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    Berlin«5-6-9-Dis.»: Die Formel deutschen Scheiterns

    Die olympische Formel deutschen Scheiterns findet sich in dem Code «5-6-9-Dis.». Die Fünf und die Sechs stehen für Garmisch-Partenkirchens und Berchtesgadens Stimmen bei der Vergabe der Winterspiele 1960 und 1992, die Neun für Berlins Voten für die Sommerspiele 2000.

    Bewerberstadt
    Leipzig wurde mit seiner Bewerbung für 2012 frühzeitig aus dem Rennen genommen.
    Foto: DPA

    «Dis.» ist die Bezeichnung für Disqualifikation. Leipzigs Anlauf zu den Sommerspielen 2012 endete bereits in der Vorausscheidung. Da nämlich hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) den deutschen Bewerber mit einem Ungenügend aus dem Rennen genommen.

    Fünf Stimmen für Garmisch-Partenkirchen - das hatte eine Verständlichkeit. 15 Jahre nach Kriegsende war das IOC noch längst nicht so weit, den (west-)deutschen Sport mit Winterspielen auszuzeichnen. Das änderte sich mit der Vergabe der Sommerspiele 1972 an München. Man kann sie auch verstehen als das internationale Anerkennen eines Bemühens, als Geläuterter ein Mitglied der Völkergemeinschaft mit allen Rechten und Pflichten sein zu wollen.

    Das Scheitern bei den folgenden drei Bewerbungen ist eine Geschichte der Irrungen und Wirrungen, aber auch der Unkenntnis und nicht zuletzt der Unfähigkeit. Berchtesgadens 6,2 Millionen Mark teurer Kandidatur fehlte es an nationaler Unterstützung - das gilt auch für das Nationale Olympische Komitee (NOK). So wurde sie im wesentlichen von Bayern und den Landräten aus dem Berchtesgadener Land getragen. «25 Stimmen haben wir sicher», hieß es aus ihren Reihen als Ergebnis weltumspannender Suche nach Stimmen. Walther Tröger, damals NOK-Generalsekretär, kommentierte das so: «Unsere Leute waren zu fröhlich und zu naiv.»

    Günstig war für Berchtesgaden auch nicht, dass der amerikanische Olympia-Sender ABC Stimmung gegen «Hitlers Berchtesgaden» machte. Der «Ort am Obersalzberg» sei in den USA nicht zu verkaufen. Und wenig Erfolg hatte in Lausanne auch eine letzte Aktion der Ehefrauen der deutschen Olympier Berthold Beitz und Willi Daume. Ihrer Einladung zu einer Schiffsfahrt auf dem Genfer See folgten zwar 40 der 43 nach Lausanne angereisten Frauen der IOC-Mitglieder. Doch das damals noch einigermaßen legale Geschenk von Petit Point-Taschen im Wert von jeweils 1000 Mark (Daume: «Man muss mit den Wölfen heulen») verpuffte.

    Berlins olympischer K.o. war in erster Linie die Folge einer Überforderung. Die Stadt war ganz und gar mit seiner eigenen Wiedervereinigung beschäftigt. Heftige Demonstrationen einer radikalen Minderheit in Berlin, aber auch am IOC-Sitz in Lausanne und unmittelbar vor der Wahl 1993 in Monte Carlo verschreckten das IOC. Und dazu auch ein angekauftes Dossier über jedes einzelne IOC-Mitglied, das auch sexuelle Vorlieben aufgeführt haben soll.

    «Berlin ist an sich selbst gescheitert», sagte das damalige IOC-Führungsmitglied Marc Hodler (Schweiz). Ehe sich ein weitgehend unqualifiziertes Management versah, war auch schon früh klar, dass die Spiele 2000 in Richtung Osten vergeben werden würden. Sydney gewann das Duell mit Peking.

    Leipzigs Scheitern hatte seine Ursache in einem Missgriff des NOK. Mit der sächsischen Halbmillionen-Stadt meldete es nach einer internen Qualifikation den sympathischsten nationalen Bewerber beim IOC an, aber nicht den geeignetsten. Gegen Elefanten wie London, Paris, New York, Madrid und Moskau stand das auch national allein gelassene, überforderte Leipzig von vornherein auf verlorenem Posten, eliminiert schon in der Vorentscheidung zusammen mit Rio de Janeiro, Istanbul und Havanna.

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