Die Mängel von Cattenom: Beobachter fällt hartes Urteil über Kernkraftwerk
Fachleute aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Luxemburg haben den Stresstest im Atomkraftwerk Cattenom begleitet – allen voran der gemeinsame wissenschaftliche Beobachter Dieter Majer. Fragen und Antworten zu den Erkenntnissen.
Welches Ergebnis lieferte der Stresstest?
Im Vorfeld wurden keine Kriterien festgelegt, aus denen sich ein „bestanden“ oder „nicht bestanden“ ergeben hätte. Auch aus einem „bestanden“ könnte aber keineswegs abgeleitet werden, dass das Kernkraftwerk sicher ist, sagt Majer. Der Stresstest beleuchtete nämlich „nur einige Facetten“ der Sicherheit des AKW Cattenom.
Was sollte nicht untersucht werden?
Der Stresstest zielte auf die Folgen schwerer Naturkatastrophen ab. Terroristische Anschläge, Cyber-Attacken und das Restrisiko durch menschliches oder technisches Versagen sowie die Alterung der Technik standen nicht im Fokus. Der Aussagewert mit Blick auf das immer von nuklearen Anlagen ausgehende Risiko ist deshalb begrenzt, resümiert Majer.
Wie arbeitete der gemeinsame Beobachter?
Die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes sowie der luxemburgische Premier entsandten den Ministerialdirigenten a. D. Dieter Majer (früher im Bundesumweltministerium), die französische Atomaufsichtsbehörde ASN stimmte dem zu. Majer besuchte Sitzungen der französischen Expertengruppen und begleitete Anfang August 2011 die Vorortkontrolle der ASN im Kraftwerk Cattenom.
Zu welchem Schluss kommt Majer nach der Vorortkontrolle?
Der Beobachter verweist darauf, dass die ASN-Inspektion mit 78 sogenannten Feststellungen endete. In 35 Fällen gab es Abweichungen von der Norm (Konformität), 35 Mal wurde der Betreiber Eléctricité de France (EDF) aufgefordert, zusätzliche Nachweise zu erbringen. Zudem wurden 8 allgemeine Beobachtungen festgehalten. Majer ist der Ansicht, dass „die Vielzahl und die sicherheitstechnische Bedeutung der Mängel auf kein sehr ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein des Betreibers schließen lassen“.
Ist der Bericht des Betreibers zur Inspektion vollständig?
Nein, sagt der Beobachter dazu. EdF hat zwar einen 390-seitigen Bericht zur „zusätzlichen Sicherheitsbewertung“ veröffentlicht – doch darin wird etwa auf die Folgen eines Flugzeugabsturzes gar nicht eingegangen. Die EU wollte dies zwar, die französische Aufsicht ASN übernahm die Vorgabe aber nicht in ihr Pflichtenheft. Majer hält dies für sehr kritisch, da der Flughafen Luxemburg nicht weit von der Anlage in Cattenom entfernt ist.





























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