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    Oldie-Ehrenrunde: Bayern-Rundfahrt noch einmal mit Voigt

    Vilshofen an der Donau (dpa) - Er werde bestimmt nicht rumheulen, sagte Jens Voigt. Für Sentimentalitäten ist der Berliner einfach zu routiniert. Dabei hat es schon etwas Endgültiges, was der 42-Jährige am Mittwoch in Angriff nimmt.

    Oldie
    Jens Voigt wird sich in Bayern von seinen heimischen Fans wohl verabschieden.
    Foto: Bernd Thissen - DPA

    In seinem letzten Jahr als Radprofi steht Voigt noch einmal bei der Bayern-Rundfahrt am Start, die er bislang dreimal gewonnen hat. Im Frühjahr 2014 sind seine Chancen auf den Gesamtsieg klein, und doch ist Jens Voigt das Gesicht des Rennens - denn es ist wohl seine letzte Rundfahrt in Deutschland.

    Die Tour de France wird er bei seiner Abschiedsrunde 2014 eher nicht mehr schaffen, kündigte Voigt an - aber wer weiß das schon so genau bei dem gebürtigen Mecklenburger, den längst jeder Radsportfan rund um den Globus kennt. «Fahren Sie denn überhaupt noch?», habe ihn jüngst jemand an einem Flughafen in den USA gefragt, erzählte Voigt bei der Auftaktpressekonferenz zur 35. Bayern-Rundfahrt in München.

    Nach dem 18. Jahr als Profi soll Schluss sein, die Entscheidung steht. «Körper und Geist» hätten dann doch auch mal genug, «und das «Shut up legs!» funktioniert auch nicht mehr», berichtete der Etappensieger bei Tour und Giro, Träger des Gelben Trikots in Frankreich, zweimalige Gewinner der Deutschland-Tour und dreimalige Champion in Bayern. Seine selbstquälende Aufforderung an die eigenen Beine ist Kult, Fans haben sich den Spruch sogar tätowieren lassen. Mit 42 Jahren sind die Beine aber doch nicht mehr zu überhören. «Ich freue mich, ein Ende des Leidens zu sehen», meinte der sechsfache Familienvater.

    Bis zur Rad-Rente ist es noch ein wenig hin. Diese Woche liegt Voigts Fokus auf den 787 Kilometern durch Bayern, aufgeteilt auf fünf Etappen von Niederbayern in die Chiemgauer Alpen, vorbei an München bis nach Augsburg und schließlich nach Nürnberg. «Die Rundfahrt ist gut ausbalanciert», lobte Voigt. Anders als in den vergangenen Jahren haben die Organisatoren eine schwierige Bergankunft mit ins Programm genommen. Auf der zweiten Etappe muss zum Abschluss die Winklmoosalm erklommen werden, ein vier Kilometer langer Abschnitt mit einer Steigung von bis zu 19 Prozent. Rennchef Ewald Strohmeier hofft am Vatertag auf nicht weniger als ein «L'Alpe-d'Huez-Feeling».

    In der Heimat von Skilegende Rosi Mittermaier dürfte eine erste Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg fallen. Diesen hat sich auch Linus Gerdemann als Ziel gesetzt. «Ich bin relativ selbstbewusst und fühle mich gut», sagte der Fahrer des Teams MTN-Qhubeka. 2009 hatte er die Bayern-Rundfahrt bereits gewonnen. Ein Jahr davor siegte Christian Knees, der Sky-Profi ist Voigts Favorit für dieses Jahr.

    Wobei der schillerndste Namen der Rundfahrt in Voigts Trek-Team am Start steht: Fabian Cancellara. «Er ist unsere Wunderwaffe», flachste der Berliner und meinte mit einem Grinsen über den mehrmaligen Weltmeister und Olympiasieger: «Wenn der gut drauf ist, gewinnt der alle Etappen.» Vor allem beim Zeitfahren der vierten Etappe über 25,5 Kilometer in Wassertrüdingen ist der Schweizer der Top-Favorit.

    Nach den eigenen Chancen auf das Gelbe Trikot in Bayern wurde Voigt auch gefragt. Der Altmeister studierte kurz einen Zettel mit den vorläufigen Kadern und meinte: «Leider bin ich keine 35 Jahre mehr alt, sonst würde ich sagen: Ich sehe hier nur mich und alles Opfer.» Für einen lockeren Spruch ist Jens Voigt immer zu haben - jetzt will er zeigen, dass er auch auf seiner Ehrenrunde noch für Schrecken bei den Gegner sorgen kann. Und Tränen wird er ohnehin keine vergießen.

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