Fachkräftemangel: Kritischer Punkt ist erreicht
Mainz - Laut Jürgen Czupalla, Chef der Mainzer Agentur für Arbeit, ist nicht nur im Handwerk, und da besonders in den Lebensmittelberufen, ein kritischer Punkt erreicht. Die Situation spitzt sich ebenso im Gesundheitswesen immer mehr zu. "Im OP-Bereich und der Intensivpflege klafft die größte Lücke", weiß er aus Gesprächen mit Vertretern der Einrichtungen.
"Die Uniklinik erwägt derzeit, eine abgestufte Ausbildung einzuführen", sagt Czupalla. So sollen Interessierte zunächst in einem Jahr den Status eines Krankenpflegehelfers erlangen. "In dieser Zeit können sprachliche Defizite und Lernschwierigkeiten ausgeglichen werden." Im nächsten Schritt steht die Weiterqualifizierung zum Krankenpfleger an. Als probates Mittel, um mehr Frauen in den Job zu holen, will die Uniklinik auch eine Ausbildung in Teilzeit anbieten, gekoppelt mit der Bereitstellung eines Kindergartenplatzes, wie der Agenturchef erklärt.
Nicht viel besser ist die Situation in Zahnarztpraxen, in denen es massiv an zahntechnischen Fachangestellten mangelt. "Einige Praxen haben bereits ihre Sprechstunden reduziert", hat Czupalla erfahren. Hinzu kommt, dass sich inzwischen ein Wettbewerb entwickelt hat. "Kliniken werben Fachkräfte in den Praxen ab." Für die Betreffenden sei der Wechsel aufgrund der Arbeitszeiten eine attraktive Alternative. Andere Arbeitgeber wiederum zahlten Beschäftigten eine Prämie, die neue Mitarbeiter anwerben. Derzeit gibt es bei der Arbeitsagentur noch 1012 Plätze für das angelaufene Ausbildungsjahr zu besetzen. Dem Agenturchef zufolge hat etwa Boehringer Ingelheim kurz vor Toresschluss noch einmal Azubis nachgefragt. Denn: Selbst renommierte Unternehmen bleiben von dem Engpass nicht verschont. Mit der Folge, dass sie schon jetzt Nachwuchs für den Ausbildungsbeginn 2012 suchen. Aktuell sind bei der Arbeitsagentur von rheinhessischen Betrieben schon 261 Angebote eingegangen. Schließlich steht der Umsatz auf dem Spiel. "Fehlt es den Firmen an qualifizierten Mitarbeitern gehen eventuell wichtige Aufträge verloren", nennt Czupalla eine Konsequenz.
Dem Agenturchef zufolge gibt es aber auch Betriebe, die in der gegenwärtigen Situation noch Kräfte nach der Ausbildung ziehen lassen. "Das sind Firmen, die keine Vorstellung haben, wie sie in fünf Jahren personell stehen wollen oder keinen Arbeitspuffer besitzen."
Dass Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen EU-Staaten seit Mai ohne Einschränkungen in Deutschland arbeiten dürfen, hat die Lücke an Fachkräften auch in der Region nicht auffüllen können. "Bewerber aus Osteuropa arbeiten in der Landwirtschaft oder auf dem Bau, wie sie es schon immer getan haben", schildert Czupalla. Die Sprachbarriere spiele eine wichtige Rolle, dass der Ansturm bisher ausgeblieben sei. Doch interessanter als Arbeitnehmer aus dem Ausland abzuwerben ist für den Agenturchef eine andere Alternative: "Wir sollten versuchen, ausländische Studenten hier zu halten." Sabine Jakob























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