Spielnachlese in Reimform: Blumentopf und die WM-Raportagen
Nicht nur Hip-Hop-Fans warten nach den Spielen der deutschen Mannschaft sehnsüchtig auf ihre „Raportagen“: In rasend schnell getexteten Songs erzählen die Musiker der Band Blumentopf schon seit vier Jahren die EM- und WM-Partien in der ARD nach.
Von unserem Reporter Damian Morcinek
Baden-Baden. Wenn der Schlusspfiff ertönt und die Nationalspieler in Südafrika die Schnürsenkel ihrer Fußballschuhe lockern, fängt für die Hip-Hop-Band Blumentopf die Arbeit erst an – so auch nach dem Spiel der deutschen Elf gegen Ghana.
Seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zeichnen sich die fünf Münchner mit den klangvollen Künstlernamen Cajus, Roger, Schuh, Hollunder und Sepalot verantwortlich für die sogenannten Raportagen in der ARD – eine Mischung aus Rap-Musik und Spielbericht im Reimformat. Blumentopf bildet damit eine Neuauflage eines zur WM 1974 aus der Taufe gehobenen und äußerst beliebten Musikformats, des Fußball-Balletts. „Bloß etwas moderner und zeitgemäßer“, betont Sebastian Weiss alias Sepalot, der als DJ der Gruppe vor allem für die Musik verantwortlich ist.
Die WM-Spiele, zu denen eine Raportage produziert werden soll, sehen sich die fünf Musiker aus strategischen Gründen in der Sendezentrale des SWR in Baden-Baden an. Neben jedem Bandmitglied liegt stets ein Notizblock, auf dem sie sich Vermerke zu starken Bildern, wichtigen Spielzügen und entscheidenden Ereignissen machen. Unmittelbar nach dem Ende einer Partie, „möglichst sofort, denn da sind die Emotionen noch ziemlich frisch und genau davon lebt so was“, setzen sich wortgewandte Kommentatoren zusammen und stricken in kürzester Zeit einen reflektierenden Liedtext zusammen. „Mit der Musikaufnahme sind wir eigentlich schon immer eine Stunde nach dem Spiel fertig. Dann wird allerdings noch ein kleines Musikvideo dazu gedreht“, erläutert Weiss. Und das sowie der Liedtext ist nach der WM 2006 und EM 2008 immer aufwendiger geworden. Denn mittlerweile haben die Münchner Musiker Spaß daran gefunden, regelmäßig aktuelle O-Töne von Fußballern und Trainer mit einfließen zu lassen.
Für Blumentopf liegt der Reiz des erfolgreichen Projekts vor allem in der zusätzlichen kreativen Dimension: „Normalerweise erklärt sich der Text durch die Musik oder die Musik durch den Text. Wenn man zu bewegten Bildern schreibt, kann man Textzeilen machen, die ohne das Fernsehbild gar keinen Sinn oder einen völlig anderen Sinn ergeben. Das macht’s für uns als Künstler so interessant“, sagt der 36-Jährige.
Dass sie genau die Richtigen für diesen Job sind, haben die fußballversierten Wortakrobaten bereits zigfach eindrucksvoll bewiesen. Sie sind nicht nur allesamt Fans des runden Leders, die sich kaum ein Spiel, nicht einmal ein Zweitliga- beziehungsweise Bayern-Amateure-Spiel entgehen lassen. Nein, auch ihre Fähigkeit schnell und spontan arbeiten zu können, sowie ihr musikalisches Markenzeichen des Story-Tellings – die gerappte Wiedergabe von Geschichten und Ereignissen –, prädestinieren sie für diese Aufgabe. „Bei aller Bescheidenheit. Ich wüsste auch nicht, wer sonst dafür in Frage kommen würde“, sagt Sebastian Weiss lächelnd.










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