So feiern die Noch-Weltmeister
Koblenz - Es war eine heiße Juninacht im Sommer 2006. Italien wurde Fußballweltmeister. Die Innenstädte – auch die von Koblenz – ein grün-weiß-rotes Farbenmeer. Jetzt, vier Jahre später, tritt die „Squadra Azzurra“ an, den Titel zu verteidigen. Am Montagabend bestritt die italienische Elf ihr erstes Gruppenspiel. Die italienischen Fans in der Altstadt fieberten mit.
Von unserer Reporterin Angela Kauer
Der heilige Antonius hilft. Bestimmt. Da ist sich Giuseppe Luccitti sicher. Deswegen hat er die kleine Heiligenfigur aus Gips vor dem Fernseher in seiner Trattoria Adria in der Koblenzer Rheinstraße aufgestellt. „Mit dem heiligen Antonius wird alles gut“, erklärt der Padrone, den seine Stammgäste liebevoll Sepp nennen, mit großer Geste und fester Stimme.
Die Kellnerin bringt gerade eine große Schüssel dampfender Rigatoni, da passiert das Unglaubliche: Paraguay geht mit 1:0 in Führung. Antonius muss für einen Moment eingeschlafen sein. Giuseppe lässt sich davon nicht die Stimmung vermiesen. „Ich hatte 2:1 für Italien getippt, da ist noch alles drin“, sagt er. Und natürlich wird Italien auch diesmal Fußballweltmeister.
Mit seinem unerschütterlichen Glauben an die „Squadra Azurra“ ist er an diesem Abend in der Koblenzer Innenstadt nicht allein. Auf „mindestens zwei Tore Vorsprung für uns“ hofft auch der neunjährige Michele Pancaro, der mit seinem Onkel Sandro im blauen Trikot direkt vor der zwölf Quadratmeter großen Leinwand im Biergarten am Deutschen Eck sitzt. Giovanni Russumanno, der mit fünf deutschen Mädels und Töchterchen Giarda (3) dorthin gekommen ist, tippt ebenfalls auf einen Sieg der italienischen Elf. „Natürlich ist die Mannschaft nervös. Immerhin tritt sie als Weltmeister an und muss sich beweisen“, analysiert er staatsmännisch die Stimmungslage der Spieler. „Und Paraguay ist auch kein leichter Gegner. Wir werden trotzdem gewinnen.“
In Südafrika hat inzwischen Regen eingesetzt. Die Stadionzuschauer auf dem Bildschirm hüllen sich in durchsichtige Plastikcapes. Gegen den leichten Wind in den Koblenzer Altstadtgassen hilft erst einmal noch eine dünne Italien-Fahne. In die hat sich jedenfalls Barbara Amitrano gehüllt, die das Spiel gemeinsam mit polnischen und deutschen Freunden in der Sportsbar „Champs“ am Görresplatz schaut. Die erste Halbzeit ist beinahe zu Ende. Italien liegt nach wie vor zurück, und Barbaras Optimismus hält sich in Grenzen. „Unser Kader ist einfach relativ alt. Die Leistung überzeugt mich heute nicht“, nimmt die angehende Hotelfachfrau ihre Mannschaft auseinander. Und Barbara kennt sich aus. Schließlich hat sie selbst sechs Jahre lang Fußball in der Mädchenmannschaft des SV Spay gespielt. „Ich hoffe, dass es für ein Unentschieden reicht.“









Diesen Artikel versenden