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  • Die Launen des Fußballgottes

    Mit dem Glauben ist das so eine Sache. All jene, die sich dem Sport im Allgemeinen und dem Fußball im Besonderen nähern, schmunzeln allenfalls, wenn sich mancher Torschütze flugs des Trikots entledigt und darunter auf einem T-Shirt die Botschaft „Gott liebt dich“ zu lesen ist. Cacau, einst beim VfB Stuttgart und auch im DFB-Team unterwegs, zählte zum Beispiel zu jenen Profis, die aus der Hilfe von oben besondere Kraft schöpften.

    Sven Sabock kommentiert.
    Sven Sabock kommentiert.

    Sven Sabock zu Glaubensfragen im Abstiegskampf

    Häufig ist auch zu beobachten, wie sich Akteure beim Auflaufen bekreuzigen – um es bei der anschließenden Grätsche auf dem Rasen mit der Nächstenliebe nicht mehr so genau zu nehmen. Ja, und wir erinnern uns natürlich an Argentiniens Star Diego Maradona, der bei seinem Tor zum 1:0 im WM-Viertelfinale 1986 gegen England erst zum Volleyballer wurde und anschließend von einer Art Eingebung sprach, die ihn zur Hand Gottes werden ließ.

    Im Selbstverständnis des exzentrischen Stürmers mag das logisch erscheinen, ansonsten fehlen aber eindeutige Beweise oder stichhaltige Indizien, ob es ihn wirklich gibt, den Fußballgott. Als würde da oben irgendwo irgendjemand sitzen, der unter der Woche in den Fachzeitschriften und neuerdings im Internet alle Ergebnisse und Tabellen analysiert – um dann aus einer Laune heraus hier mal eben einem Spieler helfend zur Seite zu springen und vielleicht dort eine Mannschaft durch einen unberechtigten Elfmeter mit einem Bannstrahl zu versehen.

    Wobei: Gerade an den letzten Spieltagen könnte dieser Gedanke schon aufkommen. Fragen Sie mal bei Schalke 04 nach. Dort fielen 2001 so ziemlich alle vom Glauben ab, als sich die „Königsblauen“ schon im siebten Himmel wähnten, ehe den Bayern in Person von Patrik Andersson beim HSV in der Nachspielzeit doch noch das entscheidende Tor zur Meisterschaft gelang und sich ganz Gelsenkirchen in ein Tränenmeer verwandelte. „Ich glaube jetzt nicht mehr an den Fußballgott“, schluchzte Schalke-Manager Rudi Assauer damals.

    Es stellt sich die Frage, warum die höheren Mächte – wenn es sie denn gibt – neuerdings die schützende Hand über den Hamburger SV halten. Denn selbst der unberechenbare Fußball, in dem es meist ganz anders kommt als gedacht, kann sich derlei groteske Winkelzüge nicht allein ausdenken. Und auch der abstrakte Begriff vom Glück beschreibt ja nur unzureichend das Wohlwollen, das die Hanseaten vor dem Absturz in Liga zwei bewahrt.

    Vor allem die Geschichte um Pierre-Michel Lasogga hat etwas Übersinnliches, fast mythisches. Dem 25-Jährigen genügte in der Relegation 2014 beim entscheidenden 1:1 in Fürth ein Tor, um Heldenstatus zu erlangen – ehe er in dieser Saison zum gut bezahlten Bankdrücker wurde. So weit, so gewöhnlich. Bis zum vergangenen Wochenende, als Lasogga wie Phönix aus der Asche stieg und den Hamburgern mit dem 1:1 auf Schalke ein neues Leben schenkte. Mit einem Tor aus drei Metern, bei dem er den Ball noch nicht einmal richtig traf. Überflüssig zu erwähnen, dass der HSV in der Nachspielzeit von einer strittigen Entscheidung profitierte und dem Gegner ein mutmaßlich regulärer Treffer aberkannt wurde.

    Vielleicht ist es sogar so, dass selbst die Regelhüter ihren Beistand leisten – ohne es zu wissen. Jedenfalls scheint es ein gutes Omen zu sein, dass das „Anti-Relegations-Finale“, wie die „Bild“ das Duell gegen Wolfsburg umschreibt, von Manuel Gräfe geleitet wird. Der Berliner, und das ist noch so eine Episode, sprach dem HSV in der Relegation 2015 gegen Karlsruhe in der Nachspielzeit einen umstrittenen Freistoß zu. Der Ball ging rein, den praktisch schon abgestiegenen Hamburgern gelang in der anschließenden Verlängerung die Rettung.

    Kein Wunder, dass sich der Brasilianer Douglas Santos bei all diesen Fügungen vor dieser Saison dachte, mit einem Wechsel zu den Hanseaten gut beraten zu sein. „Gott wollte, dass ich zum HSV komme“, sagte der gläubige Abwehrspieler. Heute wissen wir: Bei diesem Tipp hatte der liebe (Fußball-)Gott nicht seinen besten Tag.

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