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    HamburgBorussia am Abgrund: Anzeichen für Frontzeck-Aus

    Borussia Mönchengladbach taumelt dem Abgrund entgegen, Michael Frontzeck kann den freien Fall offenbar nicht mehr aufhalten.

    Unter Beobachtung
    Gladbachs Trainer Michael Frontzeck wurde in Hamburg von zahlreichen Kamerateams und Fotografen belagert.

    Zwar wiederholte Sportdirektor Max Eberl auch nach dem ernüchternden 1:3 (1:1) beim Rivalen FC St. Pauli seine Treueschwüre für den leidgeplagten Erfolglos-Coach. «Ich denke, dass der Trainer die Rückendeckung hat», sagte Eberl. «Und ich denke, dass wir sehr lange an Michael Frontzeck festhalten, weil wir so überzeugt sind, dass wir es mit ihm schaffen können.» Doch nach den Eindrücken vom Spiel könnte es gut sein, dass der ebenso frustrierte wie ratlose Fußball-Lehrer von sich aus das Handtuch wirft.

    Dafür sprechen nicht nur die mageren 16 Punkte und Tabellenplatz 18, auch die negative Stimmung im Umfeld sind Anzeichen für ein nahendes Ende. Die Presse hat sich längst auf den «Absturz-Trainer» («Express») eingeschossen, der nur dank seines alten Kumpels Eberl und des in der Winterpause bis 2013 verlängerten Vertrags noch im Amt sei. Auch die Fans sind das Verlieren leid: Lautstarke Frontzeck-raus-Rufe von den mitgereisten Anhängern, die als neues Erfolgs-Duo lieber «Lothar & Effe» auf der Kommandobrücke sehen wollen, sorgten dafür, dass sich der Coach in Galgenhumor flüchtete. «Wir sind alle irgendwo gefährdet», antwortete er auf entsprechende Fragen. «Diese Diskussion kann ich nicht beeinflussen. Wenn, dann nur mit Punkten.»

    Dieses Unterfangen ging in Hamburg voll daneben. «Wir schießen uns immer wieder selbst ins Knie. Wenn wir nicht zügig lernen, die Fehler zu minimieren und die Nerven in den Griff zu kriegen, dann wird es schwierig», meinte Frontzeck genervt. Anders als seine Akteure, die noch zwölf Spiele zur Verfügung haben, um sieben Punkte Rückstand auf Nicht-Abstiegsrang 15 wettzumachen, kann er nicht sicher sein, dass er noch so viele Bewährungsproben erhält. Und nun steht gegen Schalke wieder ein Heimspiel an, von denen seine Elf in dieser Saison noch kein einziges gewinnen konnte.

    Dass es nach den 1:0-Siegen in Nürnberg und Frankfurt am Millerntor nach hinten losging, hatte weitestgehend Igor de Camargo zu verantworten. Erst traf er nach einem haarsträubend verunglückten Rückpass von St. Paulis Moritz Volz (9. Minute), dann aber leistete er seinem Team einen Bärendienst, als er nach einem Foul von Matthias Lehmann dem Gegenspieler eine Kopfnuss versetzte. Zwar ging auch Lehmanns Kopf in de Camargos Richtung, doch nur der belgisch-brasilianische Stürmer wurde in der ohne Zeitlupe schwer zu beurteilenden Szene von Referee Wolfgang Stark mit Rot bedacht.

    Fortan spielte nur noch St. Pauli, das die Gäste in Überzahl an die Wand drückte und in der Rückrunde weiter ungeschlagen bleibt. Max Kruse (37.), der unermüdlich rackernde Kapitän Gerald Asamoah (53.) und Lehmann (58.) setzten die klare Überlegenheit nur unzureichend in Tore um. Unglücksrabe Volz, der für den verletzten Bastian Oczipka ins Team gekommen war, wollte sich nach seinem bösen Lapsus am liebsten «einbuddeln und die Schuhe an den Nägel hängen». Hinterher aber war er heilfroh, dass sein Bock folgenlos blieb. «Großes Lob an die Kollegen, wir sind wirklich eine tolle Truppe, die zusammenhält.»

    Lehmann gab hinterher zu, dass er die Chance beim Schopfe gepackt habe, als ihm de Camargo im wahrsten Sinne die Stirn bot. «So ein Geschenk nehme ich dankend an. Ich wäre ja dumm, wenn ich das nicht machen würde. Klar hat er mich berührt. Ich bleibe ja nicht stehen, wenn wir 0:1 zurückliegen», sagte er gnadenlos ehrlich. Nun können er und seine Kollegen beruhigt zum Derby am Mittwoch beim HSV antreten. «Da wollen wir nachlegen.» Mit Blick auf das vor Wochenfrist ins Wasser gefallene Match hatte Trainer Holger Stanislawski die Lacher auf seiner Seite: «Nun können wir uns voll auf die Aufgabe konzentrieren, wo wir eventuell das Derby spielen - wenn es nicht regnet.»

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