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  • Die Mischung macht's: Fußball-Forscher über Spiel ohne Ball und Taktik der Zukunft

    Köln. Mit seinen Lösungen analysieren Profifußballteams ihre Gegner. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Prof. Daniel Memmert, welchen Einfluss die WM auf die Bundesligasaison hat – und warum auch Louis van Gaal eine Rolle spielen wird.  

    Niederlandes Trainer Louis van Gaal (rechts) wurde während der WM in Brasilien angesichts seiner vermeintlich defensiven Ausrichtung kritisiert, Experten werten dessen Umstellung auf ein 5-3-2-System allerdings als eine bemerkenswerte Variante.
    Niederlandes Trainer Louis van Gaal (rechts) wurde während der WM in Brasilien angesichts seiner vermeintlich defensiven Ausrichtung kritisiert, Experten werten dessen Umstellung auf ein 5-3-2-System allerdings als eine bemerkenswerte Variante.
    Foto: DPA

    Köln – Mit seinen Lösungen analysieren Profifußballteams ihre Gegner. Prof. Daniel Memmert, Leiter des Instituts für Kognitions- und Sportspielforschung der Sporthochschule Köln, hat ein Programm mitentwickelt, mit dem Bundesligisten ihre Gegner entschlüsseln. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt er, welchen Einfluss die WM auf die Bundesligasaison hat und warum auch Louis van Gaal eine Rolle spielen wird.

    Mit etwas Abstand, wie haben Sie den Weltmeistertitel der DFB-Elf erlebt?

    Wir freuen uns. Es ist schön, dass mit Stephan Nopp ein Mitarbeiter unseres Instituts dabei gewesen ist. Ein wahrer Weltmeister. Wir fühlen uns alle als Weltmeister, das ist ein typisches psychologisches Phänomen.

    Dass Sie Deutschland nicht als Weltmeister berechnet hatten, haben Sie also verkraftet?

    Wir hatten 75 Prozent der Halbfinalisten richtig, das ist eine gute Prognose. Wir hatten auch alle Achtel- und Viertelfinalausgänge richtig vorhergesagt.

    Ein kurzer Rückblick: Was hat Sie bei der WM überrascht?

    Holland mit Louis van Gaal. Dass er vom Positionsspiel abgekehrt ist, hin zum Umkehrspiel, hat mich überrascht. Das zeigt, dass er offen ist, nicht beratungsresistent.

    Inwiefern hat die WM Auswirkungen auf die bevorstehende Bundesligasaison?

    Es ist schwierig, Dinge einer WM auf die Liga zu transferieren. Dennoch glaube ich, dass man einiges gesehen hat, was sich in der Bundesliga fortsetzen könnte. Es gab Neuerungen in der Idee, gegen den Ball zu verteidigen. Ich glaube nicht, dass so viele Tore gefallen sind, weil die Offensivspieler besser geworden sind, sondern weil das Spiel gegen den Ball besser geworden ist. Da haben sich die Teams weiterentwickelt. Das sieht man in allen Zonen: Verteidigung, Mittelfeld und Angriff. Dadurch gibt es auch Ballgewinne dicht am gegnerischen Tor. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, Tore zu erzielen. Es war spannend zu sehen, wie Holland auf den Flügeln Überzahlspiele generiert hat. Ich vermute, dieses 5-3-2-System werden wir in Zukunft häufiger sehen.

    Wie sehr beeinflusst eine WM die Bundesliga-Trainer?

    Einige Trends werden sich fortsetzen, wie die Wichtigkeit der Standards. Aber gerade das Spiel gegen den Ball wird auch in der Bundesliga an Bedeutung gewinnen. Es muss dabei aber abwechslungsreich sein. Die Teams müssen mal vorn attackieren und sich dann wieder weiter zurückfallen lassen, um unberechenbar zu bleiben. Die Mischung macht's.

    Unterscheiden sich da die Möglichkeiten der Teams, so etwas durchzuziehen?

    Das steht und fällt mit der Qualität des Trainers. Wir haben auch letzte Saison Mannschaften oben in der Tabelle gesehen, die mit individueller Qualität nicht mithalten konnten, aber eine klare Idee von ihrem Trainer mit auf den Weg bekommen haben. Negativbeispiel war hier Bremen. Positivbeispiele gibt es viele, wie Mainz und Augsburg.

    2007 mit dem AC Mailand, 2011 mit dem FC Barcelona gewann jeweils ein Team aus dem Land des Weltmeisters den folgenden Champions-League-Titel. Inwiefern spielen viele Weltmeister im Kader eine Rolle während einer langen Saison?

    Es ist zweischneidig. Es kann sich ein Gefühl von Sicherheit – das meine ich eher negativ – einstellen. Das halte ich für einen gefährlichen Mechanismus. Mein Motto heißt Kontinuität durch Veränderung. Heute muss man schon nach einem halben Jahr Veränderungen vornehmen, um auf Augenhöhe zu bleiben. Alle schreiben schließlich ab. Man muss immer voraus sein, braucht Visionäre, die dem Verein sagen, wie morgen Fußball gespielt wird.

    Den Ballbesitzfußball hatten einige schon abgeschrieben. Dann wurde Deutschland mit diesem Mittel Weltmeister. Was könnte die stilprägende Taktik der Zukunft sein?

    Es wird immer eine Kombination aus beidem sein: Ballkontrolle und schnelles Umschaltspiel. Die Vereine, die da die Balance hinbekommen, werden vorn sein. Vielleicht sogar noch wichtiger ist das Spiel ohne Ball. Es wird aber nie Schablonen geben. Das muss noch mehr Einzug halten in das Training: Anpassung und Variabilität sind wichtig. Mannschaften müssen viele taktische Muster lernen. Sonst wird man ausrechenbar.

    Wer hält die Bayern in der Liga auf?

    Ich denke, dass die Bayern wieder eine dominante Rolle spielen werden. Aber ich hoffe auch, dass drei Teams mehr Gegenwehr leisten werden als das in der letzten Saison der Fall war. Da wäre Leverkusen wegen des neuen Trainers Roger Schmidt, den ich als herausragend erachte. Er wird Zeichen setzen. Ich erachte Wolfsburg und auch Gladbach wegen der Verstärkungen als sehr stark. Ich sehe die Chancen gut, dass diese drei die Bayern ein wenig mehr ärgern können, als das in der letzten Saison der Fall war. Dortmund dagegen hat mit Robert Lewandowski einen Schlüsselspieler verloren. Das System Klopp muss sich auch weiterentwickeln. Ich bin gespannt, wie er das löst.

    Wie sehen Sie die Rollen des 1. FC Köln und von Mainz 05?

    Köln wird gegen den Abstieg spielen. Sie werden sich freuen, wenn sie eine sorgenfreie Saison spielen. Alles andere wäre eine Sensation. Mainz sehe ich vor einer schweren Saison mit einem neuen Trainer. Es würde mich nicht wundern, wenn sie länger, als sie es sich wünschen, in der unteren Tabellenhälfte stehen werden.

    Das Gespräch führte unser Reporter Robin Brand

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