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Fußball-WM ist ein Straßenfeger

Koblenz - Ein Spaziergang auf der Mainzer Straße? Warum nicht? Kein Auto ist in Sicht, die Vögel zwitschern hörbar. Nur ab und zu trötet eine Vuvuzela. Wir sind unterwegs auf den Straßen von Koblenz, während sich Deutschland gegen Ghana behauptet. Und treffen an sonst belebten Orten ungewohnte Leere an.

Der Hauptbahnhof wie ausgestorben - während des WM-Spiels Deutschland - Ghana.
Der Hauptbahnhof wie ausgestorben - während des WM-Spiels Deutschland - Ghana.
Dinah Schmidt

 

Von unserer Mitarbeiterin Dinah Schmidt

 

Die Europabrücke: Hallo, ist da jemand? Es ist kurz vor halb 9 am Mittwochabend, und wir erleben ein Verkehrsaufkommen, dem selbst das gebeutelte Bauwerk über der Mosel spielend gewachsen ist. Deutschland spielt in wenigen Minuten gegen Ghana. Der Koblenzer sitzt offensichtlich bereits vor der Mattscheibe. Wir rollen über verlassene Straßen.

 

Ein Blick auf die Karthause: Der Supermarkt hat noch eineinhalb Stunden geöffnet. Menschengrüppchen mit schwarz-rot-goldenen Wangen hasten heraus, überqueren mit Chips und Bier auf dem Arm den Potsdamer Platz. „Jetzt ist Anpfiff!“ ruft uns ein junger Mann zu. Und auf einen Schlag ist alles leer zwischen den Regalen.

 

 

Auch unsere Reporterin Katrin Steinert ist mit ihrer Videokamera auf den leeren Straßen von Koblenz unterwegs. Ihre Videoreportage:

 

 

 

 

Aber halt, da blättert doch noch jemand in den Zeitschriften. „Ich kann nicht sehen, wenn die da ständig stürzen und rumjammern“, meint Merit Cron lachend. „Während Mann und Sohn vorm Fernseher sitzen, mache ich es mir bequem – mit Zeitung und Sektchen.“ Auch der Marktleiter wird das Spiel an diesem Abend nicht verfolgen: „Ach, ich genieße mal die Ruhe.“

Und die ist mittlerweile auffallend. Wer ins Freie geht, hört Vogelgezwitscher. Keine Motoren. Auch der Hauptbahnhof ist wie ausgestorben. „Ja, normalerweise ist hier entschieden mehr los“, stellt Pinar Karacay, Leiterin des McDonald's, fest. Trotzdem lässt sich das Team die gute Laune nicht verderben. Zwei „einsame Wanderer“ betreten das Restaurant. Als eine Farbige kommt, feuert der freundliche Mitarbeiter hinterm Tresen schmunzelnd an: „Ghana, Ghana, Ghana!“ Kurz darauf ein offenbar deutscher Kunde: „Deutschland, Deutschland, Deutschland!“ Die Gäste lachen mit.

 

Hier geht es zu einer Bildergalerie - die Leere sichtbar gemacht.

 

In der Innenstadt gibt es am Mittwochabend, so scheint’s, nur zwei Extreme: Rappelvoll, wo Public Viewing möglich ist; ansonsten gähnende Leere. Die Viktoriastraße wirkt zeitweise wie evakuiert.

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