Pulver-Kurt und seine bizarren Kriegsspiele - RZ-Reportage
Pulver-Kurt hat sich damals besonders in Schale geworfen, er erscheint in einer SS-Uniform mit eindeutigen verfassungsfeindlichen Zeichen. Besonders bizarr: Ausgerechnet der Mann mit der Scheune voller illegalen Gewehren, wird an diesen Tagen ausgewählt, um die Waffen der Teilnehmer zu kontrollieren. Über seinen Auftritt rümpfen allerdings gleich mehrere Teilnehmer die Nase und distanzieren sich später von der Veranstaltung.
Wenig später werden zudem dem Landeskommando Rheinland-Pfalz der Bundeswehr eindeutige Fotos von Pulver-Kurt zugespielt. Das Landeskommando stellt Anzeige, das Verfahren wird aber eingestellt. „Weil er ein unbestrafter Täter war und sich über die Folgen keine Gedanken gemacht hat“, sagt heute der Staatsanwalt. Für das Landeskommando war dies immerhin Anlass genug, dem ehemaligen Soldaten Hausverbot zu erteilen, zudem darf er keine Bundeswehruniform mehr tragen.
Wehrmacht-Darsteller werden eingeladen
Die Kriegsspiele gehen trotzdem weiter. Wie oft Pulver-Kurt in den Folgejahren dabei war, ist unklar. Es gibt aber Hinweise, dass er später nicht mehr als SS-Gruppenführer, sondern als Major der 72. Infanteriedivision auftaucht. Immerhin wird nach den Vorfällen und dem Wechsel der Organisatoren wieder verstärkt darauf geachtet, dass keine SS-Gruppen mehr auftauchen, die Freude an den Spielen ist aber ungebrochen. Auch Wehrmacht-Darsteller werden regelmäßig eingeladen. 2008 wird die Schlacht im Hürtgenwald nachgespielt, 2009 geht es um den Ausbruch der US-Amerikaner aus dem Normandiebrückenkopf.
Das vorerst letzte Treffen ist im April 2010 – wieder sind Kämpfe in der Normandie Vorbild. Die Armee-Zeitschrift „Stars and Stripes“ berichtet einmal, dass „Weltkriegsenthusiasten aus Frankreich, Deutschland, Holland und Ungarn anreisten. Selbst der Fernsehkanal der US-Streitkräfte dokumentiert die Veranstaltung. Beim Treffen im vergangenen Jahr ist die Rede von rund 100 Landsern und etwa 30 USSoldaten.
Der Sprecher des Landeskommandos, Oberstleutnant Uwe Schmelzeis, verweist darauf, dass die Treffen nicht auf dem Areal des Truppenübungsplatzes stattfinden. In den vergangenen Jahren wurde nur eine einzige Genehmigung der Kommandantur erteilt. Dabei geht es aber um eine Fahrübung der Reservistenarbeitsgemeinschaft militärhistorischer Fahrzeuge Idar Oberstein. „Die Reenactment-Treffen waren auf dem Areal der US-Amerikaner“, sagt er, „Darauf haben wir keinen Einfluss.“
Von unserem Redakteur Dietmar Telser























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