Reportage: Das letzte Wort hat der Guru
Es begann mit scheinbar harmlosen Meditationen. Doch der "Weg ins Licht", den der Guru versprach, führte eine Krankenschwester aus dem Westerwald in die totale psychische Abhängigkeit. Auch nach ihrem Tod geht der Spuk in Bayern weiter.
In welche Welt seine Frau da hineingeraten war, erkannte Joachim Huessner erst, als sie nach 15 gemeinsamen Jahren eines Tages den Ehering nicht mehr trug. Das war im November 2006. Die Familie war gerade auf dem Heimweg von einem Fußballspiel in Westerburg im Westerwald. Die beiden Jungs hatten gekickt, die Eltern hatten ihnen zugesehen und die jungen Sportler mit Kaffee und Kuchen versorgt. Ein normaler Familiensonntag. Bis sich der jüngste Sohn von der Rückbank meldet: "Mama, du trägst ja deinen Ehering gar nicht!" Erst am Abend hat Huessner Gelegenheit, seine Frau zur Rede zu stellen.
Ihre Erklärung zum fehlenden Ring hebt seine Welt aus den Angeln: "Sicherheit und Vertrauen kann ich dir ab jetzt nicht mehr geben. Die musst du in dir selbst finden. Ich bin jetzt die göttliche Liebe und soll sie in die Menschheit tragen. Da du aber nicht meine Entwicklungsstufe hast, kannst du sie momentan nicht fühlen." Ihre Worte sind der Anfang vom Ende ihrer Beziehung.
Erst ein Jahr zuvor war aus Petra Schwalbs hobbymäßigem Interesse für Esoterik mehr geworden. Sie hatte eine Ausbildung zur Reinkarnationstherapeutin begonnen, eine esoterische Psychotherapie, die davon ausgeht, dass die Ursache eines Problems in einem früheren Leben liegen kann. Joachim Huessner verstand, dass sie sich neben ihrer Arbeit als Krankenschwester weiterbilden wollte. Sie lebten eine Beziehung auf Augenhöhe. Er bastelte stundenlang an Motorrädern, sie an ihrer Wahrnehmung für das Übersinnliche.
Doch die Ausbildung brach sie schließlich zugunsten der Bewegung "Weg ins Licht" ab. Guru Gottfried Bresink aus Inzell hatte im Westerwald Station gemacht und sie mit seinem Vortrag derart begeistert, dass sie beschloss, mehrere einwöchige Seminare bei ihm in Bayern zu belegen. Keine Ausbildung mit Abschluss, dafür beschritt sie nun den "Weg ins Licht". Auch wenn Joachim Huessner ein ungutes Gefühl hatte - anfangs deutete kaum etwas darauf hin, dass dieser Weg einen gefährlichen Verlauf nehmen könnte. Petra strahlte, wenn sie aus Bayern zurückkehrte. Sie richtete sich ein Meditationszimmer mit bunten Tüchern und Räucherstäbchen ein und zog sich dorthin zweimal täglich zum Meditieren zurück. Sie aß kein Fleisch mehr und verzichtete aufs Fernsehen. Daran allein war nichts auszusetzen, oder?























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