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    KoblenzInterview mit Christian Heidel: "Andere hätten gern unsere Probleme"

    "Eigentlich wollte ich heute ja etwas bekannt geben, aber dann kam die Einladung der TuS dazwischen", scherzte Christian Heidel. Der (Noch-)Manager des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 schaute (auf dem Weg nach Schalke?) in Koblenz vorbei und referierte über den Erfolgsweg der 05er, den er maßgeblich geprägt hat.

    Auf dem Weg von Mainz nach Schalke? 05-Manager Christian Heidel schweigt noch über seine Zukunft. 
    Auf dem Weg von Mainz nach Schalke? 05-Manager Christian Heidel schweigt noch über seine Zukunft. 
    Foto: dpa

    Zu seinem bevorstehenden Weggang aus Mainz sagte der 52-Jährige nichts Konkretes, kündigte aber an: "Irgendwann wird klar sein, warum das so lange gedauert hat." Am Rande der Veranstaltung beim Koblenzer Oberligisten sprach Christian Heidel mit unserer Zeitung.

    Mainz 05 steht prima da in der Tabelle, Schalke 04 kommt zu Besuch - und das Stadion ist nicht ausverkauft. Verlieren die Mainzer den Spaß an ihrem Karnevalsverein?

    Na ja, 32 000 Zuschauer waren da, nur 2000 Plätze blieben frei. Wir haben nie erwartet, dass das Stadion regelmäßig ausverkauft ist. Wenn man die Zuschauerzahl an der Einwohnerzahl misst, liegen wir nach Wolfsburg in der Bundesliga vorn. Deshalb haben wir ein Stadion gebaut in genau der richtigen Größe mit 34 000 Plätzen.

    "Da hättet ihr auch am Bruchweg bleiben können" ist also kein Argument, mit dem Sie sich auseinandersetzen?

    Um Gottes willen, nein. Die Umsätze haben sich seit dem Umzug 2011 fast verdoppelt, das ist eine andere Dimension. Im Bruchweg könnten wir nicht überleben.

    Mainz 05 rekrutiert sein Zuschauerpotenzial überwiegend aus der Stadt und der nahen Umgebung. Inzwischen wirbt der Verein auch im nördlichen Rheinland-Pfalz um Dauerkartenkunden. Erfolgreich?

    Ja, die Region zwischen Hunsrück und Koblenz ist für uns ein gutes Einzugsgebiet, wir sehen es an den Dauerkarten und Online-Bestellungen. Bis Koblenz geht die Tendenz stark in Richtung Mainz, ab Koblenz in Richtung Köln. Wir haben ein Generationenproblem. Der Uropa war noch nicht bei Mainz 05, weil es uns damals gefühlt gar nicht gab. Werbemaßnahmen sind im Übrigen sehr kostenintensiv, da muss man schon sehr viele Eintrittskarten verkaufen, um das wieder reinzuholen.

    Ein Vierteljahrhundert waren personelle Kontinuität und kurze Entscheidungswege im Vorstand die Erfolgsgeheimnisse von Mainz 05. Jetzt heißt es, die Führung sei überaltert, nicht innovativ und zu wenig transparent. Hat der Verein einen Strukturwandel verschlafen?

    Nein, überhaupt nicht. Wir sagen seit zwei Jahren, dass wir etwas verändern müssen. Was in den vergangenen 20 Jahren überragend gut war, muss nicht die nächsten 20 Jahre gut sein. Bei der nächsten Mitgliederversammlung wollen wir einen Aufsichtsrat installieren, weil der Verein einfach zu groß geworden ist. Die Kritik ist auch völlig unangebracht. Ich finde keinen Klub mit einer ähnlichen Erfolgsgeschichte. Man kann unseren Vorstandsmitgliedern ja nicht zum Vorwurf machen, dass sie in 20 Jahren 20 Jahre älter geworden sind. Und dass sie in 20 Jahren nicht mehr im Vorstand sein werden, ist auch völlig klar.

    Es hieß ja auch, Ihre Wechselgedanken hingen damit zusammen, dass Ihnen die Strukturveränderungen zu langsam gingen.

    Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich bin sicher die Triebfeder bei den Reformen, aber es gibt keine Dissonanz mit den Vorstandskollegen. Wir sind uns einig, dass etwas verändert werden muss. Aber wir haben keinen akuten Notfall, Mainz 05 wird für das laufende Geschäftsjahr voraussichtlich das beste wirtschaftliche Ergebnis seiner Geschichte präsentieren. Andere hätten sehr gern diese Probleme, die uns nachgesagt werden.

    Manche prophezeien, dass bei Ihrem Weggang das erfolgreiche Gerüst zusammenbricht.

    Das wäre sehr schlecht, wenn es so käme, aber das glaube ich nicht.

    Noch keine zehn Jahre ist es her, da haben Sie in der Zweiten Liga gegen TuS Koblenz gespielt, heute trennen die beiden Vereine vier Spielklassen. Mainz 05 ist so eine Art Rollenmodell für kleine und kleingewordene Vereine mit und ohne Tradition. Aber ist eine solche Erfolgsgeschichte heute überhaupt noch möglich?

    Was wir geschafft haben, ist 20 Jahre her. Heute ist das ganz, ganz schwer. Die beiden Profiligen werden sich in den nächsten Jahren immer weiter vom Rest entfernen, das TV-Geld erreicht ganz andere Dimensionen. Und wenn ein Klub, der kein typischer Profiverein ist, aus der Dritten Liga nach oben kommt, wird er Probleme haben. Es kann vielleicht bei einem Klub wie Rot-Weiss Essen funktionieren, der auch in der vierten Liga mehr als 10 000 Zuschauer hat. Die Dritte Liga als unterste Profiliga ist ein Sammelbecken, in der auch Vereine wie TuS Koblenz durchaus eine Rolle spielen können.

    Die Bundesliga arbeitet daran, bei den Fernsehgeldern die Milliardengrenze zu überschreiten. Für die Zuschauer kann das bedeuten, dass sie nicht mehr einen, sondern zwei oder drei Bezahlkanäle abonnieren müssen. Fürchten Sie, dass das Interesse nachlässt, wenn der Spaß zu teuer wird?

    Wer sich das Fernseh-Abo nicht leisten kann oder will, der soll ins Stadion gehen. Die Eintrittspreise in Deutschland sind im Vergleich zu den anderen großen Ligen überragend günstig. Fakt ist: Der Fußball wird ohne Geld nicht funktionieren. Auch wegen der internationalen Konkurrenz haben die Profivereine das Ziel, möglichst viel Fernsehgeld einzunehmen. Das kann dazu führen, dass ein Pay-TV-Kanal nicht mehr reicht, aber ob das dann insgesamt teurer wird, muss man abwarten. Es nutzt ja nichts, wenn man durch Preiserhöhungen Kunden verliert. Der Fußball wird nicht an Attraktivität einbüßen. Was sollen die Leute denn machen? Den ganzen Morgen Bobfahren und Rodeln schauen?

    Bei solchen Summen fragt sich der Laie, warum so viele Vereine trotzdem noch Zuschläge für die sogenannten Topspiele verlangen.

    Man kann auch sagen, die angeblichen Topzuschläge sind die normalen Preise, und die anderen Spiele werden rabattiert. Die Differenz hält sich ja auch noch im Rahmen. In Mainz zahlen Dauerkartenbesitzer keinen Topspielzuschlag. Der betrifft die Zuschauer, die nur zu einem oder zwei Spielen kommen wollen.

    Wo Sie nächste Saison arbeiten, werden Sie heute nicht beantworten. Aber vielleicht das: Wo sehen sie sich in fünf Jahren?

    Ich habe immer gesagt, ich kann mir fast nichts anderes vorstellen als Mainz 05. Es passieren aber Dinge im Leben, die rein privater Natur sind, die einen dazu bewegen können, etwas anders zu machen. Man kann auch über neue Berufe im Fußball nachdenken. Es gibt so viele Berater; Spielerberater werde ich im Leben nicht, da muss sich keiner Sorgen machen. Aber man kann ja auch Klubs beraten. Ob es so etwas gibt und ob ich das könnte, weiß ich nicht.

    Das Gespräch führte unser Redakteur Stefan Kieffer

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