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Fußball geht auch ohne laute Worte

Horgenzell - Wie soll man sich über Fußball unterhalten, wenn man keine Worte für Abseits oder Dribbling hat? Wie soll man Deutschlands Chancen gegen Argentinien diskutieren, wenn man den Begriff Viertelfinale nicht verwenden kann? In der Deutschen Gebärdensprache (DGS) gibt es keine Zeichen für diese Fußball-Fachbegriffe. Gehörlose Schüler aus Baden-Württemberg haben jetzt für Abhilfe gesorgt. Und: Ihre Zeichen könnten auch hörenden Fans im Stadionlärm helfen.

Fußballgebärden - von gehörlosen Schülern entwickelt.
Fußballgebärden - von gehörlosen Schülern entwickelt.

 

Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke


Dass die WM-Sonderausgabe der „Mühlezeitung“ so einschlagen würde – ihr Projektleiter Daniel Fabian konnte es natürlich nicht ahnen. Die Exemplare der beliebten Schülerzeitung aus der Heimsonderschule Haslachmühle in Horgenzell (Baden-Württemberg) sind heiß begehrt, nicht mehr nur bei der Schulgemeinde. Besonders eine Doppelseite ist inzwischen bundesweit gefragt: Darauf sieht man Fotos der Schüler, wie sie Fußball-Fachbegriffe als Gebärdenzeichen darstellen.

 

Das Besondere: Diese Gebärden haben sich die gehörlosen und zum Teil geistig behinderten Schüler selbst ausgedacht – weil es sie schlicht nicht gab. Auch das Poster, das aus der Doppelseite entstanden ist, musste nachgedruckt werden. Es hängt inzwischen in vielen Gehörlosen-Einrichtungen im ganzen Land. Und nicht nur dort.

 

„Die Resonanz ist wirklich unglaublich“, sagt Daniel Fabian noch immer tief beeindruckt. „Und das war ja alles nicht so geplant, sondern hat sich entwickelt. Es fing alles damit an, dass sich meine Schüler über Fußball unterhalten wollten. Und in der Deutschen Gebärdensprache gibt es längst nicht für alle sportlichen Fachbegriffe die entsprechenden Zeichen. Also haben sich die Schüler neue ausgedacht, andere weiterentwickelt oder aus anderen Sprachen abgeschaut.“

 

Rund 50 Fußballbegriffe kamen so zusammen, etwa für Abseits, Dribbling oder Manndeckung – unerlässlich, wenn nach einem Bundesliga-Spieltag oder einem spannenden WM-Match die engagierte Expertenrunde in der Redaktion der von Daniel Fabian geleiteten „Mühlezeitung“ debattiert. „Auch für einzelne Spieler haben die Schüler Zeichen. Lionel Messi etwa: Da nimmt man drei Finger der Hand, was für den Buchstaben M steht, und bewegt sie in einer Schlangenlinie – weil Messi doch so elegant dribbelt.“ Bei Cristiano Ronaldo werden die Muckis extra übertrieben dargestellt.

 

Als die „Mühlezeitung“ eine Sonderausgabe zur WM plante, sammelten Fabian und seine 15- bis 19-jährigen Schützlinge, die gehörlos oder schwerhörig und infolgedessen zum Teil auch sprachbehindert sind, alle selbst entwickelten Gebärden beisammen. Im Fotostudio der Schule entstanden Bilder, die – mit Bewegungspfeilen versehen – die Zeichen erklären. Diese Bilder wurden dann in der „Mühlezeitung“ gedruckt.

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