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    StadionsprecherKlaus Hafner erhält heute Fair-play-Medaille

    Klaus Hafner, Kultfigur des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05, wird vor dem Länderspiel gegen Schweden im Berliner Abgeordnetenhaus geehrt.

    Die Stadionsprecher sollen künftig auch zu den Auswärtsspielen mitreisen und im Stadion deeskalierend wirken. Die seit heute preisgekrönte Mainzer Kultfigur Klaus Hafner hält das für eine gute Idee.
Foto: Eva Willwacher
    Die Stadionsprecher sollen künftig auch zu den Auswärtsspielen mitreisen und im Stadion deeskalierend wirken. Die seit heute preisgekrönte Mainzer Kultfigur Klaus Hafner hält das für eine gute Idee.
    Foto: Eva Willwacher

    Am Dienstagabend tritt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Berliner Olympiastadion gegen Schweden an. WM-Qualifikation. Einer der Gäste auf der Prominententribüne: Klaus Hafner. Dann hat der kultige Stadionsprecher des FSV Mainz 05 seinen großen Moment schon hinter sich. Denn an diesem Dienstagvormittag ist der 58-Jährige bereits in das Berliner Abgeordnetenhaus am Potsdamer Platz. geladen. Dort beginnt um 10.30 Uhr ein Festakt, in dessen Rahmen Klaus Hafner in prominenter Runde die vom Deutschen Fußball-Bund verliehene Fair-play-Medaille überreicht bekommt.

    Die DFB-Aktion heißt "Fair ist mehr", und 600 Anträge wurden eingereicht. Acht Fair-play-Vorbilder sind von der Jury ausgewählt worden. Klaus Hafner hat sich die Auszeichnung verdient durch seine Art, wie er in Mainz die Profifußballspiele moderiert im Stadion. Das macht der Bankangestellte nunmehr seit 23 Jahren. Der Einfall, der jetzt maßgeblich verantwortlich war für den Fair-play-Preis, ist dem Stadtrat vor acht Jahren gekommen.

    Verunglimpfung der Spielernamen

    Im Sommer 2004 war der FSV Mainz 05 erstmals in der Klubgeschichte in die Bundesliga aufgestiegen. Dort wehte dann auch auf den Tribünen ein rauerer Wind. Als Hafner vor den ersten beiden Heimspielen gegen den Hamburger SV und gegen Bayer Leverkusen die Mannschaftsaufstellungen verlas, da hatte das ein Muster. Hafner rief den Vornamen eines 05-Spielers: Und aus dem gegnerischen Fanblock ertönte - als Ersatz für den von den heimischen Anhängern ergänzten Nachnamen - ein lärmendes "Arschloch".

    "Das hat mich aufgeregt, ich fand dieses Verhalten unmöglich", erzählte Hafner gestern vor dem Abflug nach Berlin. "Ich weiß noch, dass ich eine Ansage sogar mal abgebrochen habe, weil mir die beleidigende Brüllerei wirklich gestunken hat." Der Stadionsprecher hatte eine Idee. Die diskutierte er unter der Woche mit Geschäftsführer Michael Kammerer und einigen Fanklubvertretern.

    Beim dritten Bundesligaspiel am Bruchweg, Gegner war Borussia Dortmund, zog Hafner die Aktion durch. Freundlich begrüßte der Kultsprecher die Borussia-Fans ("Ich hoffe, ihr bekommt hier keine Platzangst, denn unser komplettes Stadion passt bei Euch in Dortmund auf die Stehtribüne"), er marschierte vor den gelb-schwarzen Block und zelebrierte für die Anhänger die Dortmunder Mannschaftsaufstellung - im Stil des gewohnten Heimrituals.

    Dabei ist es geblieben. Das ist ein Mainzer Markenzeichen geworden. Hafner ruft in der Coface Arena die Vornamen der Gästespieler, die Fans antworten mit dem Nachnamen - und die 05-Anhänger stören n i c h t mit unflätigem Gebrüll. "Von daher geht dieser Preis nicht nur an mich, sondern auch an unsere Fans", sagt Hafner. "Denn die 05-Fans dulden, ja sie unterstützen bis heute meinen freundschaftlichen Umgang mit unseren Gästen. Das finde ich toll. Insgesamt haben wir es uns in Mainz abgewöhnt, die Gäste zu verunglimpfen. Und das kommt gut an. Nicht bei allen, aber bei der deutlichen Mehrheit."

    Damit war Hafner in Deutschland der Vorreiter der deeskalierenden, der die Fangruppen nicht spaltenden, sondern zusammenführenden Stadionsprecher. Einpeitscher und Stimmungsanheizer ja, aber nicht tumb und einseitig.

    Eigene Mannschaft antreiben

    "Mein Gedanke war, dass wir alle Kraft darauf lenken sollten, unsere Mannschaft zu unterstützen, zum Sieg zu treiben", erzählt Hafner. "Den Gegner zu beleidigen, das lenkt doch von unserer eigentlichen Aufgabe nur ab. Wir Stadionsprecher haben die Aufgabe, Stimmung zu kanalisieren."

    Die bundesweit hohen Sympathiewerte des FSV Mainz 05 haben viel zu tun mit dem Umgang des Klubs mit den gegnerischen Fans und Spielern. Der damalige 05-Coach Jürgen Klopp war der erste Trainer in der Bundesliga, der nach dem Abpfiff aufs Feld marschierte und zielstrebig den Profis des Gegners die Hand drückte. Das hat der Dortmunder Meistercoach beibehalten. Der Fürther Trainer Mike Büskens erhält heute in Berlin die Fair-play-Medaille, weil er grundsätzlich v o r jedem Spiel alle gegnerischen Beteiligten im Stadioninnenraum per Handschlag begrüßt.

    Den richtigen Ton gefunden

    Bislang hat Hafner auch in kritischen Momenten immer den richtigen Ton gefunden. "Das ist wichtig", sagt Hafner. "Denn der Stadionsprecher ist der einzige, der in diesen zwei Stunden mit den Fans kommuniziert. Da darf nichts schief gehen, ansonsten kann die Atmosphäre ganz schnell umschlagen." Hafner versucht, seinen pädagogischen Auftrag weder aggressiv noch oberlehrerhaft durchzubringen. Und wenn Fans pöbeln aus Unkenntnis, dann klärt der Kultsprecher auch mal spontan auf. Wie kürzlich beim Heimspiel gegen Greuther Fürth.

    Die Ansage bei Djiby Fall

    Kleeblatt-Stürmer Djiby Fall wurde nach einem Sturz am Boden liegend behandelt. Den 05-Fans dauerte das viel zu lange. Wütende Pfiffe. Hafner hatte aber am Spielfeldrand mitbekommen, dass der Angreifer tatsächlich große Schmerzen hatte. Also übermittelte der Sprecher per Stadionmikrofon: "Der Spieler ist auf die Schulter gefallen. Das kann jedem mal passieren, da muss man nicht gleich pfeifen." Danach herrschte Ruhe.

    Auch Fanprotesten gegen Auswechslungen beugt Hafner vor. Als im jüngsten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf Niko Bungert kurz vor der Halbzeitpause raus musste mit Knieschmerzen, da informierte der Mainzer Stadionsprecher sofort: "Es handelt sich um eine verletzungsbedingte Auswechslung." In Stuttgart hat kürzlich ein von wütenden Pfiffen begleiteter Wechselvorgang hernach zur Wutrede von Trainer Bruno Labbadia geführt. Ein wacher Stadionsprecher hätte das verhindert. Reinhard Rehberg

    DFB ehrt Klaus Hafner als ersten Stadionsprecher für Fair Play
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