40.000
  • Startseite
  • » Sport
  • » Sport mit Meinung
  • » DTB-Chef Ulrich Klaus im Interview: Trotz Kerber kein Tennis-Boom
  • Aus unserem Archiv

    KoblenzDTB-Chef Ulrich Klaus im Interview: Trotz Kerber kein Tennis-Boom

    Früh aufstehen hieß es für Ulrich Klaus am Dienstagmorgen: Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) reiste nach München, um die neue Weltranglisten-Erste Angelique Kerber zu empfangen.

    Schrei vor Freude: Die neue Weltranglisten-Erste Angelique Kerber sorgt für positive Schlagzeilen.
    Schrei vor Freude: Die neue Weltranglisten-Erste Angelique Kerber sorgt für positive Schlagzeilen.
    Foto: dpa

    Im Interview mit unserer Zeitung spricht der 66-Jährige aus Waldesch bei Koblenz über die neue deutsche Tennis-Heldin, die Querelen bei den DTB-Männern und über sein anspruchsvolles Ehrenamt an der Spitze des mehr als 1,4 Millionen Mitglieder starken Verbandes.

    Auch im deutschen Tennis gilt derzeit: Männer und Frauen können sehr unterschiedlich sein, oder?

    Ja, manchmal sind die einen pflegeleichter, manchmal die anderen. Manchmal sind die einen erfolgreicher als die anderen. Und im Moment sind unsere Frauen einfach sehr erfolgreich.

    Angelique Kerber ist die neue Nummer eins der Welt. Zudem haben Laura Siegemund im Mixed und eben Kerber im Einzel die US Open gewonnen. Wie haben Sie das Kerber-Endspiel erlebt?

    Vor dem Fernseher zu Hause war mein Puls rasend schnell. Im dritten Satz bei 1:3-Rückstand habe ich an nichts mehr geglaubt. Aber typisch Angie: Sie kam zurück. Ich kann kaum glauben, was passiert ist. Das alles fing ja schon mit ihrem Sieg in Melbourne an, dann die Finalteilnahme in Wimbledon, Olympia-Silber in Rio und die US Open als Schlusspunkt. Man muss den Hut vor Angelique Kerber ziehen. Mit welchem Fleiß und Ehrgeiz, mit welcher Akribie und Willensstärke sie das gemacht hat - unglaublich. Sie ist ein absolutes Vorbild, weil sie eine Spielerin zum Anfassen ist. Sie steht mit beiden Beinen auf dem Boden, ist sympathisch und nicht abgehoben.

    Viele reden nach solchen Erfolgen reflexartig von einem kommenden Boom der Sportart. Wie schätzen Sie das als gestandener Tennisfunktionär und -spieler ein?

    Nee, von einem Tennis-Boom sind wir sicherlich weit entfernt. Aber was wir deutlich spüren, ist, dass die Sportart schon eine ganze Zeit lang Rückenwind hat. Es ist durch die jüngsten Erfolge so etwas wie eine Aufbruchstimmung da.

    Schrei aus Frust: Von den deutschen Männern um Alexander Zverev gibt es weniger gute Nachrichten.
    Schrei aus Frust: Von den deutschen Männern um Alexander Zverev gibt es weniger gute Nachrichten.
    Foto: Imago

    Konträr zu den Frauen präsentieren sich die deutschen Männer. Teamchef Michael Kohlmann hat - überspitzt formuliert - nur schwer willige Spieler für die Davis-Cup-Partie am Wochenende in Berlin gegen Polen gefunden.

    Sicherlich ist ein Relegationsspiel nicht besonders attraktiv, nicht um diese Jahreszeit, nicht in Europa und auf Sand als Belag. Aber wir haben ein ordentliches Team. Leider spielt Alexander Zverev nicht, und die kurzfristige verletzungsbedingte Absage von Philipp Kohlschreiber, der sich zu einem absoluten Führungsspieler entwickelt hat, trifft uns natürlich auch.

    Sie haben eben gesagt, dass die Rahmenbedingungen der Partie nicht sonderlich attraktiv sind. Sollte es nicht attraktiv genug sein, für sein Heimatland zu spielen?

    Davon gehen wir eigentlich aus. Aber im Tennis ist es nicht so einfach. Die Spieler haben manchmal andere Interessen, das ist in anderen Ländern genauso. Damit müssen wir leben. Wir in Deutschland sind aber in einer komfortablen Situation: Die Mädels wollen spielen, die Jungs eigentlich auch ...

    ... das kam beim derzeit besten Deutschen, Alexander Zverev, aber anders rüber. Erst die etwas fadenscheinige Absage für Olympia, dann die für den Davis Cup. Ist er falsch beraten?

    Das kann ich nicht sagen, ich bin nicht so nah an ihm dran. Letztlich sind es Profis, und das Management hat sicherlich einen starken Einfluss. Aber man muss Alex Zverev auch in Schutz nehmen: Er hat in diesem Jahr viele Turniere gespielt, hatte Formschwankungen, war häufiger verletzt. Er muss sich körperlich noch entwickeln, da muss man nachsichtig sein. Und ich bin ganz sicher: Wir werden noch sehr viel Freude an ihm haben, auch im Davis Cup.

    Die andere Absage kam von Dustin Brown, der lieber irgendwo ein zweitklassiges Turnier spielt.

    Das DTB-Präsidium wird sich mit dem Fall beschäftigen. Das wird bestimmt zu Diskussionen führen. Unser Vizepräsident Dirk Hordorff hat da, glaube ich, auch schon einen Vorschlag.

    Das klingt nicht unbedingt nach einer Ehrung für den Spieler Brown ...

    Das wird sicher keine Ehrung sein, aber ich will dem Präsidiumsbeschluss nicht vorgreifen.

    Ulrich Klaus.
    Ulrich Klaus.
    Foto: Sascha Ditscher

    Nun zu Ihnen: Sie sind seit 22 Monaten Präsident des größten Tennisverbandes der Welt. Macht Ihnen der Job noch Spaß?

    Es ist wahrscheinlich der aufwendigste ehrenamtliche Vollzeitjob, den es gibt. Ich bin sehr viel unterwegs. Es gibt viele ganz positive Momente, wenn es um den Sport geht. Aber es gibt auch viel Verwaltungskram und viele Auseinandersetzungen. Die braucht man natürlich nicht, aber die bleiben in so einem großen Verband nicht aus. Sie haben mich gefragt, ob es Spaß macht: Ich mache den Job sehr gern und möchte ihn im Moment auch nicht missen.

    Sie sind für drei Jahre gewählt. Was haben Sie sich noch vorgenommen?

    Wir sind auf dem Weg, die Finanzen des DTB weiter zu regeln. Sportlich haben wir uns neu ausgerichtet, besonders im Nachwuchsbereich. Wir sind auf der Suche nach neuen Finanzierungsmodellen - und wir ordnen die Strukturen in den Verbänden neu. Hier müssen wir uns moderner und hauptamtlicher aufstellen.

    Und im Bereich des Breitensports?

    Ich habe gerade die neuen Mitgliederzahlen bekommen. Viele Landesverbände haben wieder ein Plus zu verzeichnen, andere sind noch nicht auf dem richtigen Weg. Insgesamt sind wir bei einer schwarzen Null. In Rheinland-Pfalz haben wir nur einen ganz leichten Rückgang zu verzeichnen, aktuell stehen wir bei knapp 80 000 Mitgliedern. Es muss uns gelingen, klar zu machen, dass Tennis in den Vereinen am besten läuft, die Menschen dort am besten aufgehoben sind. Viele Vereine haben aber noch nicht begriffen, dass drei oder vier Tennisplätze dafür nicht ausreichen, das Angebot muss besser sein. Da muss das Klubhaus funktionieren, es muss andere Aktivitäten geben. Auch hier in der Region haben wir Vereine, in denen das hervorragend funktioniert, und welche, bei denen es nicht klappt.

    Ihr Heimatverein ist der Post-SV Koblenz. Kommen Sie selbst noch dazu, Tennis zu spielen?

    Ich habe fast unvorbereitet ein Medenspiel gespielt, aber leider in zwei Sätzen jeweils im Tiebreak verloren. Aber ich spiele gern und gehe einmal in der Woche zum Training mit meinen Mannschaftskollegen - wenn ich mal da bin.

    Das Gespräch führte unser Sportchef Jochen Dick

    Sport-Berichte/-Analysen/-Interviews
    Meistgelesene Artikel
    Sport-Lokalteile
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Regionalsport
    • Newsticker
    • Lokalticker
    Anzeige
    Fußball Männer
    Fußball Frauen
    Neuzugang Yuko Aizawa (links; rechts kommt Mitspielerin Angelika Weber einen Schritt zu spät) steuerte zwei Treffer für den SC 13 zum 4:0-Sieg gegen den MSV Duisburg II bei. Foto: Vollrath

    im Rheinland

    - Westerwald

    - Mittelrhein/Mosel

    - Rhein-Lahn

    im Südwesten

     späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

    Fußball Mix
    Kapitän Tim Schulz (links) bemühte sich mit seinen Betzdorfer Mitspielern zwar, doch auch gegen Elversberg reichte es am Ende nicht.

    Jugendfußball

    - im Rheinland

    - im Südwesten

    Fußballpokale

    Hallenfußball

     späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

    Regionalsport Mix