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    ZürichZürichs Meeting-Direktor: Bolts «Strahlkraft» enorm

    Zürich ist das Mekka der Leichtathletik-Meetings und das berühmte Letzigrund-Stadion die attraktivste der 14 Stationen der Diamond League. Insgesamt ist die Serie aber weit davon entfernt, so zu funkeln wie der Formel-1-Zirkus oder andere Weltcups und Grand Prix im Weltsport.

    Sprintkönig
    Auch in Zürich zieht Usain Bolt die Fans ins Stadion.
    Foto: Kerim Okten - DPA

    «Wir wollten in der Diamond League die ganze Breite der Leichtathletik fördern und sie auf Vordermann bringen», verteidigte Zürichs Meeting-Direktor Patrick Magyar im Gespräch der Nachrichtenagentur dpa das umstrittene Konzept der globalen Premiumserie, «das ist uns trotz Kritik gelungen.»

    Mit dem Neun-Millionen-Franken-Etat kann der Eidgenosse beim wohl teuersten Meeting der Welt ein sportliches Feuerwerk mit 19 Weltmeistern von Moskau abbrennen. Bei anderen Stationen sieht das anders aus. Das Konzept betrachten die Sponsoren wohl auch skeptisch: In diesem Jahr fand sich für die am 7. September in Brüssel zu Ende gehende Diamond League kein Hauptsponsor.

    Die seit drei Jahren bestehende Diamond League bietet vielen Athleten die Chance, Geld zu verdienen. 480 000 Dollar werden pro Meeting an die besten Acht jeder Disziplin ausgeschüttet und am Ende bekommt jeder der 32 Gesamtsieger 40 000 Dollar. Beim Vorläufer Golden League machten vor allem Ausnahmeathleten groß Kasse, wenn sie den mit einer Million Dollar gefüllten Jackpot knacken konnten.

    «Natürlich könnte man das Konzept aus Marketing-Gesichtspunkten optimieren, interessanter machen», erklärte Magyar. Mit der Reduzierung auf die attraktiven Disziplinen und hohen Preisgeldern! «Ich schließe nicht aus, dass es so einen Paradigmenwechsel geben und der Showcharakter im Vordergrund stehen wird. Momentan versuchen wir einen Mixed zu machen. Das ist der Mittelweg.»

    Die Show auf der Diamond-Tournee macht bei seinen sechs bis sieben Auftritten insbesondere Supersprinter Usain Bolt, für den bei einer Antrittsgage von bis zu 350 000 Dollar die Prämien ein Zubrot sind. Aber haben sich die Sprüche und Mätzchen des 27-jährigen multiplen Olympiasiegers und Weltmeisters aus Jamaika nicht langsam totgelaufen? «Nein. Er hat mehr Strahlkraft denn je», urteilte Magyar.

    Daran änderten auch die fortlaufenden Doping-Skandale im Sprint nichts, die eine ganze Disziplin zudem zu Unrecht in Verruf bringen würden. «Die ganzen Verschwörungstheorien entsprechen nicht den selbst gemachten Wahrnehmungen. Dass wird medial hoch gejubelt», sagte Magyar. Zugleich hält er die Vierjahressperre für schwere Doping-Erstvergehen für richtig. «Zweijahressperren reichen offensichtlich nicht, solchen Betrügern die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen», sagte er dem Schweizer «Tages-Anzeiger».

    Dass der einstige Doping-Sünder Justin Gatlin (USA) in Zürich als Widersacher von Bolt über 100 Meter antrat, musste er machtlos akzeptieren. «Unser Grundsatz ist, dass wir unser Geld nicht in Doper investieren», erklärte Magyar. Gatlin musste aber nach den Regularien eingeladen werden, weil er die 40 000-Dollar-Gesamtprämie noch gewinnen kann. «Wir können Gatlin deshalb nach seiner Sperre nicht ein zweites Mal bestrafen», sagte der Meeting-Chef. «Allerdings habe ich ihm bereits mitgeteilt, dass er nächstes Jahr nicht mehr eingeladen wird.» 2013 ist der Sprint in Zürich nämlich keine Diamond-League-Disziplin.

    Da auch das Streben nach Rekorden und ewigem Ruhm den Reiz zum Sportbetrug befördern kann, ist Magyar der Ansicht, dass zahlreiche wohl mit Doping-Hilfe aufgestellten Weltrekorde - wie der von Natalija Lissowskaja (Russland/22,63 Meter) 1987 im Kugelstoßen - ein falsches Signal setzen. «Ich bin immer dafür eingetreten, dass eine neue Weltrekordliste eingeführt wird», sagte Magyar.

    Der Inhaber einer Marketing-Agentur wird dies wohl nicht mehr miterleben. 2014 wird er zum letzten Mal den Job als Meeting-Direktor machen und das Ehrenamt an Christoph Joho und Andreas Hediger weitergeben. «Ich habe keine Ideen mehr, wie man es in Zürich noch besser machen kann», begründete Magyar den Ausstieg nach dann neun Jahren.

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