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Musiker sagen: Vuvuzelas können nichts!

Sie ist der Shootingstar der Instrumentenszene: die Vuvuzela. Die kreischbunte, alles durchdringende Fußballtröte aus Südafrika ist - Achtung, Wortspiel! - in aller Munde und wird von der Mehrheit der WM-Gucker leidenschaftlich verabscheut. Wir haben mal bei den Profis der Mainzer Klassikszene nachgehört, was sie von Deutschlands Hassobjekt Nummer 1 halten.

In aller Munde: die Vuvuzela.
In aller Munde: die Vuvuzela.
dpa

 

Von unserer Redakteurin Alexandra Schröder

 

Die Umfrage kam Gerhard Scholz gerade recht: "Endlich fragt mich mal jemand, was ich neben den politischen Qualen dieser Tage zum Überleben mit diesen grausamen Krachgeräten empfehle", sagt der Direktor des Peter-Cornelius-Konservatoriums. Das klingt doch nach einer klaren Meinung. "Selbst wenn alle Musikinstrumente verboten würden, würde ich von der Anschaffung eines solchen Quäkers Abstand nehmen." Ausprobiert hat er den Ohrenkrebsgaranten zwar durchaus. Aber auch sein Klangergebnis sei so schrecklich gewesen wie das von allen anderen Probanden. Ob die Vuvuzela dennoch zum Siegeszug durch die deutsche Orchesterlandschaft ansetzt? "Man muss heute schlichtweg mit allem rechnen - und wenn demnächst vielleicht in den großen Orchestern des Landes auch Hausmeister als Aushilfen herangezogen werden, ist es natürlich ein nahezu ideales Gerät."

 

Orchesterwart Dirk Hauenstein hat für uns mit den Blechbläsern des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz gesprochen, die ebenfalls eine einhellig schlechte Meinung haben. Nichts, aber auch gar nichts, halten die Profis von dem Ding, das sie als Instrument und beim Zuschauen nervt. Der Praxistest: "Lautstärke nicht gut steuerbar, nur ein bis zwei Töne spielbar." Mit anderen Worten: eine Nullnummer.

 

"Die Vuvuzela ist ein Signalinstrument, maximal zur Verständigung in weiten Steppen geeignet. In jeder Form von umgrenztem Areal - also auch vierseitig geschlossenen Stadien - eine Qual fürs Gehör", urteilt Karl Böhmer, Geschäftsführer der Villa Musica. Er hat sich an der Plastikvariante selbst versucht, das Ergebnis war jedoch "wenig erquicklich". Auch seiner Ansicht nach wird sich die Vuvuzela nicht als Orchesterinstrument etablieren: "Wenn Berlioz noch leben würde, hätte er bestimmt schon eine WM-Hymne mit sieben obligaten Vuvuzelas komponiert. Ansonsten können die Blechbläser in unseren Orchestern genauso laut, aber viel schöner spielen, nämlich richtige Töne und auch leise."

 

Jan Kittel ist Kulturreferent der Stadt, Vorsitzender der Rheinischen Orchester Akademie und Holzbläser. Die Bezeichnung Instrument für die Vuvzuela passt ihm gar nicht. "Die Tröte produziert völlig willkürliche Tonhöhen in einer unkontrollierbaren Lautstärke ohne jede klangliche Definition. Kurz: ein total nerviges, lärmendes Störgeräusch." Spaß hatte er dennoch mit ihr, aber nur für einen Moment, "bis mit noch lauterem Tusch der Verstand einsetzte." Zu Vuvuzelas in Orchestern: "Dazu bräuchte es zwei Dinge: Erstens einen Instrumentenbauer, der Tonlöcher in die Vuvuzelas bohrt. Zweitens einen Orchestervorstand, der statt der Fräcke künftig Trikots als Dienstkleidung zulässt. Beides wird nicht passieren - falls doch, sollten wir darauf vorbereitet sein und einen Komponisten beauftragen, als Antwort auf Rimski-Korsakows ,Hummelflug" den ,Hornissenflug" für Solo-Vuvuzela und obligates, weil nicht zu hörendes Sinfonieorchester zu schreiben. Oder so."

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