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Marathon: Bundestrainer Ron Weigel plant Ausscheidungskampf im Frühjahr - Sören Kah ist der Nobody im DLV-Kader

Leichtathletik - Dass es keinen A-Kader geben wird und sieben Männer im neu formierten B-Kader versuchen sollen, das Unmögliche zu schaffen, spricht Bände über den Zustand der deutschen Marathonspitze im Jahr vor den Olympischen Spielen in London. 2:12 Stunden - das ist die Norm, die es zu knacken gilt. Selbst derjenige, dessen ureigenste Aufgabe es ist, diese diffizile Mission zu einem versöhnlichen Ende zu führen, spricht von einer "Chance, die es gibt, die aber sehr gering ist". Es sind die Worte von Ron Weigel, Marathon-Bundestrainer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Die Worte eines Mannes, der als Geher Weltmeister war und für DDR wie BRD insgesamt drei olympische Medaillen holte. Die Worte eines Mannes, dessen eigene Erfolge verblasst sind und dem dieser Tage mehr als nur ein kalter Herbstwind ins Gesicht bläst.

Der Neue: Sören Kah überzeugte bei seinem Marathon-Debüt und steht erstmals im Nationalkader.
Marco Rosbach

Während die internationale Elite im Akkord und egal wo auf der Welt Zeiten abliefert, von denen vor wenigen Jahren nur Ausnahmeläufer wie Paul Tergat und Haile Gebrselassie träumen durften, rennt die nationale Spitze ohne Erfolg einer Marke hinterher, über die afrikanische Athleten allenfalls schmunzeln. Als vor zwei Wochen Wilson Kipsang in Frankfurt Patrick Makaus frischen Weltrekord (2:03:38) um vier Sekunden verpasste, zogen die Herren beim DLV einmal mehr lange Gesichter.

Andre Pollmächer ist Ron Weigels talentiertester Schützling, den er auch über sein Amt als Bundestrainer hinaus betreut. Er ist vor zweieinhalb Jahren schon mal 2:13:09 Stunden gelaufen - scheiterte in Frankfurt aber an der für deutsche Langstreckler derzeit unrealistischen Norm und stieg aus. Schnell machte ein Wort die Runde: Coachingfehler. Dieter Baumann wählte den Begriff als Co-Kommentator im Fernsehen als Erster, viele Experten schlossen sich an. Im Herbst anno 2011 ist kein deutscher Athlet in der Lage, nur annähernd in den Bereich der vom DLV geforderten Zeit zu laufen. Pollmächer scheiterte in Frankfurt, Falk Cierpinski, der Zweite, der es ernsthaft versucht hat, in Berlin. Doch die Norm steht.

Aktuell sind es nur zwei Läufer, die wenigstens die international geforderte Marke unterboten haben: Jan Fitschen (2:15:40) und Sören Kah (2:17:58). Und auch das spricht Bände: Fitschen wurde 2006 Europameister über 10 000 Meter, gilt nach wie vor als Bahnläufer, sucht aber auf der Straße sein Glück. In Düsseldorf musste er im Frühjahr der Hitze Tribut zollen, brach ein und trabte nach 2:20:15 Stunden ins Ziel. In Frankfurt lief es besser für ihn, durch Pollmächers Ausstieg ist er aktuell der beste Deutsche. Richtig kurios ist der Aufstieg des Sören Kah: Der ehemalige Kreisligafußballer aus Birlenbach im Rhein-Lahn-Kreis hat erst nach einem Kreuzbandriss wieder zum Laufen gefunden, arbeitet aber seit mehr als einem Jahr unermüdlich - als Nicht-Profi wohlgemerkt. Sein Lohn: Ron Weigel hat den 29-jährigen Nobody neben dem gesetzten Trio Pollmächer, Fitschen, Cierpinski sowie Hagen Brosius, Robert Krebs und Christian Glatting in den Kader geholt. Als Anerkennung für Kahs "Sprung auf allen Strecken und das vielversprechende Debüt in Frankfurt", wie er sagt. Vielleicht auch als Warnung an die Etablierten. "Der Kader ist eine Mischung aus Jung und Alt, aus Erfahrenen und Motivierten", sagt Ron Weigel. "Teils ist es eine Auszeichnung, teils die letzte Chance."

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