Eine WM jenseits von Afrika
Johannesburg - Da die deutsche Nationalmannschaft nur noch das Spiel um den dritten Platz – Zyniker sprechen vom Duell um die „goldene Ananas“ – bestreiten durfte (und gewann) und nicht wie erhofft das Finale, müssen wir Fans uns langsam mal zwei wichtige Frage stellen: Was hat diese Weltmeisterschaft eigentlich gebracht? Hat sie überhaupt etwas gebracht? Dem gehen wir aus der Ferne an dieser Stelle einmal teils augenzwinkernd, teils sehr ernsthaft nach.
Von unserem Redakteur Volker Boch
Stimmung vor Ort: Waren überhaupt Fans im Stadion? Niemand kann genau sagen, ob auf den Tribünen tatsächlich Menschen gesessen haben. Gesehen haben wir schon welche, aber gehört haben wir nur die Vuvus. Da zu denen aber wirklich genug gesagt ist, beschränken wir uns darauf: Die Stimmung war verbesserungswürdig.
Stimmung zu Hause: Gut bis schwierig. Superlocker gegen Australien. Das Spiel gegen Argentinien aber in einer großen Menschen-Ansammlung gesehen zu haben, war der Beweis, dass im Fußball Realität und Unsachlichkeit immer Partner sind. Klasse die vier Dinger von Müller, Klose und Podolski, aber die Häme kommt dann immer auch ganz furchtbar schnell.
Politik: Deutschland hat ganz viele große Sorgen, aber noch lange nicht genug, als dass unsere werte Kanzlerin nicht meinen würde, bei der WM unverzichtbar zu sein. Unser Bundesmaskottchen taugt vielleicht nicht an der Spitze des Staates, aber sie kann nach Toren gegen Argentinien ordentlich rumhüpfen und den richtigen Leuten gratulieren (DFB-Chef Theo Zwanziger und dessen Adlatus Wolfgang Niersbach zum Beispiel).
Politik II: Sorgen müssen wir uns wohl auch um die armen Nordkoreaner machen. Seit dem 0:7 gegen Portugal hat keiner mehr was von den Jungs gehört oder gesehen. Ob sie wohl doch in einem kommunistischen Straflager gelandet sind?
Finanzen: Der Weltverband Fifa setzt mehr als drei Milliarden Dollar um, der Gewinn soll knapp ein Drittel davon betragen. Kein schlechter Coup in Afrika, dem Armenhaus der Welt. Wie viele Bruchteile davon im Ausrichterland bleiben, ist nicht bekannt.
Werbung: Was hat es für einen Ärger um die Meisjes aus Holland gegeben. Diese hübschen Dinger, die sich erdreisteten, auf ihren knappen Kleidchen für einen Nicht-Fifa-Sponsor Bierwerbung zu machen. Darüber lacht der Verband nicht, vorübergehend ging’s sogar in den Knast.
Sicherheit: Die Polizei war auch flott zur Stelle, um alle möglichen Diebe und Verbrecher von der WM fernzuhalten. Die Sicherheit war eines der Top-Themen des Turniers, 140 Millionen Euro wurde in die Polizei investiert. Hoffentlich hat Südafrika davon langfristig etwas.










Diesen Artikel versenden