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    Rückpass: Olympia-Boykott, weitergedacht

    Es mutet fast schon wie eine eigene Sportart an: Wer hat eigentlich beim Wetteifern um „politische Korrektheit“ die Nase vorn? Also wenn es darum geht, als Politiker von Rang und Namen eine diskutable sportliche Großveranstaltung mit Missachtung zu strafen.

    RZ-Sportredakteur Klaus Reimann.
    RZ-Sportredakteur Klaus Reimann.

    Klaus Reimann blickt auf die Sportwoche zurück

    „Gauck boykottiert Olympische Spiele“, hieß es vor einigen Tagen, als der deutsche Bundespräsident verkündete, auf einen Besuch der Winterspiele in Sotschi zu verzichten. Mit seiner Ächtung der wenig demokratischen Zustände in Putins Riesenreich war Gauck in der Disziplin politische Handlungsschnelligkeit uneinholbar in Führung gegangen. Kurze Zeit später schloss sich EU-Justizkommissarin Viviane Reding Gaucks Verweigerungshaltung an.

    Auf Platz drei der eifrigen Protestler folgte in dieser Woche Frankreichs Präsident Francoise Hollande. Gegner des gepflegten Boykotts erachten die Handlungen dieses Trios keineswegs als medaillenwürdig. Vielmehr machen sie eine ausgemachte „politische Dummheit“ aus, wie Robert Schlegel erklärte, seines Zeichens Duma-Abgeordneter der Partei „Einiges Russland“.

    Gut, das könnte man als Kirchturmdenken im Schatten des Kreml interpretieren. Der Boykott sei „wenig hilfreich“, sagte Jens Nagel, Geschäftsführer beim Außenhandelsverband BGA. Nagel und seinen Lobbyisten ist zugutezuhalten, dass es nun mal viel Geld zu verdienen gibt im Exportgeschäft mit den Russen. Wer will da schon Stunk haben? Lieber solle der kritische Dialog aufrechterhalten werden, wie es so schön heißt. Woraus die Kritik im Dialog zwischen Rubel und Euro besteht, bleibt freilich ein Geheimnis. Beide sollen schließlich rollen ...

    Bleibt die Frage, was solche Protestnoten mittels Fernbleiben überhaupt bringen. Dienen sie der Sache – im Fall von Russland der Stärkung von Minderheiten und der Achtung von Menschenrechten? Zweifel sind angebracht – Putins jüngste Begnadigungswelle ist jedenfalls nur ein allzu durchsichtiger Schachzug, die Kritiker milde zu stimmen. Nach Sotschi kann das schon wieder ganz anders aussehen. Bei Licht besehen, stehen die Boykotteure den Ungerechtigkeiten und menschenverachtenden Zuständen ebenso machtlos gegenüber wie jene, die auf politischer Bühne Einflussnahme für sich reklamieren – um dann doch lieber wachsweich zu argumentieren als knallhart auf den Tisch zu hauen.

    Politiker sind eben auch weit mehr am wirtschaftlichen Fortkommen interessiert als an unbequemen Wahrheiten. Recht subtil hat im Übrigen US-Präsident Barack Obama das Problem gelöst. Er hat in Tennislegende Billie Jean King (70) und Eishockey-Nationalspielerin Caitlin Cahow (28) kurzerhand zwei homosexuelle Sportlerinnen in seine Olympia- Delegation für Sotschi berufen. Eine gute Mischung aus Provokation und Protest – was man von Angela Merkels Idee, ihre reichlich stumpf gewordene Allzweckwaffe Thomas de Maiziere kurzzeitig auf die Krim zu verbannen, wohl nicht behaupten kann.

    Zurück zu Gauck: Wo dürfte ein deutscher Bundespräsident in den nächsten Jahren überall nicht hinfahren, meint er es mit seiner Protestnote wirklich ernst? Der Fußball- WM in Brasilien sollte er tunlichst fernbleiben. Schließlich hat sich die dortige Elite nicht zuletzt durch Korruption, Geldverschwendung und Bonzentum einen Namen gemacht. Heißt auch: kein Besuch der Olympischen Sommerspiele 2016.

    Denn die finden wo statt? Genau, in Brasilien. Ach ja, Korruption und Geldverschwendung sind Disziplinen, in denen sich auch der Fußball-Weltverband bestens auskennt. Womit eine Stippvisite zur Fußball-WM 2018 in Russland ebenfalls mit einem moralischen „Njet“ überschrieben wäre. Russland und die Fifa – da sind ja gleich zwei demokratiescheue Brüder im Geiste vereint. Die Fußball-WM in Katar 2022 dürfte für Gauck ohnehin kein präsidiales Reiseziel mehr sein.

    Aber soll sein Nachfolger (oder Nachnachfolger) ein Land bereisen, in dem die Menschenrechte derart mit Füßen getreten werden? Brisant würde es für den deutschen Bundespräsidenten, lüden die USA in den nächsten Jahren zu einer sportlichen Großveranstaltung ein. Wiegt die nahezu lückenlose Abschöpfung privater Daten durch US-Geheimdienste weniger schwer als ein krudes Gesetz gegen homosexuelle Propaganda in Russland?

    Oder wohnt das Böse weiterhin nur östlich von Berlin, weil in Gaucks Vita der große Bruder immer auch als großer Feind daherkam? Das Feld beim Wettlauf um die politische Korrektheit, so scheint es, ist noch nicht einmal auf die Zielgerade eingebogen ...

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