Timo Boll schmettert live im Internet
Gerne und berechtigt klagen Vertreter der sogenannten Randsportarten über mangelnde TV-Präsenz. Übertragungen im Internet können der Ausweg sein – vorausgesetzt, die Finanzierung ist gesichert.
Es gibt nichts, was es nicht gibt in den unendlichen Weiten des World Wide Web. Natürlich auch bewegte Sportbilder. Auf youtube.com finden sich Clips von historischen Wettkämpfen, wie beispielsweise der Boxkampf Muhammad Ali gegen George Foreman, der legendäre „Rumble in the Jungle“ von 1974, oder der sensationelle Überwurf von Wilfried Dietrich, dem „Kran von Schifferstadt“, im olympischen Ringerturnier von 1972 gegen den Vier-Zentner-Brocken Chris Taylor. Sven Hannawalds Siegessprünge bei der Vierschanzentournee 2002, Boris Beckers Matchball in Wimbledon 1985 – nennen Sie Ihren liebsten Sportmoment, bei Youtube werden Sie ihn finden.
Aktuelle Highlights aus der Fußball-Bundesliga suchen Sie dort indes vergeblich; entsprechende Clips werden unter Hinweis auf die Urheberrechte umgehend gelöscht. Für Spitzenfußball aus Europa muss der Zuschauer üblicherweise zahlen. Es sei denn, er kennt eines jener illegalen Portale wie zaptiger.com oder cctv5, die auf kuriosen Umwegen über China oder die Golfregion die kostenpflichtigen Liveübertragungen von Sky ins Internet umleiten. Dass die Bilder bisweilen ruckeln und der Kommentar arabisch ist, können Hardcore-Fans wohl verschmerzen.
Doch es soll ja auch Sportfreunde geben, die mal was anderes sehen wollen als immer nur Fußball. Das Internet bietet auch den sogenannten Randsportarten immer mehr Nischen, die zum Teil mit viel Fantasie und Einfallsreichtum genutzt werden.
Ganz vorn liegt in Sachen Internet-Übertragungen die Deutsche Tischtennis-Liga (DTTL), die schon zur Jahrtausendwende erste Versuche startete, sich eigene Sendeplätze im damaligen Deutschen Sportfernsehen (DSF) zu kaufen. Schnell mussten die Vereine damals einsehen, dass die vom Sender geforderten Produktionskosten ihre Etats überforderten.
Doppelter Glücksfall für die Zelluloid-Artisten: Zum einen können sie mit Timo Boll einen echten Weltstar vorweisen, dazu mit Christian Süß, Andre Ovtcharov und Patrick Baum weitere Akteure von internationaler Klasse, zum anderen schaltete sich mit Tischtennis-Fan und -Spieler Benno Neumüller ein echter Fernsehprofi ein. Neumüller hatte in den Sportredaktionen von ARD und Premiere gearbeitet und gründete Anfang 2007 die Firma contenthouse, um dem Spiel mit den kleinen Bällen auch TV-technisch auf die Beine zu helfen.














Diesen Artikel versenden