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    Idar-ObersteinThorsten Ranft: Hockey ist taktischer als Fußball

    Im Kreis Birkenfeld gibt es eine ganze Reihe guter und erfolgreicher Trainer in allen Sportarten, aber Thorsten Ranft ist der vielleicht außergewöhnlichste Coach von allen. Gerade erst hat Ranft den SC Idar-Oberstein zur Meisterschaft in der 2. Hallenhockey-Verbandsliga geführt. Aber Ranft kann nicht nur Hockey – er war auch schon als Coach im Fußball erfolgreich. 2007 führte er den TuS Mörschied zur Meisterschaft in der A-Klasse und zum Aufstieg in die Bezirksliga. Damit gehört Ranft zu der seltenen Trainergattung, die in zwei verschiedenen Mannschaftssportarten zu Meisterehren gekommen sind. Im Interview mit der Nahe-Zeitung spricht er über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Sportarten und seine Herangehensweise als Trainer.

    Thorsten Ranft bei einer Ansprache im Kreise seiner aktuellen Meistermannschaft. Den SC Idar-Oberstein führte er unlängst zum Titelgewinn in der 2. Hallenhockey-Verbandsliga.  Foto: Joachim Hähn
    Thorsten Ranft bei einer Ansprache im Kreise seiner aktuellen Meistermannschaft. Den SC Idar-Oberstein führte er unlängst zum Titelgewinn in der 2. Hallenhockey-Verbandsliga.
    Foto: Joachim Hähn

    Lieber Thorsten Ranft, arbeiten Sie als Hockey-Trainer anders als mit Fußballern?

    Sagen wir mal so, ich habe im Fußball immer versucht Dinge umzusetzen, die ich vom Hockey her gekannt habe.

    Wir sind gespannt auf Beispiele...

    Ein grundlegender Unterschied war für mich immer das Training. Als Jürgen Klinsmann als Fußball-Bundestrainer Ideen von Bernhard Peters aus dem Hockey als die große Neuigkeit verkauft hat, musste ich schmunzeln, weil sich darin einfach meine Erfahrungen widergespiegelt haben. Im Fußball war und ist es nach wie vor üblich, dass unglaublich viel ohne Spielgerät gemacht wird. In der Vorbereitung wird zum Beispiel üblicherweise gelaufen. So etwas habe ich vom Hockey nicht gekannt. Wir sind eigentlich nie ohne Schläger auf den Platz. Ich kenne die Trainingsarbeit im Hockey als ganzheitliches Programm, und so arbeite ich auch als Hockey-Coach. Das Konditionstraining findet mit Ball statt.

    Haben Sie dann als Fußballtrainer beim TuS Mörschied genauso gearbeitet?

    Meine Überlegungen und die Methoden hatten den gleichen Ansatz. Ich habe versucht, die Technik als Basis zu nehmen. Anders ausgedrückt, ich bin ein Freund von Trainingsmethoden, bei denen die Jungs sich viel bewegen, ohne es zu merken. Aber der Erfolg in Mörschied hatte einen weiteren wichtigen Grund.

    Thorsten Ranft als stolzer Meistertrainer im Fußball. Am 29. April 2007 machte er mit dem TuS Mörschied den Titel perfekt.  Foto: Hähn
    Thorsten Ranft als stolzer Meistertrainer im Fußball. Am 29. April 2007 machte er mit dem TuS Mörschied den Titel perfekt.
    Foto: Hähn

    Nennen Sie ihn uns, bitte...

    Ich habe den TuS gemeinsam mit Rainer Becker trainiert. Rainer ist trainingsmethodisch „alte Schule“ gewesen. Ich hatte dagegen den eben beschriebenen Ansatz. Wir waren wie schwarz und weiß, aber wir haben uns immer in der Mitte gefunden. Das war sehr fruchtbar, und wir waren erfolgreich.

    Was haben Sie außer dem Training noch vom Hockey auf den Fußball zu übertragen versucht?

    Es gibt einen elementaren Unterschied zwischen Hockey und Fußball beim Spielaufbau. Im Fußball kann man jederzeit auf lange, hohe Bälle zurückgreifen. Das ist im Hockey dagegen kaum umzusetzen, weil hohe, weite Bälle sehr schwierig zu spielen sind und sie häufig als Regelverstoß gewertet werden. Deshalb ist der Spielaufbau beim Hockey einerseits eingeschränkt, weil eine einfache Variante fehlt, aber andererseits genau deshalb auch viel taktischer.

    Was bedeutet das konkret?

    Naja, so etwas wie sich dem Ballführenden „auf Lücke“ anbieten, war für mich beim Fußball eine Selbstverständlichkeit, weil das im Hockey elementar ist. Also habe ich das auch als Trainer von meinen Mannschaften verlangt.

    Kann man also sagen, dass Hockey taktischer ist als Fußball, aber systemisch ähnlich?

    Ja, absolut. Gerade im Feld, wo die Maße bei beiden Sportarten gleich sind, werden prinzipiell auf die gleichen Systeme zurückgegriffen. Ist ja auch klar, weil der gleiche Raum zu besetzen ist. Allerdings werden wegen der schon angesprochenen eingeschränkten Option des hohen Balls die Angriffspositionen häufiger mit drei Spielern besetzt. Einen Stoßstürmer wie im Fußball findet man nicht.

    Gibt es auch Dinge, die vom Fußball auf Hockey übertragbar sind und die sie genutzt haben?

    Fußballer haben weniger Angst vor körperbetontem Spiel. Beim Hockey ist das ja eingeschränkt, aber durchaus auch erlaubt. Man darf zum Beispiel im Zweikampf mit Schulter und Hüfte schieben. Hockeyspieler, die vom Fußball kommen, setzen dieses Mittel eher und selbstverständlicher ein – und ich mag es auch, wenn dieses Element clever genutzt wird.

    Sie kommen vom Hockey, aber wie sind Sie dann auch ein herausragender Fußballer geworden?

    Tatsächlich war ich noch keine fünf Jahre alt, als ich meinen ersten Hockeyschläger in der Hand gehalten habe. Als meine Familie dann nach Veitsrodt gekommen ist, da war ich mit Hockey alleine nicht mehr ausgelastet. Meine ganzen Kumpels, etwa Sascha Albert oder Matthias Weyand, haben gekickt, also habe ich mitgespielt.

    Dann haben Sie Hockey und Fußball parallel gespielt?

    (lacht) Ja! Da war ich richtig fit. Ich habe viermal die Woche trainiert, zweimal Hockey, zweimal Fußball und am Wochenende drei Spiele bestritten. Damals gab es Doppelspieltage im Hockey. Das sah dann so aus, dass ich am Samstag und am Sonntagmorgen auf dem Hockeyplatz gestanden habe und am Sonntagnachmittag dann beim Fußball aufgelaufen bin.

    Sie kennen Hockey und Fußball, Sie haben beide Sportarten gespielt, Sie wirken in beiden Sportarten als Trainer, welche bevorzugen Sie?

    Ganz klar Hockey. Ich spiele wirklich gerne auch Fußball, aber Hockey ist meine Sportart.

    Sehen Sie Hockey gegenüber Fußball irgendwo auch im Nachteil?

    Ganz klar, Fußball ist zuschauerfreundlicher, weil die Regeln nach wie vor überschaubar sind. Beim Hockey werden ständig Regeln geändert und an die Geschwindigkeit des Spiels sowie an die Vermeidung von Verletzungen angepasst. Das ist für uns Spieler oft gut – für Zuschauer allerdings ist es deutlich schwieriger, den Überblick zu behalten.

    Gibt es Regeln vom Hockey, die Sie auch beim Fußball einführen würden?

    Fußball ist beinahe die letzte Mannschaftssportart, die noch mit Abseits spielt und Spielerwechsel nur eingeschränkt erlaubt. Beides würde ich ändern. Ich würde Abseits abschaffen und freies Wechseln gestatten. Gerade als Trainer hätte man da ganz andere taktische Möglichkeiten als jetzt. Und was sich beim Hockey total bewährt hat, das ist die Selbstpassregel bei Freischlägen. Deshalb würde ich es auch beim Fußball erlauben, bei einem Freistoß einfach loszulaufen. Auch das würde ganz neue Varianten und Möglichkeiten bringen.

    Bei uns im Kreis Birkenfeld stehen gerade wieder die Fußballschiedsrichter im Fokus. Haben es die Fußballreferees tatsächlich schwerer als ihre Kollegen beim Hockey, haben Hockeyspieler tatsächlich mehr Respekt vor ihren Schiedsrichtern?

    Also beim Hockey stehen eher selten Leute mit ein paar Stubbi im Kopf am Platz und schreien auf den Schiedsrichter ein. Aber ernsthaft: Ich glaube nicht, dass Hockeyspieler weniger emotional sind als Fußballer und immer ohne Murren Entscheidungen akzeptieren. Im Gegenteil, die Schiedsrichter müssen sich auch einiges anhören. Allerdings haben Hockeyschiedsrichter mehr Möglichkeiten, Strafen zu verteilen. Es gibt mehr Abstufungen und natürlich Zeitstrafen. Zeitstrafen bedeuten Unterzahl und damit auch einen Nachteil für die ganze Mannschaft. Schiedsrichter im Hockey greifen deshalb oft schon bei Äußerungen zu Strafen, die Referees beim Fußball noch lange nicht als strafwürdig empfinden würden. Und deshalb überlegt man es sich als Spieler schon eher, ob man etwas sagt. Schließlich schadet man der Mannschaft.

    Es ist also beim Hockey weniger die bessere Disziplin, sondern eher die Angst vor der Disziplinierung?

    So kann man das sagen.

    Würden Sie daher auch im Fußball Zeitstrafen befürworten?

    Im Profibereich nein, das hemmt den Spielfluss zu sehr. Aber in unteren Spielklassen ist es ein gutes Mittel, um einen besonders aufgebrachten Spieler wieder runterzubekommen.

    Bliebe nur noch zu klären, wie die Feste nach Meisterschaften sind? Bei beiden Sportarten gleich?

    (lacht) Hockeyspieler sind ein feierwütiges Völkchen, deshalb sind Hockeypartys vielleicht noch geiler als beim Fußball. Beim Hockey sind auch Juxturniere etabliert. Da wird gespielt, aber die Duelle nicht ganz so ernst genommen. Jux ist da Programm. Das kenne ich vom Fußball so auch nicht.

     

    Das Gespräch führte Sascha Nicolay

    Regionalsport extra (L)
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