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    DüsseldorfDas deutsche Dilemma: Was wird aus Birgit Prinz?

    Silvia Neid und ihr Trainerteam stecken in einem Dilemma. Nach dem schwachen Auftritt der DFB-Elf gegen Nigeria wächst insbesondere die Kritik an Birgit Prinz. Die 33 Jahre alte Spielführerin, die ihre letzte WM einfach nur «genießen» wollte, befindet sich in einer Schaffenskrise.

    Entspannt
    Beim Autogrammeschreiben in Meerbusch konnte Birgit Prinz schon wieder lächeln.
    Foto: DPA

    Vor dem abschließenden Duell um den Gruppensieg mit Tabellenführer Frankreich am Dienstag in Mönchengladbach lautet die öffentlich meistdiskutierte Frage: Spielt sie oder spielt sie nicht?

    Aus Frust über die eigene Leistung und die frühe Auswechslung in der 52. Minute beim 1:0 gegen Nigeria hatte Prinz die Kapitänsbinde zu Boden geworfen und war missmutig vom Feld gestapft. «Glücklich war ich nicht», gestand Prinz danach freimütig. «Mit der Situation, dass sie ausgewechselt wird, wird sie sich nie anfreunden können. Dass sie sehr enttäuscht war und vielleicht ein bisschen überreagiert hat, kann man so sehen», räumte Co-Trainerin Ulrike Ballweg ein. Von einer «Demontage» der Ikone durch die frühe Herausnahme mochte die Neid-Assistentin aber nicht sprechen: «Das sehe ich nicht so. Wir reagieren auf Spielverläufe, ob jetzt mit Birgit oder anderen Spielerinnen.»

    Prinz habe weiter Rückendeckung und Unterstützung. «Sie ist ein Teammitglied, das natürlich als Birgit Prinz eine besondere Stellung hat», versicherte Ballweg weiter, gab aber auch zu, dass die Rekordnationalspielerin nicht gerade in blendender Laune sei und morgens «pfeifend zum Frühstück» erscheine. «Sie ist eher in sich gekehrt», sagte Ballweg, andererseits laufe sie aber auch nicht «deprimiert» oder «mit hängenden Schultern durch die Gegend».

    Zuspruch erhielt Prinz auch von Theo Zwanziger. «Birgit ist eine großartige Frau und eine tolle Spielerin, die als Marke des deutschen Frauenfußballs zu sehen ist», sagte der DFB-Präsident nach einem Besuch im Teamhotel am Sonntagnachmittag. «Ich bin absolut sicher, dass sie, wenn sie fit ist und sich fit fühlt, der Mannschaft auf dem Weg zum Endspiel helfen kann.» Ihre Frustaktion nach der Auswechslung wertete Zwanziger nicht als «nachhaltiges Wirken. Es ist passiert und jetzt ist es wieder in Ordnung.»

    Vor der Stippvisite des DFB-Chefs wollte Ballweg nichts über mögliche Änderungen im Team preisgeben. Doch Indizien deuten darauf hin, dass Melanie Behringer nach ihrer Bänderdehnung eine Auszeit erhält. So könnte die Stunde für Fatmire Bajramaj schlagen. Sie würde erstmals bei der WM in die Startelf rücken. «Ich habe mich zuletzt selbst unter Druck gesetzt. Aber jetzt bin ich auf gutem Weg», sagte die 23-Jährige, die nach ihrem Formtief einem Einsatz in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach entgegenfiebert.

    Ob Prinz gegen die Französinnen aufläuft, ließ Ballweg auch auf konkrete Nachfrage offen. «Wir sind in der Entscheidungsfindung. Da sind alle Überlegungen möglich, wir machen uns über alles einen Kopf, spielen alles durch und werden uns dann entsprechend entscheiden», sagte die Neid-Assistentin. Dass U 20-Weltmeisterin Alexandra Popp neben Bajramaj bei der Pressekonferenz im Düsseldorfer Team-Hotel präsentiert wurde, könnte auf eine Prinz-Pause hindeuten. Doch die erste Alternative im Sturmzentrum wäre eigentlich Inka Grings, die bislang auch nicht über die Reserverolle hinauskam.

    Die Duisburgerin brachte Verständnis für die Verärgerung von Prinz auf, die ihre großartige Karriere mit dem dritten WM-Titel krönen will. «In jenem Moment konnte sie ihre Gefühle wohl nicht kontrollieren. Ich glaube, sie weiß aber auch, dass das nicht ausarten darf - gerade bei ihr als Führungsspielerin», sagte Grings im Interview mit dem «Berliner Tagesspiegel» (Sonntag). Gleichzeitig hob auch sie die herausragende Stellung ihrer Weggefährtin hervor. «Birgit ist bei uns einfach 'die' Spielerin. Und wenn es mal nicht läuft, weiß sie auch, dass sie natürlich die erste Person ist, auf die man sich einschießt.»

    Am Samstag beim öffentlichen Training in Meerbusch vor rund 1500 Zuschauern hatte Prinz schon entspannter und lockerer gewirkt. Beim Autogrammschreiben war sie so begehrt wie kaum eine andere, lächelte und flachste mit den Fans. Ob das reicht, um gegen Frankreich die DFB-Elf erneut auf den Rasen zu führen, muss nun das Trainerteam abwägen. Das Problem: Neid kann in der kniffligen Lage eigentlich nichts richtig machen. Einerseits täte Prinz eine Pause sicher gut, um den Kopf ein wenig frei zu bekommen. Doch eine Nichtberücksichtigung würde öffentlich als weiterer Schritt zur Demontage der Symbolfigur wahrgenommen. Spielt Prinz aber erneut von Anfang an und bleibt wieder hinter den Erwartungen zurück, wäre die Situation vollkommen verfahren.

    In einer ähnlichen Lage befand sich Prinz schon vor zwei Jahren bei der EM in Finnland, als sie in den Gruppenspielen gegen Norwegen (4:0), Frankreich (5:1) und Island (1:0) torlos geblieben war. Damals ging sie in die Offensive und gewährte Einblicke in ihr Seelenleben. «Ich will mich nicht nach drei Spielen rechtfertigen, warum ich kein Tor geschossen habe. Diese Diskussion finde ich anstrengend», klagte sie, und gab zu, dass sie dies blockiere. Neid hielt seinerzeit an ihrer Vorzeige-Athletin fest, die sich dann beim 6:2 im Finale gegen England mit zwei Toren den Frust von der Seele schoss. Ein ähnliches Happy End wünscht ihr nun ganz Fußball-Deutschland.

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