtenagentur dpa. Es müsse besondere Gründe geben. Ein solcher Schritt sei denkbar, wenn sich Sarrazin als Vorstandsmitglied etwas zuschulden kommen lasse, was sich direkt gegen den Arbeitgeber richte. Andernfalls müsste der Arbeitgeber belegen, dass er einen nachhaltigen Schaden habe.
In Hildesheim kündigte ein örtliches Bündnis gegen Rechts eine Protestkundgebung gegen Sarrazin an, der am Donnerstag auf seiner Lesereise Station in der Stadt machen wollte. Wegen Sicherheitsbedenken wurde die Lesung abgesagt, wie Michael Jens, der Geschäftsführer der einladenden Buchhandlung Decius, sagte.
Sarrazin bekräftigte in der ARD-Sendung «Beckmann» seine Thesen: «Es gibt Gene, anhand von denen man Volksgruppen voneinander unterscheiden kann. Das gilt für viele Volksgruppen, also nicht nur für die Juden.» In seinem Buch kritisiert er eine angeblich mangelhafte Integration muslimischer Einwanderer und führt dies auf ihren islamischen Hintergrund zurück.
Der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy sagte im RBB, die neuesten Äußerungen von Sarrazin gingen noch über das hinaus, was die SPD- Schiedskommission bereits vor einem Jahr als tendenziell parteischädigend kritisiert habe. Damals war ein Verfahren gegen Sarrazin gescheitert.
Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, sprach sich in der ARD aber gegen einen Ausschluss aus. Auch der SPD- Bundestagsabgeordnete und Sprecher des Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, stellte sich gegen einen Parteiausschluss. «Man darf keinen Märtyrer aus Sarrazin machen», sagte Kahrs dem «Tagesspiegel».























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