RZ-KOMMENTAR: Steuert die Landesregierung auf einen Neustart am Ring zu?
Die rot-grüne Landesregierung war sich selten so einig: Von den Pächtern am Nürburgring will man sich auf keinen Fall in die Knie zwingen lassen. Offenbar sind SPD und Grüne bereit, einen unangenehmen öffentlichen Schlagabtausch zu riskieren und sich vom angedrohten Arbeitsplatzabbau nicht schrecken zu lassen. „Wir haben einen gültigen Pachtvertrag“, heißt es.
Selten hat die rheinland-pfälzische Landespolitik einen derart hohen politischen Poker erlebt. Man kann davon ausgehen, dass nicht alle Karten offen auf dem Tisch liegen. Von daher stellt sich die Frage nach den Motiv-Karten, die derzeit noch in der Hinterhand gehalten werden.
Was die privaten Betreiber von Rennstrecke und Freizeitpark wollen, scheint noch am leichtesten fassbar. Selbst wenn sie die Lage jetzt schwärzer malen, als sie ist, zeichnet sich doch deutlich ab, dass spätestens die 15 Millionen Euro Pacht im vierten Geschäftsjahr illusorisch sind. Schon die 10 Millionen dürften anspruchsvoll sein, wenn die Ring-Macher Kai Richter und Jörg Lindner noch einen schönen Gewinn mit nach Hause nehmen wollen. Dass sie dieses Interesse haben, kann ihnen niemand vorwerfen. Sie erledigen ihren Job weiß Gott in einem rauen Klima – und damit ist nicht nur der Eifelwinter gemeint.
Zudem fühlen sich Lindner und Richter vom Land nur unzureichend informiert – was Zahlen und Prognosen angeht. Fakt ist: Die Landesregierung hat Optimismus verbreitet, wo Realismus angesagt gewesen wäre. Dennoch hätte zumindest Kai Richter, der den Ring nicht nur genau kannte, sondern auch höchst raffiniert seine Interessen wahrte, die Lage realistisch einschätzen müssen. Sich ihn als Opfer vorzustellen, fällt ausgesprochen schwer.
Bleibt die Frage, wie die verdeckten Karten des Landes aussehen. Können die privaten Betreiber die Pacht nicht bedienen, besitzt die Regierung ein einseitiges Kündigungsrecht. Die Folge wäre eine Neuausschreibung. Riskiert das Land also den Bruch – frei nach dem Motto: Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende?
Der erste Ring-Prozess steht vor der Tür, die wirtschaftlichen Perspektiven sind mau, die Stimmung am Ring ist mies. Da kann man auf die Idee kommen, einen Befreiungsschlag zu wagen. Daher ist durchaus denkbar, dass es beim Poker am Ring schon bald ums Ganze geht.
dietmar.brueck@rhein-zeitung.net























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