Schrift:

Fußball-WM als Integrations-Motor?

Johannesburg/Berlin - Sami Khediras Vater kommt aus Tunesien. Lukas Podolski wurde wie Miroslav Klose in Polen geboren. Mesut Özils Eltern stammen aus der Türkei, Jerome Boatengs Vater aus Ghana. Viele Leistungsträger der umjubelten deutschen Nationalmannschaft bei dieser WM haben das, was Politiker „Migrationshintergrund“ nennen. Sind der Erfolg der Kicker und die gesellschaftliche Akzeptanz, die sie verdienen, eine Chance für die Integration?

Fußball als verbindendes Element: So wie hier an einem Handyshop in Berlin-Neukölln bekennen sich zur WM auch viele Fans mit Wur
Fußball als verbindendes Element: So wie hier an einem Handyshop in Berlin-Neukölln bekennen sich zur WM auch viele Fans mit Wurzeln in anderen Ländern zu Schwarz-Rot-Gold.
dpa

 

Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke

Die deutsche Fußballnationalmannschaft des Jahres 2010 hat das geschafft, worum die deutsche Gesellschaft seit Jahrzehnten ringt: Das Team gilt als Ergebnis gelungener Integration. Gemeinsam kämpfen Fußballer mit deutschen und ausländischen Wurzeln um den Sieg. Und das gelingt mit Leichtigkeit und Souveränität – es scheint zumindest im Team gar kein Thema zu sein, dass der eine in Polen geboren wurde und der andere in Brasilien. Wer den Adler auf der Brust trägt, ist Deutscher. Und fertig.

Diese Erkenntnis setzt sich nach und nach auch in der deutschen Gesellschaft durch. Deshalb sind die Ereignisse dieses WM-Sommers bemerkenswert. Und das findet auch Gunilla Fincke. Die Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration erzählt fröhlich, „dass es faszinierend ist, durch die sogenannten Ausländerviertel zu fahren, in denen überall die schwarz-rot-goldenen Fahnen wehen“. Das sei doch ein gutes Zeichen für die Identifikation der deutschen Einwanderer mit dem Land, in dem sie leben und dem sie beim Fußball die Daumen drücken.


Zwar weiß auch die Migrationsexpertin, dass das Großthema Integration nicht durch die Erfolge einer Fußballmannschaft zu lösen ist – ganz egal, wie „multikulti“ diese Mannschaft auch sein mag.


Wichtiger als die kulturelle ist eben die strukturelle Integration, sind Jobs und Bildungschancen für Einwanderer. Doch das Signal, das vom DFB-Team ausgeht, ist wichtig und richtig: „Die Gesellschaft öffnet sich für Migranten.“ Das habe allerdings auch im Fußball eine Weile gedauert: bei der WM 2002 gab es drei deutsche Nationalspieler mit Migrationshintergrund, vier Jahre später waren es fünf, diesmal sind es zehn. Und über die Jahre, so Fincke, wurden auch Potenziale liegen gelassen: „Die Altintop-Brüder oder auch Nuri Sahin – um die hat man sich nicht ausreichend bemüht. Sie spielen für die Türkei, obwohl sie ganz klar in Deutschland verwurzelt sind.“

1 von 2
Weiter
0.0
0,0 (0 Stimmen)

Event-Kalender

Wetter

Samstag

9°C - 25°C
Sonntag

11°C - 26°C
Montag

12°C - 25°C
Dienstag

10°C - 23°C

RZ-Blog