Schrift:
Drucken  |  Versenden  | 

Reportage: Das letzte Wort hat der Guru

Es begann mit scheinbar harmlosen Meditationen. Doch der "Weg ins Licht", den der Guru versprach, führte eine Krankenschwester aus dem Westerwald in die totale psychische Abhängigkeit. Auch nach ihrem Tod geht der Spuk in Bayern weiter.

Ein Bild aus glücklichen Tagen. Petra Schwalb aus Freirachdorf nahm sich im März 2009 das Leben.
privat

In welche Welt seine Frau da hineingeraten war, erkannte Joachim Huessner erst, als sie nach 15 gemeinsamen Jahren eines Tages den Ehering nicht mehr trug. Das war im November 2006. Die Familie war gerade auf dem Heimweg von einem Fußballspiel in Westerburg im Westerwald. Die beiden Jungs hatten gekickt, die Eltern hatten ihnen zugesehen und die jungen Sportler mit Kaffee und Kuchen versorgt. Ein normaler Familiensonntag. Bis sich der jüngste Sohn von der Rückbank meldet: "Mama, du trägst ja deinen Ehering gar nicht!" Erst am Abend hat Huessner Gelegenheit, seine Frau zur Rede zu stellen.

Ihre Erklärung zum fehlenden Ring hebt seine Welt aus den Angeln: "Sicherheit und Vertrauen kann ich dir ab jetzt nicht mehr geben. Die musst du in dir selbst finden. Ich bin jetzt die göttliche Liebe und soll sie in die Menschheit tragen. Da du aber nicht meine Entwicklungsstufe hast, kannst du sie momentan nicht fühlen." Ihre Worte sind der Anfang vom Ende ihrer Beziehung.

Erst ein Jahr zuvor war aus Petra Schwalbs hobbymäßigem Interesse für Esoterik mehr geworden. Sie hatte eine Ausbildung zur Reinkarnationstherapeutin begonnen, eine esoterische Psychotherapie, die davon ausgeht, dass die Ursache eines Problems in einem früheren Leben liegen kann. Joachim Huessner verstand, dass sie sich neben ihrer Arbeit als Krankenschwester weiterbilden wollte. Sie lebten eine Beziehung auf Augenhöhe. Er bastelte stundenlang an Motorrädern, sie an ihrer Wahrnehmung für das Übersinnliche.

Doch die Ausbildung brach sie schließlich zugunsten der Bewegung "Weg ins Licht" ab. Guru Gottfried Bresink aus Inzell hatte im Westerwald Station gemacht und sie mit seinem Vortrag derart begeistert, dass sie beschloss, mehrere einwöchige Seminare bei ihm in Bayern zu belegen. Keine Ausbildung mit Abschluss, dafür beschritt sie nun den "Weg ins Licht". Auch wenn Joachim Huessner ein ungutes Gefühl hatte - anfangs deutete kaum etwas darauf hin, dass dieser Weg einen gefährlichen Verlauf nehmen könnte. Petra strahlte, wenn sie aus Bayern zurückkehrte. Sie richtete sich ein Meditationszimmer mit bunten Tüchern und Räucherstäbchen ein und zog sich dorthin zweimal täglich zum Meditieren zurück. Sie aß kein Fleisch mehr und verzichtete aufs Fernsehen. Daran allein war nichts auszusetzen, oder?

1 von 4
Weiter
3.6
3,6 (30 Stimmen)

Blog: Peerenboom trifft Lob

Unser Redakteur Marcelo Peerenboom ist mit Roman Lob beim Eurovision Song Contest 2012 und berichtet von seinen Erfahrungen.

Wetter

Samstag

9°C - 25°C
Sonntag

11°C - 26°C
Montag

12°C - 25°C
Dienstag

10°C - 23°C

Umfrage

Roman Lob aus Neustadt/Wied vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest. Hat er eine Chance zu gewinnen?

Umfrageergebnis

Hertha BSC ist endgültig abgestiegen, Fortuna Düsseldorf spielt in der 1. Lig. Das Sportgericht hat den Einspruch der Berliner abgewiesen. Hätten Sie das "Chaos-Spiel" wiederholen lassen?

31%
56%
13%

RZ-Blog

Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!

Event-Kalender

Sudoku

Sudoku  
Tägliches
Sudoku
in vier
Schwierigkeitsstufen

RZ-SERIE: Nanu?!

Anna Lampert ist
mit Kamera und Mikro
den Geheimnissen
unseres Landes
auf der Spur