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Neue Kritik an Gesichtsscannern in Fußball-Stadien

Berlin (dpa) - Die Pläne zur Einführung von Gesichtsscannern in Fußball-Stadien stoßen weiter auf breite Ablehnung. Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses Dagmar Freitag hält nichts von der Idee, mit der Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier für Aufsehen gesorgt hatte.

Dagmar Freitag
Dagmar Freitag ist die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Foto: Soeren Stache
DPA

«Nach allem, was mir bislang bekannt ist, gibt es für einen solchen Einsatz keine Rechtsgrundlage», sagte die SPD-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa. «Ich denke, Herr Caffier ist über das gewünschte Ziel hinausgeschossen.» In einer öffentlichen Anhörung wird sich der Sportausschuss in der nächsten Wochen auch mit diesem umstrittenen Vorhaben auseinandersetzen.

Trotz der negativen Reaktionen aus Sport und Politik will Caffier (CDU) die rechtlichen Möglichkeiten von Scannern weiter prüfen, wie sein Büro mitteilte. Die Kritik sei bekannt und werde berücksichtigt. Selbst Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich äußerte Skepsis. «Man muss sich gut überlegen, ob das nicht eine Umdrehung zu viel ist», sagte der CSU-Politiker im «Münchner Merkur».

Krawalle in Fußballarenen, prügelnde Randalierer und Angriffe auf Polizisten hatten in dieser Saison bereits Politik und Verbände auf den Plan gerufen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert lebenslange Stadionverbote. «Wer die Masse der friedlichen Fans für das Ausleben seiner Gewaltgelüste missbraucht, muss notfalls ein lebenslanges Stadionverbot erhalten», steht in einem Positionspapier des niedersächsischen DPolG-Landesverbandes, das der dpa vorliegt.

Die DPolG unterstützt auch die Pläne von Gesichtsscannern. «Ich halte das für eine sinnvolle Sache», meinte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt auf der Homepage der Gewerkschaft. «Wir müssen alle rechtlichen und technischen Möglichkeiten ausschöpfen, um Schläger aus den Stadien herauszuhalten.»

Mit der Haltung steht Wendt allerdings weitgehend alleine da. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, hält es für «Irrsinn, ein Sicherheitssystem aufzubauen, das nur über totale Überwachung funktioniert». Das Problem der Fußball-Chaoten sei - insbesondere in der vierten oder fünften Liga - damit nicht zu lösen.

Witthaut wird am kommenden Mittwoch im Bundestag sprechen. Er ist als einer von mehreren Sachverständigen in den Sportausschuss geladen worden, wo über die jüngsten Gewaltexzesse von Fußball-Rowdys beraten wird. «Allein schon die Tatsache, dass wir die Anhörung öffentlich durchführen werden, zeigt, dass wir dem Thema große Bedeutung beimessen», betonte Freitag. Mit den Stimmen der Regierungsparteien sind in dieser Legislaturperiode Medien und Öffentlichkeit für gewöhnlich von den Sitzungen ausgeschlossen worden.

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