Geschichte: Als der Koblenzer OB Westberliner Roller-Fans einbürgern wollte
Damals, an diesem lauen Sommerabend, hatten sich Hunderte Fans des legendären Rollers Heinkel-Tourist am Deutschen Eck versammelt. Grundmann, der Sohn des Chefs der Koblenzer Heinkel-Gruppe, war natürlich dabei. Wie in jedem Jahr seit 1958 startete das Treffen von Heinkel-Fans aus ganz Deutschland mit einem Geschicklichkeitsturnier am Deutschen Eck.
Die Stimmung war ausgelassen. Staunend schauten die Zuschauer der Gruppe aus Konstanz zu, wie sie mit sieben Personen auf dem kleinen Roller eine Pyramide bildete. Sie jubelten, wenn einer der Fahrer den Parcours erfolgreich umkurvt hatte. Und natürlich wurden die äußerst robusten Viertakter inspiziert: 175 Kubik, 9,5 Pferdestärken, Elektrostarter, die im Ölbad schlagende Kette, wie sie heutige BMW-Maschinen haben, die glatt gewienerten Edelblechkarossen und natürlich das Geheimfach hinter dem Nummernschild, in dem sogar eine ganzes Zelt Platz fand. „Das war das Nonplusultra“, schwärmt Gerd Grundmann noch heute.
Als kleiner Junge in den 50er-Jahren hat der heute 67-Jährige das erste Mal eine Heinkel-Tourist gesehen – im Schaufenster der Koblenzer Autofirma Josef Barz, Ecke Bahnhofs- und Rizzastraße. Sein Vater war in der Goliath-und-Lloyd-Filiale Hauptgeschäftsführer. Die Heinkel-Roller lieferte er persönlich in einem Goliath- Express, einem kleinen Bus, aus. Und Sohn Gerd saß meist auf dem Beifahrersitz, half beim Ausliefern.
Für ihn war der Heinkel-Tourist ein Teil der glitzernden Welt des Westens, in die er 1954 zusammen mit seiner Mutter aus dem Osten floh. Zuvor hatte der Vater in einer Nacht-und-Nebelaktion in Berlin mit dem Fahrrad rübergemacht. Mutter und Sohn und Tochter folgten ihm wenig später mit dem Zug.
Tausendsassa beißt sich durch
Grundmann senior war ein Tausendsassa. Im Heimatort der Familie in Oschatz nahe Dresden hatte er ein Fotografengeschäft. Später war er Direktor der Konzert- und Gastspieldirektion in Frankfurt/Oder, betreute Varietékünstler und Sänger auch in Westberlin. Nach der Flucht landeten er und seine Familie zunächst im Obdachlosenasyl. Doch Stehaufmännchen Grundmann will in den Westen, nach Bayern. Sie landen im Aufnahmezwischenlager Osthofen bei Worms. Von dort geht es an den Rhein. Sein Sohn ist von der Landschaft verzückt: „Vater, bleiben wir hier? Es ist ja so schön hier.“ Schließlich kommen sie als Flüchtlinge zu einer Bauernfamilie nach Himmighofen (Rhein-Lahn-Kreis). Ochsengespanne, Acker, Kühe: Das Landleben ist für die Grundmanns aus der Stadt Oschatz ein kleiner Kulturschock.























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